101. Jägerball vom Verein Grünes Kreuz: Das sind die Höhepunkte der Eröffnung
Die Tradition hat ihren festen Platz, Raum für mutige Neuerungen und ein abwechslungsreiches Programm gibt es beim »kapitalen Ballabend« dennoch: Der Jägerball steht heuer unter der Patronanz des Burgenlandes und lässt Johann Strauss (Sohn) und Puszta-Klänge verschmelzen. Auch kulinarisch darf man sich auf eine Reise ins östlichste Bundesland freuen.
Geburtstage vorzufeiern, besagt der Volksmund, bringt Unglück. In diesem Fall gibt es aber wohl gute Gründe für die leicht verfrühte Huldigung: Denn der traditionsreiche Jägerball vom Verein Grünes Kreuz steht dieses Jahr nicht nur ganz im Zeichen des Burgenlandes, sondern auch im Zeichen von Johann Strauss (Sohn) – und das, obwohl heuer erst dessen 199. und eben nicht der runde 200. Geburtstag begangen wird.
Aber Strauss und das Burgenland, das passt »einfach perfekt zusammen«, sagt der Opernsänger und Kulturmanager Daniel Serafin, der beim diesjährigen Jägerball zum zweiten Mal als künstlerischer Leiter das musikalische Programm verantwortet. Dass Strauss als »Walzerkönig« ohnehin von keinem Ball wegzudenken sei, ist die eine Sache. Dass er mit seiner Operette »Der Zigeunerbaron« das Burgenland »entscheidend mitgeprägt« habe, wie Serafin sagt, ist aber eine Geschichte für sich. Und die will Serafin an diesem Ballabend – verfrühtes Jubiläum hin oder her – erzählen.
»Die Puszta-Klänge gab es im Burgenland schon immer«, sagt Serafin. Klar, mit dem nahen Ungarn bildet man seit Langem eine gemeinsame Kulturregion. Bis heute prägt der östliche Nachbar die Entwicklung des jungen Bundeslandes entscheidend mit. Da erscheint es – rückblickend – fast logisch, dass dem »Zigeunerbaron« einst auch eine entscheidende Rolle in der Entstehung der renommierten Seefestspiele Mörbisch zukam: Als diese im Jahr 1957 aus der Taufe gehoben wurden, wurden sie mit der Premiere der Operette eröffnet.
Musikalischer Roter Faden
Nun hält sie auch in der Wiener Hofburg und in der Spanischen Hofreitschule, wo der Jägerball traditionell abgehalten wird, Einzug: Zur Eröffnung erklingt der »Einzugsmarsch« aus dem »Zigeunerbaron«, auch bei der Mitternachtsquadrille spielt die Operette – ausnahmsweise anstelle der »Fledermaus« – eine zentrale Rolle. Choreografiert wird die Eröffnung wie gewohnt von der Tanzschule Elmayer, hier setzt man beim Jägerball auf Tradition.
Johann Strauss wird auch das weitere Programm prägen: Wenn drei Paare des Staatsopernballetts das Publikums verzaubern, wird zu ihrer Choreografie »Eljen a Magyar« erklingen. »Es lebe der Ungar!« Die Schnellpolka, die Strauss einst »der ungarischen Nation« widmete, wurde im März des Jahres 1869 in Ungarn uraufgeführt.
Das Schwipslied
Weiterer Höhepunkt: der Auftritt der niederösterreichischen Sopranistin Daniela Fally. Sie singt den Strauss-Csárdás »Klänge der Heimat« und – etwas später – das »Schwipslied«, das ebenfalls aus der Feder des Komponisten stammt. Bei Letzterem handelt es sich um die berühmte »Annen-Polka«, die sich unter ihrem Zweitnamen (und mit weiblicher, leicht betrunkener Singstimme) oft als Einlage in der Operette »Eine Nacht in Venedig« findet.
(Übrigens: Für bewundernde Blicke wird wohl nicht nur die gesangliche Performance Fallys sorgen – sondern auch ihr Outfit. Constanze Kurz, Chefin und kreativer Kopf der familiengeführten »Hanna«-Trachtenmanufaktur mit Geschäften in Salzburg und Wien, hat der Sopranistin eigens ein Jägerball-Dirndl aus rotem Samt und markantem Grün samt Überrock mit Schleppe geschneidert. Auch Gastgeberin Christa Kummer-Hofbauer und der Weinpate – zu ihm später mehr! – werden von ihr eingekleidet.)
Doch zurück zur Musik: Abgerundet wird das Programm mit dem »Delirienwalzer«, der – Klassikliebhaber werden an dieser Stelle kurz misstrauisch – nicht von Johann Strauss stammt, wohl aber von seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Josef. Seine Berechtigung hat das Stück dennoch, befindet Serafin: »Es geht darin darum, zu vergessen, abzuschalten, aus dem Alltag auszutreten«, sagt er. »Und genau das wollen die Menschen auch an einem gelungenen Ballabend tun.« Ein Ball, »der verlangt nach schönen, aber nicht zu anspruchsvollen Darbietungen«, sagt Serafin. »Es geht um das Vergnügen, das Divertimento, um die Lust am Tanz. Nicht um das Intellektuelle.«
Und die Jagd, spiegelt sich die im musikalischen Programm auch wieder? »Nein, nicht direkt. Das muss sie aber auch nicht«, sagt Serafin. »Die Jagd ist an diesem Abend ohnedies allgegenwärtig, sie ist der Ausgangspunkt unseres großartigen Festes.« Dass am Jägerball niemandem langweilig werde, dafür sorge zugleich die »Vielfalt« an künstlerischen Darbietungen, die man den Gästen quer durch die Säle und über den Abend verteilt biete: »Es gibt Jagdhornbläser, Bands, Kapellen, Trios.« Ein Highlight bilden die Streicher des Jugendsinfonieorchesters Burgenland.
Das Brauchtum erhalten
»Kolo Slavuj« wiederum soll die Gäste in der Spanischen Hofreitschule mit seinen Klängen und Tänzen begeistern. Das überregionales Folkloreensemble der Burgenländischen Kroaten in Wien wurde 1971 gegründet und hat sich der Pflege der traditionellen Musik, Lieder und Tänze der Volksgruppe verschrieben. Mitgebracht wurden die Bräuche von den Vorfahren, die vor einem halben Jahrtausend ihre alte Heimat verließen, angereichert wurden sie in der neuen westpannonischen Heimat durch die Einflüsse der deutsch-, ungarisch-, slowakisch- und tschechischsprachigen Nachbarn. Bis zu 25 Tänzer und zehn Musiker treten am Ball auf – im Zentrum steht auch der besondere Klang der traditionsreichen Tamburicas. Die Zupfinstrumente, die mit der russischen Balalaika verwandt sind, sind insbesondere in Kroatien, Serbien und Ungarn verwurzelt – und werden seit jeher als Identifikationsmittel und Bekenntnis zum Kroatentum angesehen.
Für Serafin passen diese Erinnerungen an frühere Tage perfekt ins Konzept: »Was ist burgenländisch, was ungarisch, was kroatisch? Man möchte sagen: Es ist eigentlich egal. Es ist einfach nur schön.« Stolz ist Serafin, der in seiner Funktion zum zweiten Mal das Programm des Balls kuratiert, auf »den roten Faden«, der sich dramaturgisch durch den Abend zieht. »Mir geht es darum, eine Geschichte zu erzählen, nur das weckt Faszination. Sonst ist es langweilig. Ich will riskieren, polarisieren, genießen.« Das sollte wohl gelingen.
Das Land der Sonne
Der rote burgenländische Faden – oder ist es eigentlich ein gelber? – zieht sich auch abseits des Musikalisch-Kulturellen durch den Ball: Die Hofburg und die Hofreitschule erstrahlen dieses Jahr in kräftigem Gelb. Das passt stimmig zum Burgenland als »Land der Sonne«. (300 Sonnentage pro Jahr zählt man im Schnitt, wird man nicht müde zu betonen. Beachtlich.)
Kulinarisch bestreitet den Abend in der Hofburg »Motto Catering«. Freilich setzt auch das Burgenland Akzente: Der »Pannatura«-Foodtruck von Esterházy fährt – wie im Vorjahr – in Wien vor. Von der Qualität der Wildspezialitäten, die von der »Pannatura«-Fleischmanufaktur in Zusammenarbeit mit den burgenländischen Jägern verarbeitet werden, können sich die Gäste vor Ort überzeugen. Ein Stand des »myburgenland«-Online-Shops des Burgenland Tourismus im Foyer der Hofburg serviert geräucherten sowie eingelegten Schafkäse der »Bio-Schafzucht Hautzinger«, luftgetrocknete Chiliwürstel und Pasteten von »Mikis Wildspezialitäten« und eine Auswahl an Uhudlerprodukten (von Frizzante bis Gin) von »Wiener Wine & More«.
Apropos Alkoholisches: Der Verein Grünes Kreuz konnte für den Ball dieses Jahr einen ganz besonderen Weinpaten an Land ziehen. Die ehrenvolle Aufgabe übernimmt der Künstler und Entertainer Alfons Haider, der den Ball nicht nur als Stammgast kennt, sondern als Generalintendant für die Musiktheaterfestivals der Kulturbetriebe Burgenland auch eine enge künstlerische Beziehung zu dem Bundesland pflegt. Der Jägerball-Wein, für den Haider Pate steht, stammt vom Weingut Schwarz aus Andau – es ist der 2022er Chardonnay »The Butcher«. Auch das (nicht zufällig) ein herrlich passender Name.
Das Gesamtkunstwerk Jägerball wird also auch beim 101. Mal für gehörig Begeisterung bei seinen Gästen sorgen.
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