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Die Rebsorte Chasselas prägt seit Jahrhunderten die Region um den Genfersee und ist eng mit der Romandie verbunden.

Die Rebsorte Chasselas prägt seit Jahrhunderten die Region um den Genfersee und ist eng mit der Romandie verbunden.
© Schweiz Tourismus

Trophy 2026: Die besten Chasselas der Schweiz

Tasting
Chasselas
Schweiz

Weltweit gilt Chasselas vor allem als Tafeltraube. Nur in der Schweiz ist er Kulturgut und die wichtigste Weissweinsorte des Landes. Doch zwischen Apérowein-Klischee und grossem Terroirwein zeigt Chasselas immer häufiger, wozu er wirklich fähig ist.

Chasselas gehört zur Schweiz wie Schokolade, Käse und Uhren. Keine andere weisse Rebsorte wird hierzulande häufiger angebaut, Chasselas ist Schweizer Kulturgut und insbesondere in der Romandie, wo die Sorte ihren Ursprung haben soll, Teil der regionalen Identität. Was Chasselas so besonders macht und warum er ausserhalb der Schweiz nirgendwo wirklich Fuss gefasst hat? Vielleicht ist es seine Widersprüchlichkeit. Denn Chasselas ist gleichzeitig unkomplizierter Alltagswein und präziser Terroirübersetzer, süffiger Begleiter und langlebiger Lagerwein. Davon zeugen auch die Weine der diesjährigen Falstaff Chasselas Trophy.

Terroir, Tiefe, Tradition

Was wirklich in der Sorte steckt, zeigt die Waadtländer Domaine La Colombe seit vielen Jahren. Unter anderem mit dem Petit Clos Grand Cru 2024, dem Sieger der Trophy. Der Wein stammt aus der hoch gelegenen Parzelle Petit Clos in Féchy mit über 65 Jahre alten Reben, in die nach und nach historische Chasselas-Varianten aus dem Conservatoire du Chasselas einfliessen. «Ein grosser Wein ist fähig, sein Terroir präzise auszudrücken, eine starke Identität zu tragen und Finesse, Tiefe sowie Lagerpotenzial zu vereinen», sagt Winzerin Laura Paccot. Im Conservatoire du Chasselas kultiviert sie verschiedene Varianten wie Fendant Roux, Bois Rouge oder Giclet. «Jeder besitzt seine eigene Persönlichkeit.» Vielfalt sei entscheidend, insbesondere im Hinblick auf den Klimawandel.

Zwischen Mythos und Massenwein

Dass die Sorte weltweit fast ausschliesslich als Tafeltraube kultiviert wird, macht die Schweizer Beziehung zum Chasselas umso spezieller. Nur in der Schweiz ist Chasselas die wichtigste Weissweinsorte. Für Helena Hebing vom Bielersee-Weingut Clos Vert, das mit dem Chasselas Eichholz 2024 den zweiten Platz belegte, liegt genau darin etwas Mythisches: «Man könnte sagen: Ihr habt eine Tafeltraube zu Wein gemacht, wie unkultiviert ist das denn? Man könnte aber auch sagen: Genial, ihr habt aus dieser Traube ein edles Getränk und Kulturgut gemacht!» Mit dem Eichholz 2024 zeigt Clos Vert eine Interpretation der Sorte, die bewusst mit Erwartungen bricht.

Kaum eine Rebsorte erzählt so viel über die Schweizer Weinidentität wie Chasselas.

Der Wein stammt aus der steilen Kalklage Eichholz oberhalb von Ligerz und setzt weniger auf Zurückhaltung als auf Spannung, Mineralität und Dichte. «Wir lieben Chasselas dafür, wie er die feinen Unterschiede zwischen den verschiedenen Bielersee-Lagen wahrnehmbar macht», sagt Hebing. Der Wein werde möglichst unverfälscht ausgebaut, mit spontaner Gärung und wenigen Eingriffen. Solche Interpretationen stehen im Kontrast zu jenem Bild, das Chasselas über Jahrzehnte geprägt hat. Besonders in der Westschweiz wurde die Sorte lange in grossen Mengen und ohne hohen Qualitätsanspruch produziert. Gleichzeitig sinkt heute der Weinkonsum, die Keller sind voll und viele Konsumentinnen und Konsumenten verbinden Chasselas noch immer vor allem mit einfachem Apérowein. Gerade dadurch sei oft vergessen gegangen, welches Potenzial in der Sorte steckt.

Chasselas neu gedacht

Genau dieses Potenzial versucht auch das Waadtländer Kollektiv Anima Vins neu auszuloten. Mit dem drittplatzierten Prisme 2023 verfolgt das Projekt einen radikaleren Zugang zur Sorte. Zehn Freundinnen und Freunde aus Wein, Kunst, Musik und Design produzieren gemeinsam gerade einmal 1200 Flaschen pro Jahrgang, ohne kommerziellen Druck und mit maximaler gestalterischer Freiheit. Der Wein wird über 21 Monate ausgebaut, teilweise im Ei, teilweise im Holzfass. Für Laurent Maffli von Anima Vins ist Chasselas weit mehr als nur eine Rebsorte: «Den Chasselas zu beschreiben bedeutet ein bisschen, zu erzählen, wer wir Schweizer sind.» Gerade weil die Sorte nie laut auftrete, werde sie oft unterschätzt. Dabei könne Chasselas, wenn er mit Geduld, Anspruch und ohne Kompromisse vinifiziert werde, «mit den grössten Weissweinen der Welt mithalten».

Sortenprofil
Chasselas

Chasselas ist eine der ältesten Rebsorten der Welt. Ihr genauer Ursprung ist bis heute nicht abschliessend geklärt, doch die grösste genetische Vielfalt der Sorte findet sich in der Genferseeregion, weshalb der Schweizer Ampelograf José Vouillamoz dort ihren Ursprung vermutet. In der Schweiz wird Chasselas hauptsächlich in den Kantonen Waadt, Wallis, Genf und Neuenburg angebaut; im Wallis trägt er den Namen Fendant. In der Schweiz kommt er auf mehr als 4000 Hektar Anbaufläche; ausserhalb gedeiht er vor allem im deutschen Markgräflerland und in Teilen Frankreichs. Die Sorte reift früh und ist anfällig für Krankheiten.

Die Top 3

Bouquet mit grünem Apfel, Birne und Zitronenmelisse, dazu etwas weisse Blüten. Am Gaumen elegant, mit einer reifen Säure, salzigen Noten und schönem Schmelz. Langer Nachhall.
Mont-sur-Rolle, Schweiz
Schöne, ausdrucksstarke Nase mit Noten von Pomelo, Grapefruit und Passionsfrucht. Anklänge von Salbei und Gundermann sowie florale Nuancen. Am Gaumen dicht, frisch und fruchtig,...
Bielersee AOC, Schweiz
In der Nase zwischen tropischen Ananas-Cocos-Noten und heimischem Kernobst pendelnd. Dazu Honig und Ananas und Agrumen. Am Gaumen angenehme Fülle und intensive Aromatik. Nicht...
Schweiz
Dominik Vombach
Dominik Vombach
Chefredaktion Schweiz
Larissa Graf
Larissa Graf
Autorin
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