Frauen in der Spitzengastronomie: Warum Gleichberechtigung noch immer ein Kampf ist
Gleiche Ausbildung, ungleiche Chancen: In der Spitzengastronomie bleiben Frauen oft auf der Strecke. Woran liegt das – und was muss sich ändern? Ein Berliner Event macht Hoffnung.
Zum Internationalen Weltfrauentag am 08. März trafen Frauen aus der Berliner Gastronomie im SAP Data Space zusammen: Die Einladung zum Event »Frauen an den Herd — und an die Spitze« hatten Sonja Mayer, Köchin und Gründerin der Catering-Firma Elma Cuisine, Eva-Maria Hilker, langjährige Journalistin und Herausgeberin des Mediums EssPress, und Francesca Hermani, Kommunikationsstrategin und Mitarbeiterin am Forschungsinstitut Betriebliche Bildung GmbH ausgesprochen.
Unter knallblauem Himmel folgten am Samstagmorgen sechzig der wichtigsten Frauen aus der Gastronomieszene der Hauptstadt ihrer Einladung, um den Weltfrauentag zu feiern – und ein herrliches Menü von den Köchinnen Sonja Mayer, Sarah Hallmann, Kathrin Weyl und Anita Adler zu genießen. Neben köstlichen Pulled Beef Burgern, Spare Ribs und Grünkohl mit Safran-Hollandaise, gab es auch allerhand feine Getränke wie Schnaps von Fräulein Brösel oder den Walk on Clouds Cuvée von Winzerin Bettina Schuhmann zu probieren.
Kein Anlass zum Feiern
Bei der Veranstaltung ging es trotz guter Stimmung nicht allein ums Feiern, denn die aktuelle Situation von Frauen in der Gastronomie ist leider wenig erfreulich: Köchinnen bekleiden unter zehn Prozent der Positionen in der Spitzengastronomie. Wie Schirmherrin des Events Franziska Giffey in ihrer Videobotschaft erklärte, liege das nicht daran, dass sich Frauen Berufe in der Gastronomie nicht zutrauen — schließlich sei ihr Anteil in gastronomischen Ausbildungen vergleichbar mit dem von Männern. Es sind strukturelle Faktoren, wie die Unvereinbarkeit von Beruf und Familie, die dazu führen, dass Frauen dem Beruf häufig den Rücken kehren müssen.
Darüber hinaus zeigen Fälle wie der Machtmissbrauch von Ex-Sternekoch Christians Jürgens oder die aktuelle Debatte über Sexismus in der britischen Gastronomie, dass Frauen in der Spitzengastronomie nicht nur mit der Härte des Jobs konfrontiert sind, sondern auch mit einem Arbeitsumfeld, in dem Respektlosigkeit und ungleiche Chancen oft tief verankert sind. Diese Zusatzbelastung trägt ungemein zur Unterrepräsentation von Frauen in der Branche bei.
Die Herausforderungen für Köchinnen sind immer mindestens zweifacher Natur: Einerseits müssen sie sich gegen strukturelle Hürden und problematische Machtverhältnisse behaupten, und sich gleichzeitig in diesem Umfeld durchsetzen und profilieren.
Ein Zeichen für die Zukunft
Die Veranstalterinnen Mayer, Hilker und Hermani wollen auf diese Probleme aufmerksam machen und Frauen aus der Branche miteinander vernetzen – denn das ist der erste Schritt auf dem Weg zur Veränderung: darüber sprechen und Erfahrungen austauschen.
Und das sind dann auch die guten Nachrichten: das Zusammentreffen zum Weltfrauentag beweist, dass es nicht an Solidarität unter Gastronominnen mangelt, man sich gegenseitig fördern und unterstützen kann und möchte. Vor allem aber setzte die Veranstaltung ein Zeichen für eine Zukunft des gastronomischen Betriebs, in der schlechte Erfahrungen gar nicht erst dazugehören und Wertschätzung und Respekt das Arbeitsumfeld prägen. Das ist eine Zukunft, die von Frauen wesentlich mitbestimmt und gestaltet wird.
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