Weltfrauentag: Acht Frauen, die die deutsche Gastronomie prägen
Zum diesjährigen Weltfrauentag rücken wir eine kleine Auswahl an Gastronominnen in den Fokus, die die deutsche Restaurant- und Barszene auf ihre ganz eigene Weise prägen. Ob im Gastraum, an der Theke oder auch hinter den Kulissen – diese acht Frauen sind eine echte Bereicherung.
Nicht nur Köchinnen gehören in die Front Row: Auch Geschäftsführerinnen, Gastgeberinnen, Barkeeperinnen und Sommelièren tragen zu einer spannenden, diversen, feinsinnigen und kreativen Gastro-Szene bei. Was zählt ist dabei nicht immer nur Höchstleistung, viel wichtiger sind Fairness, Empathie und guter Geschmack. Zum Weltfrauentag am 8. März stellen wir acht Frauen vor, die aus Überzeugung Gastggeberinnen sind.
Kristiane Kegelmann, »Pars« in Berlin
Kristiane Kegelmann ist Konditormeisterin, bildende Künstlerin und Gastgeberin der Falstaff Entdeckung des Jahres 2025, »Pars«, in Berlin Charlottenburg, einem charmanten Ort an der Schnittstelle zwischen Handwerk, Kunst und Kulinarik. Bekannt wurde die feinsinnige Gastronomin 2015 mit ihren avantgardistischen Pralinen, in denen sie die Arbeit kleiner Erzeuger:innen sicht- und schmeckbar machte und deren natürliche Produkte zu hochästhetischen, essbaren Skulpturen formte. 2022 folgte das eigene Restaurant, das 2025 unter der Leitung von Florian Sperlhofer mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet wurde. Passion für Genuss und Mut zum Experiment prägen ihren Weg genauso wie ein ausgeprägter Sinn für das Zusammenspiel von Materialien, Licht, Farben, Formen, Akustik, Food-Design und nicht zuletzt Geschmack. Das macht sie zum perfekten Bindeglied zwischen Küchenchef, Sommelière und ihren Gästen.
Veronika Bauer, Gasthaus »Zum Vaas« in Forstinning
Veronika Bauer merkte schon während ihrer Ausbildung im Gourmetrestaurant »Bareiss« in Baiersbronn, dass Wein nicht nur Arbeit, sondern vor allem Leidenschaft ist. Vor ihrer Zeit in Forstinning arbeitete die Wirtshaustochter bereits als Jungsommelière im Hotel »Louis C. Jacob« in Hamburg. Es folgten Stationen u.a. bei Dieter Müller im »Schlosshotel Lerbach« sowie in Köln im ehemaligen »Wein am Rhein«, bevor sie sich 2016 dazu entschied, mit ihrem Bruder die Tradition des seit 1864 bestehenden Familienbetriebs fortzuführen – mit schlagendem Erfolg. Im Falstaff Restaurantguide 2025 wurde das »Zum Vaas« zum Gasthaus des Jahres gekürt. Die seltene Kombination aus großartiger Weinkarte, herzlichem Service und unverkünstelter Wirtshausküche aus der Feder ihres Partners Philipp Schneider macht die Kult-Wirtschaft im oberbayerischen Forstinning zu einem echten Wallfahrtsort.
85661 Forstinning
Deutschland
Zola Zingler, »Carte Blanche« in Frankfurt am Main
Zola Zinglers Gespür für Flair ist eines von vielen gastgeberischen Talenten der nach dem großen französischen Naturalisten Émile Zola benannten Sommelière. Dabei hatte die gebürtige Frankfurterin ursprünglich ganz andere Karrierepläne, entdeckte während der Beziehung mit ihrem damaligen Lebens- und heutigen Geschäftspartner Sebastian Ziese aber auch die Liebe zur Gastronomie. Ihr kultur- und kulinarikaffiner Background bereichert seit über zehn Jahren das auf dem Konzept wechselnder Überraschungsmenüs aufgebaute Fine-Dining-Resturant um eine multidimensionale Perspektive, in der sämtliche zu einem gelungenen Abend beitragenden Komponenten eine Rolle spielen. An ihrer Arbeit schätzt sie vor allem die Gestaltungskraft: Das gemeinsame Ertüfteln des perfekten Menü-Wein-Pairings, die letzten Pinselstriche zur Komplettierung eines geschmacklichen Gemäldes – und dass man mit einem rundum gelungenen Abend Menschen nachhaltig glücklich machen kann.
60316 Frankfurt am Main
Deutschland
Mona Schrader »Jante« in Hannover
Mona Schrader bricht seit frühesten Jahren mit Erwartungen und Konventionen. In einer nach wie vor männerdominierten High-End-Gastronomie – und erst recht in den Anfängen ihrer Karriere – braucht es Chuzpe, um sich gegen Stereotypen zu stemmen. Schon mit 13 Jahren wusste sie: Ich werde Spitzensommelière. Ein Weg, den sie seitdem zielstrebig gegangen ist. Mit gerade mal 25 gründet sie gemeinsam mit Partner Tony Hohlfeld ein eigenes Restaurant unter einer Eisenbahnbrücke im gastronomischen Anti-Hotspot Hannover. Sechs Jahre später hängt an dem ehemaligen Toilettenpavillon aus den 60er Jahren eine rote Plakette mit zwei Sternen – Treffer, versenkt. Ihre unverblümte Macherinnen-Mentalität hat die vielfach ausgezeichnete Sommelière nicht nur zur Co-Geschäftsführerin eines auf Gleichberechtigung fußenden Zwei-Sterne-Restaurants, sondern auch zum Vorbild für junge Frauen aus der Branche gemacht.
Elisabeth Morel, »Coeur D’Artichaut« in Münster
Elisabeth Morel führt mit ihrem Ehemann Frédéric Morel das »Coeur D’Artichaut« im historischen Stadtkern von Münster. Das in erster Generation familiengeführte Fine-Dining-Restaurant ist für seine einzigartige, sehr persönliche Verbindung von bretonischer Küche mit Kräutern und Gewürzen aus La Réunion sowie Einflüssen der westfälischen Wahlheimat bekannt. Wohlfühlatmosphäre fängt für Elisabeth Morel bei Augenhöhe an, ob im Team selbst oder bei der professionellen, aber unverkrampften Arbeit am Gast. Von Anfang servieren hier auch die Köche die Gerichte aus der offenen Küche mit. Steifes Setting? Trotz zwei Michelin-Sternen Fehlanzeige. Fans schätzen den Mix aus zwanglosem Rahmen und besonderer Kulinarik, gepaart mit gleich zwei starken Weinbegleitungen von Sommelière Katrin Berboth, die wie auch das Acht-Gang-Menü einmal im Monat komplett ausgewechselt werden.
Betty Kupsa, »The Chug Club« in Hamburg
Wenn Betty Kupsa über Tequila spricht, wird sie zur leidenschaftlichen Botschafterin aufregender Agavenspirituosen, die sie seit 2015 auf St. Pauli zu kleinen Cocktail-Häppchen, sogenannten Chug-Flights, mixt. Die zwischen Shortdrink und Shot liegende Größe ist optimal, um in die wunderbare Welt der passionierten Barkeeperin und Mezcal-Expertin einzutauchen, die kurz nach Eröffnung ihres Chug Clubs vom Falstaff zur Barfrau des Jahres 2016 ernannt wurde und seitdem regelmäßig von sich reden macht. Kupsa ist aber nicht nur leidenschaftlicher Hospitality-Profi, sondern auch baldige Tequila-Buchautorin und nicht zuletzt eine umtriebige und inklusive Netzwerkerin, die jährlich zum Weltfrauentag den Barfrauentag organisiert. Dieses Jahr gehen die gesammelten Spenden des »Trinken und mixen für den guten Zweck«-Events an Frauen helfen Frauen e.V. .
20359 Hamburg
Deutschland
Jeannine Frank, »Horváth« in Berlin
Ohne Jeannine Frank wäre das Restaurant »Horváth« garantiert ein anderes. Als impulsgebendes Organisationstalent des auf ebenso hochemotionale wie hochkarätige Gemüseküche spezialisierten Spitzenrestaurants sorgt sie nicht nur für reibungslose Abläufe, sondern bereitet zudem den Boden für ein inspirierendes Arbeitsumfeld. Auch als Gast nimmt man immer auch ein Erlebnis auf, dass die Co-Geschäftsführerin aktiv mitgestaltet hat – sei es durch die Auswahl von Interieur, Gläsern und Geschirr oder die Koordination von Four-Hands-Dinner und Pop Up-Events. Dabei stellt sie immer wieder die Frage, wie man jungen Nachwuchstalenten die Hand reichen und gemeinsam Strukturen verbessern kann, sodass auch eine Köchin, Gastgeberin oder Sommelière den Spagat zwischen Familienleben bzw. Mutterrolle und Gastro-Leidenschaft schaffen kann.
Marie Anne-Wild Restaurant »Tim Raue« in Berlin
Marie-Anne Wild, Kopf und Herz des Restaurants »Tim Raue«, könnte sich auf ihren wohlverdienten Lorbeeren ausruhen. Stillstand kommt für die Berlinerin allerdings nicht infrage. Unzählige Titel und Auszeichnungen heben ihren besonders liebenswürdigen, professionellen oder herzlichen Service hervor. Die Front Row beherrscht sie tadellos, gleichzeitig ist sie aber auch visionäre Geschäftsführerin, couragierte Unternehmerin, ambitionierte Host des Gastro-Podcasts »Auf ein Glas Champagner mit Marie-Anne« sowie eine der wohl bedeutendsten Netzwerkerinnen der Stadt, die mit ihrem seit 2018 jährlich ausgerichteten Ladys Lunch die führenden Vordenkerinnen, Macherinnen und Gründerinnen der Berliner Szene an einer langen Tafel zusammenkommen lässt.