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Gebäck zu Karneval: Das ist ein Berliner – oder etwa nicht?

Sie strömen zurzeit wieder millionenfach über die Bäckertheken. Aber, wie heißt das runde Hefegebäck denn nun »richtig«? Berliner, Krapfen, Kräppel – oder doch Pfannkuchen?

Wie nennt man ein in Fett gebackenes, meist mit Marmelade gefülltes, rundes Gebäck aus Hefeteig? Berliner, Krapfen, Kräppel – oder doch Pfannkuchen? Es gibt so einige regionale Bezeichnungen für das süße Hefegebäck, und die Debatte um seine Benennung entfacht jedes Jahr zu einer ganz bestimmten Zeit aufs Neue. Ob diese Zeit nun Fastnacht, Karneval oder Fasching heißt, ist eine andere Geschichte – fest steht, beide Debatten sind so alt wie die Tradition selbst.

Widmet man sich dem süßen Hefegebäck, ist die weitverbreitetste Legende seiner Entstehung nicht nur schnell erzählt, sie gibt auch einen Aufschluss darüber, warum es so heißt, wie es heißt. Sie besagt, dass ein Berliner Bäcker im Jahr 1756 den Wunsch hatte, unter Friedrich dem Großen zu dienen, jedoch aufgrund seiner Wehruntauglichkeit abgelehnt wurde. Dennoch erhielt er die Möglichkeit, dem Regiment zu dienen – allerdings in seiner Rolle als Bäcker. Als Dank, soll er die kanonenkugelrunden Hefeteigbällchen zubereitet haben. Weil es aber keinen Backofen gab, soll er sie in einer Fettpfanne über offenem Feuer ausgebacken haben. Diese Zubereitungsart hat sich bis heute erhalten, und die Bällchen sind seit der Gründung des Deutschen Reiches in Kochbüchern als »Berliner Pfannkuchen« bekannt geworden.

Eine Kalorienbombe vor der Fastenzeit

Für den Ursprungsort Berlin sprechen auch internationale Bezeichnungen: In Chile werden sie »Berlines«, in Norwegen »Berlinerboller«, in Frankreich »Boule de Berlin« und in Portugal »Bolas de Berlim« genannt. Neben der üblichen Marmeladenfüllung gibt es sie auch mit Pudding, Schoko, Eierlikörfüllung – oder für ungezogene Narren sogar mit Senffüllung. Die Kalorienbombe mit rund 500 kcal pro Stück ist aber nicht nur zur Fastnachtszeit beliebt: Laut den Angaben des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks (unter Berufung auf GfK-Zahlen) werden jedes Jahr mehr als 350 Millionen »Berliner« allein in Deutschland verkauft. In den Karnevalshochburgen werden sie traditionell auch in den ersten Wochen des Jahres selbst gebacken, damit der Zuckerentzug in der kurz darauffolgenden Fastenzeit nicht allzu schwerfällt.

 

Achtung Senf: In den Karnevalshochburgen erlebt so mancher eine böse Überraschung.
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Achtung Senf: In den Karnevalshochburgen erlebt so mancher eine böse Überraschung.

Aber wie heißt es denn nun »richtig«? Das kommt einzig und allein darauf an, in welcher Region man die süßen Bällchen verspeist. Denn, wenn man es ganz genau nimmt, gibt es weit mehr als nur vier Bezeichnungen. So gut wie jeder Dialekt hat sein eigenes Wort für die »Fastnachtsküchelchen«, wie man sie beispielsweise im Saarland und in Teilen Rheinland-Pfalz nennt. In der Aachener Gegend spricht man derweil von »Öcher Puffel«, in Ruhrgebiet von »Berliner Ballen« oder gar »Puffel« – offiziell bestellt man beim Bäcker aber auch in diesen Regionen einen »Berliner«, wie in weiten Teilen des Westens auch. In Hessen hat man sich auf »Kräppel« geeinigt und in Bayern, Österreich und Südtirol auf »Krapfen«.

Kompliziert? Eigentlich gar nicht

Womit sich laut einer Studie aus dem Jahr 2007 aber rund Dreiviertel der Deutschen schwertun: dem »Pfannkuchen«. Das liegt vor allem daran, dass die Mehrheit des Landes bei Pfannkuchen, eben an Pfannkuchen – also an die dünnen, in der Pfanne gebackenen süßen »Omelettes« – denkt. Will man diese süße Leckerei im Osten bestellen, muss man nach »Eierkuchen« fragen. Dabei sind sowohl »Berliner« als auch »Pfannkuchen« eigentlich nur Abkürzungen für das Gebäck von 1756, dem »Berliner Pfannkuchen«. Kompliziert? Eigentlich gar nicht. Denn nicht nur der »Berliner« entfacht derartige Debatten. Oder wie nennen Sie einen gebratenen flachen Kloß aus Hackfleisch? Frikadelle? Bulette? Klops? Fleischpflanzerl? Faschiertes Laibchen? Oder doch Fleischkiechelchen?


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Anna Wender
Anna Wender
Redakteurin
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