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Herbert Oschep über Rotweinkrise: »Auf das mediale Alk-Bashing zurückzuführen«

Rotwein
Burgenland

Winzer:innen haben mit einem sinkenden Rotweinkonsum zu kämpfen. Welche Schritte dagegen unternommen werden, erklärt Herbert Oschep von Weintourismus Burgenland im Falstaff-Interview.

Geringerer Weinkonsum, höhere Preise und Alk-Bashing in den Medien - kurzum, der Rotwein ist in der Krise. Während der Weißwein weiterhin stabile Verkaufszahlen hat, sinken seine Verkaufszahlen drastisch. Warum ist das so? Und was kann dagegen getan werden? Falstaff hat sich mit Herbert Oschep, Obmann von »Wein Burgenland«, darüber unterhalten.

Falstaff: Ist der Rotwein in der Krise?
Herbert Oschep:
Es ist leider Gottes unbestreitbar, dass der Wein generell in einer Krisensituation ist. Das ist nicht nur in Österreich so, sondern ein weltweites Problem – nicht umsonst mussten in Bordeaux 20.000 Hektar gerodet werden. Auch der Alkoholkonsum nimmt ab, was unter anderem auf das mediale Alk-Bashing zurückgeführt werden kann. Besonders der Rotwein befindet sich in einer Krise und hat schwer zu kämpfen.

Was kann man da tun?
Wir versuchen es auf verschiedenen Wegen: Mit Offensivmaßnahmen, Werbung, einem verstärktem Ab-Hof-Verkauf und einem größeren Fokus auf den Weintourismus.

Aber warum ist der Konsum von Rotwein in den vergangenen Jahren so stark gesunken?
Das ist eine schwierige Frage. Ich denke, es ist zum Teil auch eine stilistische Sache: Der schwere, holzlastige Rotwein mit 14-15 Prozent ist nicht mehr so gefragt, sondern eher leichte, fruchtigere Weine mit weniger Prozent. Man merkt auch, dass in der Gastronomie die Gäste fehlen, somit wird einfach weniger Wein konsumiert. In Summe ist das gerade für den Rotwein besonders schwierig.

Welche Rolle spielen Social-Media-Trends im Kaufverhalten der Jüngeren und wie kann man diese abholen?
Die Winzer:innen sind in den sozialen Medien präsent und verschließen sich nicht vor Trends. Das ist das Gute an der hohen Winzerdichte: Sie lassen sich von der Krisensituation nicht entmutigen, sondern versuchen, Lösungen und Antworten zu finden.

Die Weinernte soll heuer sehr gut ausfallen. Könnte das etwas an der sinkenden Nachfrage ändern?
Wir sind mit der Ernte heuer sehr zufrieden. Es ist nicht nur die Quantität hoch, sondern auch die Qualität. Bei dem Druck am internationalen Markt ist es gut und wichtig, höchste Qualität zu erzeugen. Damit können wir uns von der Konkurrenz abheben. Fakt ist: Gute Qualität ist das Um und Auf – es ist wichtig, dass sich eine gute Qualität in der Flasche befindet. Und der Jahrgang 2025 wird ein guter.

Weißweintrauben erzielen einen höheren Kilopreis. Was bedeutet der sinkende Kilopreis für den Rotwein?
Ja, das ist ein ganz logischer Prozess, den wir im Burgenland ebenfalls beobachten. Künftig wird man Weißwein anbauen. Hier geht es aktuell in Richtung 50/50, aktuell wird aber noch mehr Rotwein angebaut. Das wird sich vermutlich noch ändern. Es ist eine Reaktion auf den schwachen Rotweinmarkt.

Herbert Oschep.
© Weintourismus Burgenland
Herbert Oschep.

Wie stark haben die Weinbaukosten im Vergleich zu den Verkäufen zugelegt?
Prozentuell ist das schwierig zu sagen, faktisch kann man aber schon sagen, dass die Weinbaukosten stark gestiegen sind. Das hat auch Auswirkungen auf den Flaschenpreis. Und auch im Weinbau sind, so wie in allen Bereichen, die Personalkosten gestiegen. Aus diesen Gründen versuchen wir auch, den Ab-Hof-Verkauf zu stärken und mehr auf den Wein-Tourismus zu setzen, um mehr weinaffine Gäste anzulocken.

Wie groß ist die Abhängigkeit von Exporten – und wohin wird am meisten exportiert? Was bedeutet es für heimische Betriebe, wenn im Ausland Rotwein weniger gefragt ist?
Für das Burgenland ist der wichtigste Exportmarkt der DACH-Raum. Dann gibt es auch einige exportorientierte Winzer:innen, die liefern vor allem in die USA, Kanada und Skandinavien. Das muss man aber differenziert betrachten. Diejenigen, die stark im Export sind, haben sich auch darauf spezialisiert. Aber solche Sachen wie die Zölle in den USA sind für unsere exportorientierten Winzer:innen kein Vorteil.

Welche für Maßnahmen seitens der Politik braucht es?
Es gäbe da einiges zu tun, damit der europäische Weinmarkt gestärkt wird. Ich denke da auch an Förderprogramme inhaltlicher Natur oder Unterstützung bei Marketingmaßnahmen. Weiters gehört der Weintourismus gestärkt und die Winzerszene in Form von Fördertöpfen. Und wir wollen darauf aufmerksam machen, was die nationale und die europäische Politik für die Winzerschaft tun kann.

Danke für das Gespräch.


Miriam Al Kafur
Digital Redakteurin
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