Internationale Klasse und ein wenig Stierblut: Was die Brennerei Erber so besonders macht
Sie ist die älteste Brennerei Tirols und steht wie kaum eine andere für herausragende Destillate. Aber was macht man bei Erber anders? Und was hat die Zukunft mit Stierblut zu tun?
Seit 1651 wird in Brixen im Thale bei der Edelbrennerei Erber Schnaps gebrannt. Damit ist sie die älteste Brennerei Tirols und hat ihre Wurzeln in der Zeit von Kaiser Maximilian I. Als der Familie Erber damals das Brennrecht erteilt wurde, war dies aber noch an gewisse Bedingungen geknüpft: Aus der eigenen Quelle mussten zuerst Mensch und Vieh versorgt werden, bevor das Wasser zum Brennen verwendet werden durfte. Diese hauseigene Quelle ist heute noch ein wesentlicher Faktor der ausgezeichneten Erber-Brände. Seit ihrer Gründung hat sich aber auch viel verändert. 1972 wurde in mehrere Kupferkessel investiert – heute betreibt man die größten in Tirol – und ein Jahr später eröffnete man eine Schaubrennerei.
Erst 2015 wurde das Maische-Haus auf den modernsten Stand gebracht und seit 2018 befindet sich neben der Schaubrennerei mit dem »Erber Brennhäusel« ein liebevoll gestalteter Shop mit eigenem Kino und Event-Räumen. Zudem wurde die Brennerei vielfach ausgezeichnet, so darf sie sich beispielsweise zweifache »World-Class-Distillery«, zweifache »Master-Class-Distillery« und »Distillery of the Year« nennen. Auch bei Falstaff erhielten zahlreiche Erber-Produkte Auszeichnungen für ihre herausragende Qualität. Falstaff hat mit Brennmeister Christian Schmid über die Besonderheiten des Hauses, den Status quo der Tiroler Brenner und Produkte der Zukunft gesprochen.
Falstaff: Die Brennerei Erber hat zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen errungen. Was machen Sie anders oder vielleicht sogar besser als andere Destillerien?
Christian Schmid: Im Prinzip beginnt alles schon beim Obsteinkauf. Hier arbeiten wir mit festen Partnern zusammen. Das sind Obstbauern sowohl aus Nord- wie Südtirol, die selbst schon sehr auf die Qualität achten. Wenn wir das Obst aussuchen, bin ich selbst aber auch immer vor Ort. Wir stellen sicher, dass es nicht gespritzt oder mit Chemikalien behandelt wurde und dass es sauber, frisch, sortenrein und vollreif ist. Das Wichtigste für die Qualität eines Obstbrandes ist eben die Frucht. Ebenso wichtig ist aber auch der Maischvorgang. Hierfür haben wir 2015 ein neues Maischehaus mit temperaturgesteuerten, doppelwandigen Tanks gebaut. D.h. wenn das Obst bei uns ankommt, muss die Einmaischtemperatur genau eingestellt werden. Die liegt meist zwischen 15 und 18 Grad. Mit diesen Tanks können wir jetzt umweltfreundlich kühlen und heizen, da es ein geschlossenes System ist, vergleichbar mit einem Kühlschrank. Früher haben wir mit Wasser aus dem eigenen Tiefbrunnen gekühlt, was ein enormer Aufwand war und auch recht lange gedauert hat. Das Maischen muss aber schnell gehen. Wenn beispielsweise im Hochsommer die Williamsbirne bei uns ankommt, kann sie bis zu 30 Grad warm sein, braucht aber zum Maischen eine Temperatur von 15 Grad. Und zu guter Letzt: Es braucht eine kurze Gärdauer von maximal 10 bis 14 Tagen, da sonst die Gefahr steigt, dass sich Keime bilden, die Fehltöne verursachen. Hierfür haben wir ein eigenes Labor und alle zwei Tage untersuchen wir die Maische auf Alkohol und Zucker. Und bei der Destillation trennen wir Vor- und Nachlauf immer sensorisch ab. Technisch funktioniert das einfach nicht sauber.
Wie steht es generell um die Brenner in Tirol? Wie blicken sie in die Zukunft?
Es wird schon immer schwieriger. Daher hoffen wir alle darauf, dass es nicht zu einer Anhebung der Alkoholsteuer kommt. Wir haben jetzt schon die 12 Euro pro Liter, in anderen Ländern ist sie aber viel geringer. Das verzerrt den Wettbewerb. Die Schnapskultur allgemein ist in Tirol aber weiter gut aufgestellt. Was wir aber durchaus merken, ist, dass es in der Gastronomie rückläufig ist. Die Leute sparen, wenn sie es müssen, eben oft am Schnaps und der Spirituose. Da muss man als Brenner innovativ bleiben und Auswege finden. Wir haben uns daher auch in Richtung Handel orientiert, da es hier besser läuft: Spar, Rewe, MPreis… Und man muss Alternativen finden, um junges Publikum zu erreichen. Die trinken eben keinen klassischen Schnaps mehr, die gehen eher auf Liköre, Cocktails und Mixspirituosen wie Gin. Erfreulich ist aber: In dem Zusammenhang geht auch unsere Zirbe wieder gut.
Wie könnten junge Genießer wieder an den Obstbrand herangeführt werden?
Das ist sicherlich die große Aufgabe. Wir machen das mit Führungen durch unseren Betrieb und haben oft Berufs- und Tourismusschulen bei uns. Man merkt aber schon, dass viele den Bezug zum klassischen Schnaps ein wenig verloren haben.
Was würden Sie einem Neuling also empfehlen, wie man einen Obstbrand richtig trinkt?
Immer mit Köpfchen! Einen Obstbrand muss man verstehen und nicht einfach runterschütten, so bringt das nichts. Man muss, wenn man zum Beispiel einen Williams Edelbrand verkostet, die reife Birne vor Augen haben und sich eine Vorstellung von deren Geschmack machen. Dann schmeckt man das auch, vor allem dann, wenn der Williams richtig gebrannt und harmonisch ist. Von einem guten Edelbrand hat man geschmacklich auch eine viertel Stunde nach dem letzten Schluck noch etwas. Und als Abschuss nach einem guten Essen funktioniert das auch heute noch bestens.
Wenn ich also das flüssige Tirol zu mir nach Hause holen möchte, welches Ihrer Produkte muss ich dann unbedingt einpacken?
Auf jeden Fall die Williamsbirne und die Zirbe. Wir haben seit etwas mehr als einem Jahr aber auch ein recht witziges neues Produkt. Das nennt sich »Bluat Rausch« und ist eine Art Mandellikör mit einer Prise Chili – und ein wenig echtem Stierblut. Das Blut schmeckt man natürlich nicht raus und wir haben das vor allem für jüngere Kunden kreiert. Aber da kommt das sehr gut an. Warum machen wir das? Früher haben die Metzger nach dem Schlachten warmes Stierblut getrunken, weil das die Manneskraft stärkt. Diesen Brauch haben wir in mit einem Augenzwinkern aufgegriffen und schreiben auf das Etikett – ein wenig provokant vielleicht – »Nicht für Veganer!« Ich hatte eigentlich fast ein wenig Angst vor den Reaktionen gerade weiblicher Kunden, aber tatsächlich ist der »Bluat Rausch« bei Damen beliebter als bei Männern.
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