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Keinen Espresso unter freiem Himmel? Florenz verbietet Außengastronomie

Florenz
Italien
Gastronomie

Ab 2026 ist in großen Teilen der Florenzer Altstadt Schluss mit Außengastronomie. Während die Stadt mit dem Verbot ihr historisches Erbe schützen will, blicken viele Gastronomen kritisch auf die neuen Regeln.

Florenz kennt man als Stadt, in der sich das Leben gern nach draußen verlagert: ein schneller Espresso auf dem Piazza, ein Glas Wein mit Blick auf den Arno, der Aperitivo unter historischen Fassaden. Doch genau diese Selbstverständlichkeit wird nun zum Schauplatz einer grundlegenden Veränderung. Ab 2026 gelten in der Altstadt strenge Regeln, die das Straßenbild der toskanischen Hauptstadt spürbar verändern werden.

In rund 50 zentralen Straßen – darunter die Ponte Vecchio, Teile der Via Roma und der Bereich um die Uffizien – dürfen Restaurants und Bars künftig keine Außenplätze mehr aufstellen. In weiteren 73 Gassen bleibt die Außengastronomie erlaubt, allerdings nur unter deutlich strengeren Auflagen. Ziel der Stadt: den öffentlichen Raum entlasten und das historische Erbe schützen.

Sorge um Stadterbe

Tourismuschef Jacopo Vicini verweist darauf, dass Florenz seit Jahren mit einer Übernutzung seiner Altstadt zu kämpfen hat. Die schmalen Gassen seien immer wieder zu Engstellen geworden, in denen der Mix aus Tischen, Fußgängern und touristischem Andrang kaum noch zu kontrollieren war. Florenz stehe als Unesco-Weltkulturerbe in der Verantwortung, seine Bausubstanz und historischen Plätze zu bewahren.

Das Verbot der Außenplätze reiht sich ein in eine ganze Serie von Regelverschärfungen. Schon länger untersagt die Stadt das Essen rund um zentrale Sehenswürdigkeiten oder den Einsatz von Lautsprecherboxen im Freien. Auch der Self-Check-in bei Ferienwohnungen sei tabu. Ab dem 1. April 2026 verschwinden zudem sämtliche E-Scooter aus dem Stadtgebiet – die Verträge mit den Betreibern laufen aus und werden nicht erneuert, berichtet die italienische Nachrichtenagentur Ansa.

Kritik trifft auf Unsicherheit

Auslöser sind Beschwerden von Anwohner:innen, die laut der niederländischen Zeitung De Telegraaf den öffentlichen Raum zunehmend als »Hindernisparcours« beschrieben: zu viele Tische, zu enge Wege, zu viel Lärm. Was für Touristinnen und Touristen mediterrane Leichtigkeit ausstrahlt, bedeutete für die Bevölkerung oft Stress im Alltag.

Für viele Restaurantbesitzerinnen und Gastronomen bringen die neuen Vorgaben große Unsicherheit. Außenplätze machen bei manchen Betrieben einen erheblichen Teil der Kapazität aus – und damit ihres Umsatzes. Eine Betreiberin nahe der Piazza della Signoria betont gegenüber FR.de, ihre Terrasse sei »für das Geschäft unverzichtbar«. Andere kritisieren, die Stadt riskiere eine Ausdünnung des gastronomischen Angebots zugunsten eines idealisierten Stadtbildes.

Florenz steht damit vor einer zentralen Frage: Wie lässt sich ein historisches Stadtzentrum schützen, ohne ihm gleichzeitig jene Lebendigkeit zu nehmen, die es so attraktiv macht? Die kommenden Jahre werden zeigen, ob die Stadt den richtigen Ton zwischen Bewahren und Beleben trifft.


Redaktion
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