Kohlensäure spielt im Alltag nicht nur bei Getränken eine entscheidende Rolle.

Kohlensäure spielt im Alltag nicht nur bei Getränken eine entscheidende Rolle.
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Kohlensäure-Knappheit – mehr als nur stilles Wasser

Wie kommt eigentlich Kohlensäure in unsere Getränke, warum ist diese aktuell Mangelware und was sind weitere Auswirkungen der Knappheit?

Für das Entstehen von Kohlensäure wird CO² benötigt, welches, wie sich den Medien entnehmen lässt, knapp zu werden droht. Klingt in Zeiten der Klimakrise, in denen sich eigentlich alles um zu hohe Mengen CO² in der Atmosphäre dreht, fast schon paradox. Jedoch ist CO² nicht gleich CO², jedenfalls nicht, wenn es sich um unsere Getränke handelt. Denn das durch Autos, Flugzeuge oder die Industrie freigesetzte, in der Atmosphäre befindliche, CO² ist schwer aus dieser herauszufiltern und kann daher nicht für die Lebensmittelindustrie verwendet werden. Vielmehr stammt das Kohlendioxid in der Limonade oder dem Mineralwasser neben natürlichen Quellen – häufig Vulkanregionen – und Biogasanlagen zu großen Teilen aus der Düngemittelindustrie, wo das im Zuge der Düngemittelherstellung entstehende CO² aufgefangen werden kann.

Wie wird aus CO² Kohlensäure?

Fügt man Wasser unter Druck CO² zu, entsteht in einer chemischen Reaktion Kohlensäure. Je höher der Druck und je niedriger die Wassertemperatur, desto mehr Kohlensäure bildet sich. Natürliches Mineralwasser enthält zum Teil schon Kohlensäure, muss nach dem Abpumpen meist aber mit zusätzlicher Kohlensäure versetzt werden, um das gewünschte sprudelige Ergebnis zu erhalten.

Übrigens: Die Bierindustrie ist ebenfalls auf das CO² angewiesen, jedoch nicht um das Bier mit Kohlensäure zu versetzen. Dies geschieht bei der Gärung zur Genüge – das deutsche Reinheitsgebot untersagt den Zusatz von CO² sogar explizit – vielmehr benötigen die Brauereien Kohlenstoffdioxid für die Druckabfüllung des Bieres in Fässer, Tanks und Flaschen, da dieses sonst zu stark schäumen und die natürliche Kohlensäure mit der Zeit verlieren würde.

Warum mangelt es an lebensmittelechtem CO²?

Hauptzulieferer für lebensmittelechtes CO² ist die Düngemittelindustrie, wo dieses als Nebenprodukt entsteht. Seit dem Ansteigen der Energiepreise haben die Hersteller jedoch ihre energieintensive Produktion zurückgefahren, was in letzter Instanz zu weniger Kohlenstoffdioxid und damit weniger Kohlensäure führt. In den Sommermonaten ist es eigentlich normal, dass weniger Kohlensäure produziert wird, da die Düngemittelproduktion in diesem Zeitraum gedrosselt wird. Die nun hinzukommende, durch die Energiekrise verursachte, Knappheit sorgt aber bereits für Engpässe bei den ersten Brauereien, die zum Teil ihre Produktion reduzieren oder ganz einstellen mussten.

Aber noch besteht kein wirklicher Grund zur Sorge, denn die großen Bierhersteller verfügen meist über eigene Anlagen zur Kohlenstoff-Rückgewinnung. Dabei wird das beim Gärungsprozess entstehende Kohlenstoffdioxid aufgefangen und für die eigene Abfüllung wiederverwendet.

Auswirkungen nicht nur für die Getränkeindustrie

Aktuell stehen nur noch 30 bis 40 Prozent der üblichen CO²-Mengen zur Verfügung, wodurch auch die Ernährungsindustrie betroffen ist. Eklatant ist der Mangel beispielsweise bei der Schlachtung von Tieren. Diese werden gewöhnlich mit dem mangelnden Gas betäubt. Ist dieses nicht vorhanden, können die Tiere nicht geschlachtet werden, was in der Folge dazu führt, dass die Tiere größer werden, dadurch im Stall weniger Platz haben und eine erhebliche Tierschutz-Problematik droht. Auch die Haltbarkeit von vielen Lebensmitteln hängt an der Verfügbarkeit von Kohlenstoff. So werden zahlreiche Lebensmittel wie Fleisch, Käse und Joghurt mit einer CO² Schutzatmosphäre haltbar gemacht, bevor sie in den Regalen der Supermärkte ankommen. 

Simon Pillat
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