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Wiesn-Bier: So teuer wird die Maß auf dem Oktoberfest 2024

Bier
Oktoberfest
München

Kaum ein Thema birgt im Vorfeld des Oktoberfests so viel Zündstoff wie die jährlich steigenden Bier-Preise. Knackt die Wiesn-Maß in diesem Jahr erstmals die 15-Euro-Marke?

Rollen die ersten Baumaschinen, Container und Lastwagen an und die Theresienwiese verwandelt sich in eine Großbaustelle, rückt der Anstich und das berühmte »O'zapft is!« schnell näher. Gleichzeitig steht die Klärung einer der wichtigsten Fragen des Jahres in der bayerischen Landeshauptstadt bevor: Wie hoch wird der Bierpreis für die Maß 2024 sein? Und so war es natürlich auch in diesem Jahr. Erst am Montag haben die Aufbauarbeiten begonnen – auf Wunsch der Wirte rund eine Woche früher als üblich – und damit gingen auch schon die Spekulationen los. Schnell hieß es: Die 15 Euro Marke wird geknackt, wenn nicht sogar übertroffen werden. Klarheit bringt nun die Stadt München, die als Veranstalter des Oktoberfests jedes Jahr die Getränkepreise bekannt gibt.

Zwischen 13,60 Euro und 15,30 Euro müssen die Besucher des größten Volksfests der Welt in diesem Jahr für die Maß Bier bezahlen und damit nur rund 3,87 Prozent mehr als 2023. Da kostete die Maß zwischen 12,60 Euro und 14,90 Euro, rund 6,1 Prozent mehr als 2022. Das teuerste Bier gibt es in der »Münchner Stubn« mit 15,30 Euro. Das Günstigste im »Familien-Platzl « (13,60 Euro).

Klagen sind Tradition

Die alljährlichen Klagen über das vermeintlich überteuerte Wiesnbier werden kommen, das steht außer Frage und ist Tradition. Am Ende wird der Bierpreis aber von den Festwirten nach deren betriebswirtschaftlichen Maßgaben kalkuliert, wie Wolfgang Nickl vom Referat für Arbeit und Wirtschaft erklärt. Diese reichen ihre geplanten Getränkepreise, einschließlich Limonade und Mineralwasser bei der Stadt ein. Sie als Veranstalter überprüft daraufhin lediglich, ob diese Preisvorstellungen angemessen sind. »Dazu wird ein Vergleich mit den Preisen der gastronomischen Großbetriebe im Stadtgebiet München vorgenommen«, erklärt Nickl. Diese Preise liegen beim Bier aktuell zwischen 7,70 Euro und 12,80 Euro pro Liter Export.

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Die durchschnittlichen Preise für alkoholfreie Getränke betragen in diesem Jahr pro Liter: Tafelwasser 10,48 Euro (2023: 10,04 Euro), Spezi 12,23 Euro (2023: 11,65 Euro) und Limonade 11,67 Euro (2023: 11,17 Euro).

Eine Woche länger Zeit

Die Wirte und Brauereien berücksichtigen bei der Preisgestaltung mehrere Faktoren: Die Kosten für Personal, Musik und Aufbau werden jedes Jahr höher. Das zeigt sich schon allein an der aktuellen Woche. Normalerweise sollten Baumaschinen und Lastwagen nämlich noch nicht über die Theresienwiese rollen. Doch die Wirte waren sich einig, dass die Zeitvorgabe für die immer komplexer werdenden Aufbauarbeiten nicht mehr ausreicht – zusätzliche Personalkosten, die sich im Bierpreis widerspiegeln.

Im Vorjahr entsprach der Preisanstieg im Vergleich zu 2022 der allgemeinen Inflation in Deutschland und lag dabei sogar unter dem Anstieg der Preise für Lebensmittel und Gastronomie.

»7,2 Millionen Gäste sprechen für sich«

Ein gern gebrachtes Argument für den hohen Bierpreis bleibt dabei Jahr für Jahr der Alkoholgehalt. Während man bei einem normalen Hellen mit 4,8 bis 5,4 Vol. % den Alkohol nicht so schnell spürt, beschleunigt das etwa 6-prozentige Wiesnbier diesen Prozess deutlich. Für manche bedeutet das sogar: mehr Alkohol für weniger Geld, sind Preise um die 10 Euro für die Maß Bier in Münchner Biergärten schon jetzt die Norm.

Ob es Überlegungen gibt, den Bierpreis zu subventionieren oder alternative Preismodelle einzuführen, verneint die Stadt. »7,2 Millionen Gäste auf dem letzten Oktoberfest sprechen für sich. Ebenso die 6,5 Millionen Liter Bier, die dort in 16 Tagen verkauft wurden«, sagt Wolfgang Nickl.

Wer zwischendurch nur Durst stillen möchte, braucht dafür seit letztem Jahr übrigens nicht mehr tief in die Tasche greifen: In diesem Jahr sollen zehn kostenlose Trinkwasserbrunnen auf dem Festgelände zur Verfügung stehen und damit doppelt so viele wie noch 2023.

 

Sowohl Bundeskanzler Olaf Scholz als auch Finanzminister Christian Lindner haben ihr Versprechen gebrochen.

 

Dass auch die Preise für kulinarische Wiesnklassiker wie Hendl, Brezn und Leberkas steigen werden, steht außer Frage. Ein großer Faktor spielt hier die höhere Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie, die seit Januar wieder von 7 auf 19 Prozent angehoben wurde. »Von einer Erhöhung um 15 Prozent muss ausgegangen werden; 12 Prozent entfallen dabei auf die Angleichung der Mehrwertsteuer auf das Vor-Corona-Niveau und drei Prozent auf allgemeine Kostensteigerungen. Die Gäste können sich bei der Bundesregierung bedanken. Sowohl Bundeskanzler Olaf Scholz als auch Finanzminister Christian Lindner haben ihr Versprechen gebrochen, bei der 7-prozentigen Mehrwertsteuer auf Speisen zu bleiben«, sagt Wirte-Sprecher Christian Schottenhamel der Deutschen Presse-Agentur.

Das Oktoberfest 2024 erstreckt sich in diesem Jahr über 16 Tage vom 21. September bis zum 6. Oktober. In den beinahe 40 Festzelten bieten insgesamt sechs Münchner Brauereien ihre Biere sowie zahlreiche weitere bayerische Spezialitäten an. Zusätzlich sorgen über 100 Fahrgeschäfte und Buden für Unterhaltung und Nervenkitzel.


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Anna Wender
Anna Wender
Redakteurin
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