Zum Inhalt springen
© Getty Images

Rosa Rauchzeichen: Warum Rosé und Zigarre erstaunlich gut harmonieren

Zigarre
Roséwein
Tabak

Rosé als Zigarrenbegleiter? Dass ausgerechnet die zartesten Vertreter der Weinwelt zu den kräftigen Handgerollten passen, mag überraschen. Für die ideale Kombination gibt es lediglich ein paar »red flags« zu beachten im rosa Wein-Reich.

Zwischen den Stühlen und weder Fisch noch Fleisch. Das alte Vorurteil von Wein-Snobs gegen Rosés hat einen Funken Wahrheit – allerdings nur, wenn es um Zigarren geht. Denn sowohl Rotwein (Tannin!) als auch Weißweine (höhere Säure) haben ihrer Natur nach eine problematische Seite, wenn es um die Harmonie mit Longfillern geht. Schnell explodieren die Bitternoten, wenn man glaubt, jungen Bordeaux zu seiner Double Corona einschenken zu müssen. Aber auch knochentrockener Riesling lässt so manchen Liebling aus dem Humidor papiern schmecken. Beim Rosé klassischen Zuschnitts passiert beides nicht!

Entspannt und würzig

Wenn man das Lebensgefühl des »vie en rose« auf den Wein selbst umlegt, dann ist der rosa Schluck zum Chillen selbst ein entspannter Zeitgenosse. Aromatische Dichte und Ruhe eines Rotweins vereinen speziell die nach Saignée-Methode erzeugten Vertreter mit Frische und Eleganz weißer Weine. Beides brauchen Zigarren. Selbst Kohlensäure – bei einem Franciacorta Rosé oder Jahrgangschampagner mit Pinot Noir – stört hier nicht. Dann tritt der gewählte rosa Prickler als Gaumenreiniger auf. Der nächste Zug von der Zigarre trifft dann auf erfrischte Geschmacksknospen. Lediglich zu kalt sollte nicht getrunken werden; der starke Temperaturkontrast zwischen warm gerauchter Zigarre und eiskaltem Rosé irritiert am Gaumen!

»Ligero« heißt nicht lässig!

Für die Farbenlehre des Weins darf man sich weiters merken: Rosa und Schwarz harmonieren nicht. Die dunkelsten Deckblätter, den Kenner:innen als »Maduro« vertraut, liefern in der Regel mehr Bitternoten im Rauch. Umso mehr natürlich, je kleiner der Durchmesser (Ringmaß) der Zigarre ist. Denn dann hat das Deckblatt mehr Anteil am Gesamtvolumen. Daraus ergibt sich, dass kleine Formate mit Maduro-Wrapper von der prinzipiellen Empfehlung zum Rosé ausgeschlossen sind. Hat man Zigarrenhändler:innen, die gut beraten, oder ist selbst tief in der technischen Seite der Longfiller versiert, gibt es noch ein weiteres »Caveat«: Der Anteil der »Ligero«-Blätter im Zigarrenaufbau ist entscheidend.

Darunter versteht man das oberste (und damit »älteste«) Blatt der Tabakpflanze. Es bekommt die meiste Sonne ab und entwickelt neben seiner Dicke auch mehr Nikotin. Doch auch hier finden kombinationsfreudige Rosé-Trinker:innen eine gute Nachricht vor. Das aus dem Mittelteil der Pflanze stammende »Seco«-Blatt ist nämlich das Gegenteil – seine Leichtigkeit liefert eine generell gute Begleitung zu Roséweinen. Will man eine sehr grobe Einteilung nach Herstellungsländern geben, dann weist Nicaragua in der Regel höhere »Ligero«-Anteile auf als die Longfiller aus der Dominikanischen Republik.

© Getty Images

Schnelle Sommergefühle

Eine der beliebtesten Zigarren aus der Inselrepublik wäre beispielsweise Davidoffs »Signature No. 2« – eine »Seco«-reiche Zigarre, die ideal zu Rosés passt. Vor allem die roten Fruchtanklänge eines Cinsault-basierten Rosés, von roten Beeren bis Kirsche, eignen sich da bestens. Unter den beliebten Optionen aus dem Anbaugebiet Côtes de Provence wäre da beispielsweise Château Galoupet mit dem »Nomade« zu nennen.

Die Parallelen zur Zigarre enden damit aber nicht. Ausgewogenheit, für die in den klassischen Provence-Blends der kleine, aber entscheidende Anteil der Sorten Rolle (Vermentino) oder Cinsault eine Rolle spielt, wäre eine Gemeinsamkeit. Auch in einer perfekten Zigarre soll nichts vorschmecken, sondern Würze und Cremigkeit im Einklang stehen.

Mediterrane Leichtigkeit mag feine Würzenoten

Eleganz und feine Würze prägen viele provenzalische Rosés. Dieses Profil bringt aber auch die »Demi Tasse« aus dem Hause Avo mit. Grüner Pfeffer im Wein vermengt sich mit dem dezenten Kardamom-Ton der »Purito«. Ein weiterer Vorteil: Das kleine Format begleitet ein Glas Südfrankreich auch ganz spontan.

PAIRING-Tipp: Maison St. Aix »Aix Rosé« 2025 &
AVO Classic »Puritos«

Holzausbau für die erdige Honduranerin

Zigarren-Legenda Maya Selva hat ihrer ausschließlich mit Honduras-Tabak gerollten Robusto viel Kante verliehen. Auch dafür gibt es einen Rosé: Die reichhaltigen Noten des Blaufränkisch aus dem 500 Liter-Holzfass umhüllen die Kaffee-Noten der mittelamerikanischen »Puro« förmlich.

PAIRING-Tipp: Strehn »Elefant im Porzellanladen« 2024 &
Villa Zamorano »Robusto«

Tiefe Kraft: Gereifter Rosé-Champagner

Alter ist ein Verdienst! Denn die ungestüme Perlage junger Schaumweine fordert die Zigarre zu sehr. Besonders der Gerbstoff wird unangenehm akzentuiert. Nach Jahren der Lagerung auf der Hefe sieht es bei der Harmonie anders aus: »Mehr Wein, weniger Sprudeln« ist ein Profil, das zur raren Assemblage aus Reims gute Figur macht.

PAIRING-Tipp: »Dom Ruinart Rosé« 2007 &
Davidoff »Year of the Horse« (Limited Edition 2026)

Crème de la Crème: Cinsault und Seco

Die ausgeprägte Beerenfrucht des Cinsaults in der Cuvée hat einen Freund in der Zigarrenwelt: Vanille-Töne im Rauch. Sie liefert – zusammen mit einer leichten Cremigkeit am Gaumen – der Klassiker aus der Dom. Republik mit seinem hohen Anteil an Seco-Tabaken. Hier ist Harmonie garantiert!

PAIRING-Tipp: Château Galoupet »Nomade« 2021 &
Davidoff »Signature No. 2«

Auf Augenhöhe mit der Rosé-Oberliga

Der kräftigere Rosé aus den beinahe 100 Jahre alten Rebstöcken der Einzellage nördlich von St. Tropez benötigt keinen Leisetreter aus dem Humidor. Das Conneticut‑Deckblatt der bei Arturo Fuente (Dom. Republik) gefertigten Corona prädestiniert sie zu Rosé, die Gewürznoten komplettieren die Weinaromatik.

PAIRING-Tipp: Château d‘Esclans »Garrus« &
Ashton »Classic Corona«

Und dann wäre da noch die Psychologie: So wie ein Rosé kleine Fluchten im Alltag, sommerliche Momente abseits des eigentlichen Urlaubs evoziert, tun das auch die kleineren Zigarrenformate. Man muss sich keine 90 Minuten »freischaufeln«, um eine Demi Tasse zu genießen. Vielmehr lässt sich über den rund 30-minütigen Smoke Ähnliches sagen wie über Rosé: Er geht irgendwie immer!

Mehr zum Thema
1 / 12
Rauchen ist tödlich – hören Sie jetzt auf.