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Rauchkultur, aber richtig: Die Welt der handgerollten Zigarren hat ihre eigenen Rituale – kompliziert ist sie für Neulinge aber keineswegs.

Rauchkultur, aber richtig: Die Welt der handgerollten Zigarren hat ihre  eigenen Rituale – kompliziert ist sie für Neulinge aber keineswegs.
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Zigarren-Wissen für Anfänger

Zigarre
Knigge

Sieht man in Zeiten digitaler Hektik und strenger Rauchergesetze jemanden eine Zigarre genießen, ist das geradezu ein Gegenbild zum »Schneller, Höher, Weiter«. Eine Geheimwissenschaft ist diese Art der Auszeit aber keineswegs. Nur fünf Basics gibt es, die man beherrschen sollte.

Das wichtigste Element, wenn es um Zigarren geht, ist Zeit. Jahrelang werden die Tabake für die einzelnen Teile einer handgerollten und filigranen Rauchware gereift. Das will gewürdigt werden. Alles, was hastig geschieht – vom Anschneiden über das Entzünden bis zum Erlöschen –, folgt einem ruhigen Rhythmus. Für den Anfang braucht es kaum Werkzeuge und Fachwissen, nur Neugierde und eine Sensorik, die zwischen persönlichem Geschmack und versprochenen Eindrücken auf Packungen und Co. zu unterscheiden weiß. Von aromatisierten und sanften Zigarillos, die nach Vanille oder Milch­kaffee schmecken, bis hin zu anderthalb Stunden intensiver Zwiesprache mit einem Format wie der Grande Gordo (2,4 Zentimeter Durchmesser) ist alles möglich.

Man muss fürs Erste auch nicht die Geheimsprache der »Tabacaleras« kennen. Wichtig ist die grundsätzliche Anatomiekenntnis der handgerollten Zigarre: Sie besteht stets aus der »Puppe«, die ihrerseits eine Art Rolle aus zwei gelagerten Tabaken – Einlage und Umblatt – darstellt. Der Kopf der Rolle wird in der Regel aufgeklebt. Daher kommt auch der Name »perilla« (spanisch für »Kappe«). Sie sollte beim Anschnitt oberhalb (!) der sichtbaren Naht zwischen Puppe und Perilla schnurgerade abgeschnitten werden. Der Rest ist Übung – denn die Basics für Einsteiger in die Welt des edlen Dunsts sind lediglich fünf.

1. Brown Sugar 

Die Wahl der persönlichen Rauchstärke

Der langsame Abbrand ist Markenzeichen des Zigarrengenusses. Ein möglichst langer Asche-Hut zeugt davon, dass nicht hastig und »heiß« geraucht wurde – die Aromatik wird wie durch einen Filter milder. Doch bevor es soweit ist, kommt die Entscheidung für die erste Rauchware. Anfängern gibt die Farbe des Deckblatts eine gute Orientierung (auch wenn das Umblatt prozentuell nur einen Teil der Zigarre ausmacht). »Connecticut Shade« als hellste Variante, vielleicht noch in einer handlichen Petit Corona ist ein guter Beginn. Intensiver kann es immer noch werden. Doch zuerst muss man die Mechanik des Geschmacks verstehen. Sie besteht aus drei unterschiedlich langen Teilen bzw. Rauchphasen: Auf einen trockenen und meist herben Beginn folgt eine geschmacklich optimale Mitte und eine mehr oder weniger lange Bitterphase ganz am Ende.

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2. The first cut is the Deepest

Perfekter Zigarrenschnitt

Vom Anschnitt hängt viel ab. Wird die Kappe schief angeschnitten, zieht auch die Zigarre einseitig – der Kenner schimpft dann über Schiefbrand. Generell gilt für die fünf gängigsten Schneide-Utensilien Cutter, Bohrer, Kerbschneider, Schere und Guillotine: Zwei Klingen und stabile Handhabung lassen auch Neulingen einen »guten Schnitt« machen. Bohrer und Kerbschneider schützen am ehesten vorm Beschädigen der »perilla«, die Schere kommt am besten auch mit großen Formaten zu Rande. Zum Einstieg empfiehlt es sich, Bohrer und Cutter zu testen. Und entscheidet sich für das persönlich bevorzugte Werkzeug.

P.S.: Wer Angst vorm »falschen Schnitt« hat, sucht in der Trafik mit dem Zauberwort »Pre-Cut«. Bei Zigarren mit dieser Bezeichnung entfällt die Suche nach dem Cutter; sie weisen einen V-förmigen Schnitt auf. Solche Formate wie etwa »Zino Nicaragua Half Corona« ermöglichen auch den spontanen Genuss, wenn kein Schneider zur Hand ist.

3. Nimm den goldenen Ring von mir

Banderolen-Knigge

Ebenfalls Verletzungsgefahr für das zarte Umblatt herrscht beim Abreißen der Banderole. In der Regel sollte sie sich nach einigen Zügen von selbst lösen, man kann sie aber auch als Griff-Zone benutzen, was vor Fremdgeruch und -geschmack (z.B. Parfüms, Salben oder Cremes) schützt. Im Zweifelsfall sollte man sie daher gar nicht bewegen. Denn eingerissene Deckblätter führen schnell zur Auflösung der ganzen Zigarre – speziell bei sehr trocken gelagerten. Bis hinter die Banderole und buchstäblich bis zum letzten Millimeter zu rauchen, gilt als schlechter Stil. Noch schlimmer wäre nur ein finales Ausdrücken der Zigarre im Ascher. Sie soll langsam von selbst verhauchen – eine letzte Geste des Respekts für diese würzige »Zeitkapsel«.

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4. A burning ring of fire

Wie zündet man korrekt an?

Ebenfalls zu den absolut unerlässlichen Utensilien gehört ein verlässlicher Zigarren-Anzünder. Dessen Flamme hat in jedem Fall geruchlos zu sein. Wenn im Film der Held mit dem »Zippo« seine Double Corona entflammt, sagt das weniger über seine Macho-Eigenschaften, sondern vielmehr über sein mangelndes Wissen aus. Mehrflammige Gas-Brenner (»torches«) sind am beliebtesten. Die Zigarre wird eher getoastet als direkt verbrannt, das kann auch 100 Sekunden dauern, aber man will ja keine verbrannten Noten inhalieren!

Der oft mitgelieferte Zedernholz-Span lässt sich näher an und weiter weg vom Zigarrenkopf bewegen, durch Drehen kommt so ein regelmäßig durchgeglühtes Ende – wie bei idealer Grillglut! – zu Stande. Dann entsteht auch der lange Asche-Hut, der die Aromen schützt (siehe Punkt 1!). Er wird daher auch nicht abgestreift, sondern sollte beim Ablegen der Zigarre von selbst abfallen.

5. Wet, wet, wet!

Lagerung mit und ohne Humidor

Auch die Anschaffung eines Humidors kann für Interessierte abschreckend wirken. Wie benutzt man ein Hygrometer? Wann und was fülle ich nach? Auf lange Sicht empfiehlt sich zumindest ein Tischhumidor, der rund zwei Dutzend Zigarren fasst. Eine für jeden Monat und Reserven für Freunde und Gäste.

Technisch gilt die amerikanische 70/70-Regel als Eselsbrücke: Rund 70 Prozent Luftfeuchtigkeit und 70 Grad Fahrenheit (also 21 Grad Celsius) sind ein Optimum. Kleinere Schwankungen des Befeuchters stören nicht. Aber Vorsicht! Zu feuchte Zigarren sind labbrig, zu trockene anfällig für Risse. Eine kurzzeitige Lagerung mit Befeuchtungssäckchen (z. B. von »Boveda«) stellt eine taugliche Alternative dar. Damit schicken sogar Hersteller ihre Ware auf die Reise. Und auch Zigarren in dicht verschlossenen Einzelhüllen (»Tubos« – siehe Bild) machen erste Gehversuche möglich, ohne einen riesigen Humidor aus Edelholz anzuschaffen. Nur Kühlschranklagerung und Apfelstücke in Zigarrenboxen darf man getrost als urbane Legenden betrachten!


Erschienen in
Falstaff Magazin Deutschland Nr. 2/2025

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Roland Graf
Roland Graf
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