Gut kombiniert: Zigarren-Pairings
Wärme, Diskussionsfreude und die Sehnsucht nach dem Besonderen – alles das erfüllt die Zigarre. Jetzt muss nur noch die Begleitung im Glas stimmen. Sie zu finden, folgt einigen wenigen Regeln.
Vielleicht liegt es einfach an der nasskalten Witterung: Wenn die Abende länger werden, greifen auch Gelegenheitsgenießer wieder gerne zum Humidor. Zigarren haben generell etwas Festliches an sich, doch sie passen besonders gut zu langen Winterabenden. Das Entzünden der jahrelang gereiften, handgerollten Zigarren ist schließlich auch eine Form des »Einheizens«. Wie um einen wärmenden Ofen versammeln sich Freunde auch um die kleine Flamme. Eine schöne Bezeichnung für die gemeinsam genossene Rauchware hat dazu der Humidor-Bauer Daniel Marshall geprägt: das moderne Lagerfeuer.
Marshall stammt zwar aus dem sonnigen Kalifornien, doch die archaischen Emotionen, die der Feuerring weckt, sind ihm nicht entgangen. Geschichten werden ausgetauscht, gemeinsam gelacht und diskutiert – vor allem aber Zeit mit Freunden verbracht, auch mit jenen, von denen man vor dem Rauchen gar nicht wusste, dass sie es sind.
Einstieg nicht verderben!
Das winterliche Zusammenrücken, gerne auch im luxuriösen Ambiente zelebriert, verlangt aber nach besonderen Zigarren. Es ist die Zeit der großen Formate, nicht der Zigarillos! Vor dem Kamin kann man auch eine Double Corona oder Churchill genießen, die im sommerlichen Gastgarten vielleicht angeberisch wirken würden. Wenn Küche und Keller mit den Verführungen das Jahr gebührend ausklingen lassen, dann sollte auch die Rauchware erlesen sein. Für Billiges und »schnell, schnell« ist diese Qualitätszeit schlicht zu schade.
Vor allem aber liegt nun mehr Sorgfalt auf den idealen Begleitungen der »schön gefüllten Zeit«, wie der legendäre Zigarrenmann Zino Davidoff diese Genussstunden nannte. Anders als beim Zusammenspiel von Essen und Wein sollte man hier jedoch auf verstärkende Pairings verzichten.
Was für den Sommelier eine Umami-Explosion darstellt – wenn etwa Sake auf Speck trifft –, kann für Raucher den Moment schnell zerstören.
Denn man sollte nicht vergessen, dass in den gemischt winterlichen Runden auch Einsteiger neben echten Aficionados zusammentreffen. Mehr noch: Für viele ist es die Gelegenheit, unter Anleitung eine erste Reise in die facettenreiche Welt der handgemachten Zigarren zu beginnen. Dabei sollte also alles sitzen. Um es mit einer »rauchigen« Analogie zu sagen: Wer seinen ersten Schluck Whisky von einem getorften Islay Malt nimmt, wird die Faszination wohl auf Jahre hinaus nicht begreifen.
Sanftheit fördert Harmonie
Genauso ist es mit Getränken, die Bitternoten verstärken – jene Noten, die Zigarrentabak kraft seiner Lagerung zwangsläufig besitzt. Wie bei den Getränken muss man sich die Geschmacksrichtung »bitter« erst erarbeiten. Nicht von ungefähr gilt sie aufgrund unserer Stammesgeschichte als Jäger und Sammler (bitter = potenziell giftig!) als der erwachsenste Geschmack. Dieser Logik folgt auch unsere Empfehlung der besten Partner für Zigarren, wobei diese nicht zwingend Getränke sein müssen – und auch nicht alkoholisch. Kühl servierter Tee hat zum Beispiel einen beruhigenden Effekt auf die Geschmacksknospen und lässt Novizen den sinnlichen Reiz zweier Temperaturen erleben. Generell Freude – und das nicht nur für Einsteiger – bereiten geschmeidige, also leicht fettig-viskose Zigarrenbegleiter. Sie können ebenso wie süßere Getränke nahezu pauschal empfohlen werden.
Denn wie jedes Genussmittel besitzt auch die Rauchware eine sogenannte »sensorische Lücke«: Profis bezeichnen damit jene Geschmackseindrücke, die aufgrund spezifischer Eigenheiten der Herstellung nicht gebildet werden können. Zigarren mögen scharf, bitter oder auch salzig schmecken – explizite Süße bringen sie jedoch nie mit!
Doch dem hilft der festliche Schluck im Tumbler oder Weinglas gerne nach. Fruchtige Spirituosen haben einen Startvorteil – besonders dann, wenn sie zusätzlich Vanillearomen aus dem Reifefass mitbringen. Speziell in ehemaligen Bourbon-Fässern gelagerte Destillate sind hier an erster Stelle zu nennen. Rum an der oberen Grenze des in der EU zulässigen Zuckerlimits von 20 Gramm pro Liter erfüllt dieses Profil. Zu süß sollte der Rum allerdings nicht sein – schließlich möchte man die gesamte Rauchdauer von rund 50 Minuten oder länger mit diesem Getränk verbringen.
Gar festliche Schlückchen
Cognacs, aber auch die oft deutlich trockeneren »Zigarrenbrände« – Fruchtdestillate mit Fasslagerung – bieten sich hier ebenso an wie einige echte Winterlieblinge.
Portwein als klassischer Schluck zum Weihnachtstruthahn, der ebenso selten eingeschenkte Armagnac oder gar ein Madeira laufen an der Seite einer Zigarre zur Hochform auf. Letzterer kommt mit seiner Reichhaltigkeit und meist höheren Reife auch gut mit den dunkelsten Deckblättern der Zigarrenwelt, den Maduros, zurecht. Und sollte vielleicht ein Prädikatswein zum Lebkuchen übrig geblieben sein – nehmen Sie ihn einfach mit. Zum nächsten »modernen Lagerfeuer«!
Unsere »Top 5« der winterlichen Zigarren-Pairings für besonders harmonische und genussvolle Zigarrenabende.
1. Brauner Rum
Dieser Klassiker unter den Pairings bringt meist eine natürliche Süße und Vanille von der Fasslagerung mit, die zum Gerbstoff der Rauchware Anschluss finden. Im Idealfall aus dem Herstellungsland der Zigarre!
AVO XO »Intermezzo« + Aged Rum
2. Cognac
Ein wenig aus der Mode, doch die Fruchtigkeit der Traube, egal ob frischer im VSOP oder rosinenähnlicher in einem XO, punktet verlässlich. Speziell bei »Grand Champagne«-Abfüllungen.
Camacho »Conneticut Robusto« + Weinbrand
3. Milky Oolong
Tee ist als Zigarrenbegleiter oft unterschätzt – vor allem der halbfermentierte Oolong mit seinen feinen Butterkeksnoten hat großes Potenzial, auch kalt genossen, den Gaumen zu kühlen.
Macanudo »Café Petit Corona« + Tee
4. Portwein
Nicht nur als Weihnachtsklassiker eine gute Wahl! Vor allem die komplexe Art eines Late-Bottled-Vintage-Ports komplettiert die pfeffrige Würze vieler Nicaragua-Zigarren.
Skel Ton »Live Your Dreams Toro« + Portwein
5. Dunkle Schokolade
Mindestens 40 % Kakaoanteil und kein Alkohol, keine Nüsse oder Früchte – dann stellt sich Harmonie mit leichteren Formaten ein. Ein Hauch Fleur de Sel hebt zudem die zarte Aromatik der Schokolade.
Davidoff »Signature No. 2000« + Schokolade