Rebellen in Port Ellen: Zu Gast im neuen »Ardbeg House«
Wer hier eincheckt, darf nicht nur den Blick auf den Hafen genießen, sondern ist von einem außergewöhnlichen Design umgeben. Das neue Boutique-Hotel »Ardbeg House« auf der Hebriden-Insel Islay erzählt in jedem Bereich des Hauses eine eigene Geschichte.
Schon als 2024 bekannt wurde, dass die bekannte Whisky-Brennerei Ardbeg das ehemalige »Islay Hotel« in Port Ellen übernimmt, war klar, dass hier etwas Besonderes entstehen wird. Anfang September öffnete das neu gestaltete »Ardbeg House« an gleicher Stelle nun erstmals seine Türen – und Falstaff gehörte zu den ersten Gästen. Das beindruckende Boutique-Hotel, direkt an der Küste gelegen, wurde über Monate in enger Zusammenarbeit mit den Innenarchitekten des »Russell Sage Studios« entworfen. Das erklärte Ziel: das Beste von Islay einzufangen und multisensorisch erlebbar zu machen – sei es durch das extravagante Interieur, sei es durch ein Fine-Dining-Restaurant oder sei es durch die »Islay Bar«, die dank ihres gehobenen Niveaus spielend auch Metropolen wie London oder Paris stehen könnte. Überhaupt ist das gastronomische Angebot erstklassig und zaubert das Beste von Islay und Schottland auf die Teller und in die Gläser. Frische Meeresfrüchte, teils von Mitarbeitern der Destillerie von Hand gefischt (wie etwa die Jakosmuscheln) und Gerichte mit regionaltypischen Zutaten wie Ente, Lamm oder Wild lassen sich im reich verzierten Signature Restaurant genießen. Und an der beeindruckenden »Islay Bar« kommt man schnell bei einem exklusiven Whiskydram oder Cocktail mit redseligen Einheimischen ins Gespräch.
Ein Hotel der Geschichten
Ardbeg hat es so geschafft, auf einer an luxuriösen Unterkünften noch recht armen Insel ein echtes Ausrufezeichen zu setzen und schon beim Betreten des von außen noch recht unaufgeregt wirkenden Hotels wird klar: das Design des neuen Hot-Spots ist einzigartig. In die opulente Mischung verschiedenster Einrichtungsstile flossen die Arbeiten von über 20 schottischen und ortsansässigen Kunsthandwerkern ein, die nicht nur das Restaurant und die Bar prägen, sondern vor allem die 12 individuellen und grundverschiedenen Suiten, von denen jede eine eigene Geschichte erzählt. Das Ergebnis ist eine Hommage an die Insel Islay im charakteristischen, etwas rebellischen »Ardbeggian«-Stil, der mit Elementen irgendwo zwischen Street-Art, Burlesque, viktorianischem Pomp, Steampunk und Art Déco spielt. Ob Gäste nun eingefleischte Ardbeg-Fans sind oder gerade erst den rauchigen Malt für sich entdecken – jedes Detail des Hauses wurde ausgewählt, um den Besuchern das Leben auf Islay sowie regionale Legenden näherzubringen. So erzählt ein Raum vom berühmten Strudel »Corryvreckan« zwischen den Inseln Jura und Scarba, andere Suiten von einfallenden Wikingern, berüchtigten Schmugglern oder gefürchteten Monstern wie dem Seeungeheuer »Beithir«, das Gäste in die Welt der Sagen und Legenden entführt. Eine Besonderheit eint jedoch alle Zimmer: In jedem befindet sich ein geheimes Versteck, in dem zwei kleine Flaschen Ardbeg auf den neugierigen Finder warten. Manchmal gilt es hierfür Geheimfächer im Kleiderschrank zu entdecken, an dubiosen Knöpfen zu ziehen oder kleine Kisten zu durchwühlen. Auch ein Blick in einen Vogelkäfig kann sich hierfür lohnen. Rund um das Hotel lockt zudem eine wilde und ursprüngliche Landschaft mit atemberaubenden Stränden und einer reichen Tierwelt, die sich vom Hafen von Port Ellen ausgehend übrigens auch per Schiff erkunden lässt. Zudem winkt Gästen eine exklusive Distillery-Tour sowie jeden Abend um 18:15 Uhr ein besonderes Whisky-Ritual, bei dem an der Islay Bar der »Ardbeg Badger Juice« ausgeschenkt wird – ein aus dem Fass gezapfter Dram, den es ausschließlich hier zu verkosten gibt.
Ein Blick hinter die Kulissen
Die Chance, einen Blick in das Zuhause des beliebten Ardbeg Whiskys zu werfen, sollte man sich ebenfalls auf keinen Fall entgehen lassen, immerhin blickt die Brennerei auf eine mehr als bewegte Geschichte zurück, die nach Jahren des Schwarzbrennens bereits 1815 mit der offiziellen Gründung durch John McDougall beginnt. Doch auch turbulenten Jahre unter wechselnden Eigentümern sowie eine lange Phase der Stilllegung ab 1981 sind Teil der Historie und erst durch die Übernahme der Brennerei durch die Glenmorangie Company in Jahre 1997 wurde die Erfolgsgeschichte der letzten Jahre möglich. Heute ist Ardbeg Teil des französischen Luxuskonzerns LVMH und bekannt für seinen intensiv rauchigen Single Malt Whisky, dessen Standard ppm-Wert von 55 als der höchste der Branche gilt. Bei einem Besuch der Brennerei lässt sich der gesamte Herstellungsprozess transparent verfolgen, auch wenn seit Anfang der 1990er Jahre keine eigene Mälzerei mehr betrieben wird. Und bei einem kleinen Warehouse-Tasting lockt garantiert der ein oder andere Tropfen, der es in dieser »In the Making«-Form nie in die Flasche schaffen wird und der so nur vor Ort zu erleben ist. Slainte!