Restaurant der Woche: »Florio«
Im »Florio« fühlt sich München tatsächlich wie die nördlichste Stadt Italiens an. Die Küche setzt auf kompromisslose Produktqualität – italienische Klassiker, auf das Wesentliche reduziert.
Im »Charles Hotel« direkt am botanischen Garten in München hat jüngst das »Florio« aufgemacht. Davon gibt es zwei: Das erste ist in Palermo. Vielleicht fühlt man sich deshalb, als sei man nicht durch den Eingang in ein Restaurant getreten, sondern durch ein Portal in Italien gelandet, wenn man in den Gastraum mit den mildgrünen Wänden kommt. Umringt von Olivenbäumen stehen die Tische wie in einem Garten.
Und dann kommt auch schon der Gruß aus der Küche: Avocado in einem dünnen Teigmantel, darauf liegt ein Korianderblatt. Eine Guacamole mit Cracker. Klar. Aber dann bleibt die Nussigkeit der Avocado, die feine Säure der Limette und auch der Koriander im Mund. Hier blitzt schon etwas auf, das man schnell als Purismus abtun könnte. Aber die Küche im »Florio« folgt einer Philosophie, die streng genommen kein Purismus ist. Eher eine Obsession. Denn was könnte größer sein, als darauf zu zielen, den wahren Geschmack jeder einzelnen Zutat herauszuarbeiten?
Im »Florio« nehmen sie die italienische Küche ernst. Weil sie ganz auf den Geschmack ihrer Zutaten vertrauen. Der Star auf der schön aufgestellten Karte sind ganz klar die Kürbisravioli. In einem Teig, der so dünn ist, dass er fast transparent wirkt, aber doch bissfest, sind sie ein wahrgewordener Pastatraum. Serviert werden sie mit Trüffel, Parmesan und in Butter geschwenkt. Auch der Red Snapper ist ein Highlight. Wunderschön glasig belassen liegt das Filet auf einem herrlichen Olivenöl-Kartoffelpüree an Waldpilzen. Bei einem Besuch im »Florio« hat man das Gefühl, dass das Klischee wahr ist: München ist die nördlichste Stadt Italiens.