Restaurant der Woche: »Hilmar«
Stephan Krogmann inszeniert im »Schlosshotel Münchhausen« feinsinnig-klassische Küche mit modernem Drive – ein kulinarisches Gewitter der besten Art.
Was für ein Auftakt im »Hilmar«im »Schlosshotel Münchhausen«. Ein Blitz zuckt über den aschgrauen Himmel. Alter Baumbestand biegt sich in der barocken Gartenanlage im Wind. Donnergrollen wälzt sich über die üppigen Ländereien des Weserberglands, ein Regenguss lässt die Burggräben ringsum anschwellen. Zugegeben, hinter doppelverglasten Kassettenfenstern und mit einer ordentlichen Weinkarte in der Hand gleicht das Unwetter einem Naturschauspiel, das dann recht schnell vom Spektakel auf den Tellern abgelöst wird.
Stephan Krogmann, zuvor Küchenchef im »Gutshaus Stolpe«, spielt auf der Klaviatur klassischer Küche mit feinsinnig-modernem Anschlag auch hinsichtlich Texturen und Temperaturen – es ist eine Freude. Islandkabeljau auf Muschel-Fumet? Bernsteinmakrele, Imperial-Kaviar und Kumquat? Wildkräutersorbet auf Champagner-Granité? Mit vermeintlich einfachen Kombinationen legt der Koch die Schönheit bester Produkte frei. Die Würzung, das Verhältnis der Zutaten: Jede Kreation ist maximal fein austariert. Besonders komplex präsentiert sich eine rosa gegrillte Étouffée-Taubenbrust mit zartem Spitzkohl, Morcheln, Keulen- und Blutwurstpraline, Topinambur sowie Gänselebersauce und Himbeer-Tauben-Glace.
Die Vielschichtigkeit des Essens wird im Glas mit einem gereiften 2013er »Les Pagodes de Cos« von Cos d'Estournel aufgegriffen, der im Rahmen der Weinbegleitung ausgeschenkt wird – fürstlicher lässt sich in Niedersachsen kaum tafeln. Dank der idyllischen Lage, einem angrenzenden Golfplatz und den stilvollen Gästezimmern lädt das herrschaftliche Anwesen aus dem Jahr 1570 dazu ein, direkt länger zu bleiben.
31855 Aerzen
Deutschland