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© Steffen Sinzinger

Restaurant-Tipp der Woche: »Dae Mon«

Restaurant der Woche Deutschland
Kritik
Restaurant
Kulinarik

Das »Dae Mon« am Berliner Monbijouplatz überrascht mit einer clubartigen Atmosphäre und einer unkonventionellen Küche. Die jungen Köche kreieren hier mutige, eigenwillige Gerichte, die polarisieren. Ihr Konzept: kulinarische Grenzgänge, die die üblichen Fine-Dining-Erwartungen bewusst durchbrechen.

Der Neonschriftzug über dem Eingang sieht mehr nach 80er-Jahre-Club aus als nach dem Fine-Dining-Restaurant, das hier am Berliner Monbijouplatz seit 2014 existiert. Auch innen wird man vom Tiefschwarz des Ambiente überrascht. Das »Dae Mon« ist ein Restaurant mit ungewöhnlicher Optik und Tellern voller Ideen – und doch hat es nie so recht die Foodie-Landkarte erobert. Zu Unrecht, vor allem seitdem sich hier zwei talentierte Jungköche mit dem Selbstbewusstsein ihrer Jugend austoben: Samuel Haas und Phillip Steixner kochen nicht dem Gast hinterher, sondern radikal nach ihrem persönlichen Geschmack.

»Open Minded Cuisine« heißt ihre Vision, was das bedeutet, wird im Laufe des Acht-Gänge-Menüs klar: Auf ein gegrilltes, gepufftes, geeistes, geleeartiges und auch cremiges Dreierlei von der Karotte, serviert in einer Glasbox mit Rauch von Kirschholz, folgen Spitzpaprika mit Tonburi und Wasabi. Tonburi, der Samen einer Pflanze aus der japanischen Präfektur Akita, erinnert an Kaviar, zumal er hier in Salzlake eingelegt ist. Zusammen mit einer leicht bitter verbrannten Paprika und einer Wasabi-Beurre blanc wird er zum mitreißenden Gericht.

Hat man sich gerade an die asiatische Aromatik gewöhnt, tischen die beiden aus Tirol stammenden Köche herrliche Perlgraupen im Liebstöckel-Fond mit Kastanie und Feige auf. Doch nicht immer bleibt es gefällig. Über 50 Prozent der Gäste, weiß Samuel Haas, schmeckt das Dessert mit Kaki-Frucht und Kuzukiri nicht. Er findet es aber genial: Die glibberigen, in Japan Kuzukiri genannten Nudeln aus Stärke schwimmen in einer braunen Zuckersoße. Darauf schmilzt ein Eis aus Ziegenkäse. Nun ja, garantiert ist: Langweilig ist das »Dae Mon« nicht.

Bewertung

Essen 43 von 50
Service 18 von 20
Weinkarte 18 von 20
Ambiente 8 von 10
GESAMT 87 von 100

87
Monbijouplatz 11
10178 Berlin
Deutschland

Erschienen in
Falstaff Magazin Deutschland Nr. 6/2024

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Tina Hüttl
Autor
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