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Auf dem zugefrorenen St. Moritzersee werden jeden Winter spektakuläre Sportevents wie das berühmte Pferderennen White Turf ausgetragen.

Auf dem zugefrorenen St. Moritzersee werden jeden Winter spektakuläre Sportevents wie das berühmte Pferderennen White Turf ausgetragen.
© Shutterstock

Skiwochenende der Superlative in St. Moritz

Winter
St. Moritz
Schweiz

322 Sonnentage, klare Bergluft und luxuriöses Spektakel: St. Moritz inszeniert den Winter wie kaum ein anderer Ort in den Alpen – seit einer Wette von 1864 mit ungebrochener Selbstverständlichkeit.

Wer hat’s erfunden? Die Schweizer natürlich. Nicht nur das bekannte Kräuter­bonbon, sondern auch den Wintertourismus, wie wir ihn heute kennen. Zumindest behauptet Letzteres eine Legende, die sich um den St. Moritzer Hotelier Johannes Badrutt rankt. Im Jahr 1864 soll der Gründer des »Kulm Hotels St. Moritz« mit einigen letzten englischen Sommergästen gewettet haben, dass er deren gesamte Reisekosten übernehmen würde, sollte ihnen der Winteraufenthalt im sonnigen, verschneiten St. Moritz nicht gefallen. Den Engländern gefiel es, und der für die Region so wichtige Wintertourismus war geboren. Ein Meilenstein – denn bis dahin reiste man nach St. Moritz vor allem wegen der heilenden Quellen, die bereits im Mittelalter unter Papst Leo X. und dem Naturheilarzt Paracelsus große Bekanntheit erlangten.

Was Johannes Badrutt, dessen Sohn Caspar übrigens das »Badrutt’s Palace« gründete, damals seinen Gästen versprochen haben soll, hält St. Moritz bis heute: 322 Sonnentage pro Jahr, kristallklare Luft auf 1856 Metern Höhe und jenes legendäre Engadiner Licht, das die Landschaft in eine fast überirdische Klarheit taucht. Aus dem ehemaligen Kurort wurde ein Sehnsuchtsort und ein Symbol für Luxus und Exklusivität. »Die Geschichte, die Vielfalt, die Gegensätze«, beschreibt der illustre Gemeindepräsident Christian Jott Jenny den Zauber des Orts. »Nirgendwo auf der Welt findet man ein derartiges Angebot und Gegensätze auf so engem Raum. Das Ganze gepaart mit dieser Natur, diesen Seen, diesem Licht! Eine Mixtur aus Freilichtmuseum und Spielplatz für menschlichen Wahnsinn, gepaart mit Vollkommenheit, Kultur und und und.«

Eleganz, mondäner Lebensstil und Genuss prägen seit jeher die Winterkultur in St. Moritz.
© Horace Abrahams / Fox Photos / Hulton Archive / Getty Images
Eleganz, mondäner Lebensstil und Genuss prägen seit jeher die Winterkultur in St. Moritz.

Ice, Ice, Baby!

Auf die schönste Weise verkörpern diesen Wahnsinn wohl die kuriosen Sportarten, die während des Winters in St. Moritz betrieben werden. Allen voran der Cresta Run, jene 1885 erbaute Natureisbahn, auf der sich Mutige seit über 130 Jahren bäuchlings auf Skeleton-Schlitten ins Tal stürzen. Bis zu 140 Stundenkilometer erreichen sie dabei, nur Zentimeter über dem Eis schwebend, ohne Bremse. Die Wintersportart, die als Vorläufer des olympischen Skeletons gilt, wurde einst von Briten in St. Moritz erfunden. Ein weiteres Highlight ist die 1904 eröffnete Bobbahn in St. Moritz Celerina, die erste ihrer Art weltweit.

Mindestens genauso spektakulär wie die Fahrten durch einen Eiskanal ist das White Turf, das seit 1907 den zugefrorenen St. Moritzersee in Europas höchstgelegene Pferderennbahn verwandelt. Wenn Vollblüter über das meterdicke Eis galoppieren, während Tausende Zuschauer mit Champagnergläsern in der Hand zuschauen, verschmelzen Surrealismus und mondäne Leichtigkeit zu einem einzigartigen Schauspiel. Die Bergkulisse des Engadins bildet dazu die perfekte Kulisse. Der zugefrorene See dient seit 1985 übrigens auch als Snow-Polo-Spielfeld. Seitdem versammelt sich jährlich beim Snow Polo World Cup die Schneepolo-Elite in St. Moritz und kämpft um die begehrte Trophy.

Ob beim legendären Cresta Run, beim Skifahren oder beim Snow Polo (hier) – St. Moritz vereint Tradition, Sport und Glamour auf unvergleichliche Weise.
© Shutterstock
Ob beim legendären Cresta Run, beim Skifahren oder beim Snow Polo (hier) – St. Moritz vereint Tradition, Sport und Glamour auf unvergleichliche Weise.

Anziehende Gastronomie

Tatsächlich kommen aber längst nicht alle Gäste wegen des Sports nach St. Moritz. »Bei uns benutzt nur ein Drittel der Gäste die Bergbahnen, also fährt Ski oder Ähnliches«, erklärt Jenny. »Das bedeutet im Umkehrschluss, dass zwei Drittel der Gäste aus anderen Gründen nach St. Moritz kommen, unter anderem wegen des unglaublichen Hotel- und Gastronomieangebots. Dieses hat in den letzten Jahren einen enormen Schritt gemacht. Vor allem die junge Pop-up-Szene hat hier einen großen Beitrag geleistet – die Hotellerie zieht aber nach.« Das Spektrum reicht von luxuriösen Ikonen wie dem »Badrutt’s Palace« bis hin zu angesagten Pop-up-Konzepten. Eine Vielfalt, die zeigt, was St. Moritz ausmacht: Und das ist seit Jahrhunderten die Fähigkeit, Gegensätze gekonnt zu vereinen.

Adressen

Ecco St. Moritz im Giardino Mountain

In dem ehemaligen Kapellenraum unter der Erde trifft alpine Ruhe auf kreative Fine-Dining-Magie. Ein Zwei-Sterne-Tastingmenü mit Fokus auf saisonale Aromenkunst sorgt für Feuerwerke auf dem Teller. Puristisch, elegant – spektakulär im Engadiner Style.
Via Maistra 3, 7512 Champfèr, T: +41 81 8366300
giardinohotels.ch

Da Vittorio im Carlton Hotel

Ausgezeichnet ist hier nicht nur die Küche, auch das Panorama kann punkten: Im »Da Vittorio« trifft italienische Spitzenküche auf alpinen Luxus. Klassiker wie Paccheri alla Vittorio und Maialino da latte con tartufo kommen kunstvoll angerichtet auf den Teller.
​​Via Johannes Badrutt 11, 7500 St. Moritz, T: +41 81 8367000
carlton-stmoritz.ch

Kulm Country Club by Mauro Colagreco

Modern gestalteter Pavillon, ehemaliges Olympia-Eisfeld, jetzt »Kulm Country Club by Mauro Colagreco«. Hier zeigt sich der Weltstar nahbar: Es gibt eine bezahlbare Küche für jeden. Viel Fleisch vom Grill, manchmal sogar ganze Tiere für spezielle »Asado«-Happenings.
Via Maistra 41, 7500 St. Moritz, T: +41 81 8368203
kulm.com

Matsuhisa im Hotel Badrutt’s Palace

Im Restaurant in der ehemals ersten Tennishalle Europas wirkt Chef Nobu Matsuhisa. Er zaubert aus Elementen der japanischen und peruanische Küche unvergessliche Fusion-Erlebnisse. Thunfisch-Tacos oder Gelbschwanz-Sashimi mit Jalapeños vereinen beide Genusswelten.
Via Serlas 27, 7500 St. Moritz, T: +41 81 8371000
badruttspalace.com

Langosteria

Ein nobles Restaurant, das direkt von der Skipiste erreichbar ist – typisch St. Moritz! Serviert wird italienische Meeresküche mit Selbstverständnis: roh, gegrillt, gebuttert. Wer draußen Platz nimmt, bekommt Sonne, Aussicht – und das Meer auf dem Teller.
Via Salastrains 10, 7500 St. Moritz, T:  +41 (81) 8333131
langosteria.com

The View im Hotel Grace

Eines der neuesten Highlights der St. Moritzer Gastroszene auf die Aussicht zu reduzieren, wäre unfair. Im »Grace« können sich die Gäste ans Mittelmeer beamen und in Hummerpasta oder Tomatenrisotto schwelgen. Tiramisu, am Tisch zubereitet, ist auch ein schöner Anblick.
Via Serlas 5, 7500 St. Moritz, T: +41 81 8322210
gracehotels.com

La Scarpetta

Pasta und Wein – das würde schon mal reichen. Die Teigwaren sind nämlich von der feinen Sorte, und die Flaschenauswahl ist riesig. Herrschaft und Piemont sind stark vertreten, Burgund, Champagne und Bordeaux fehlen nicht. Zum Start Bruschetta, zum Abschluss Tiramisu.
Via Veglia 11, 7500 St. Moritz, T: +41 81 8323209
la-scarpetta.ch


Erschienen in
Falstaff Magazin Deutschland Nr. 9/2025

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Dominik Vombach
Dominik Vombach
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