Wie geschaffen für große Rotweine: die Ried Altes Weingebirge in Neckenmarkt.

Wie geschaffen für große Rotweine: die Ried Altes Weingebirge in Neckenmarkt.
© ÖMW / Robert Herbst

Weinbaugebiet Mittelburgenland: Heimat des Blaufränkisch

Das Mittelburgenland verfügt über etwas mehr als 2000 Hektar Rebfläche und widmet sich dank idealer Voraussetzungen in hohem Maße der Erzeugung von hochwertigen Rotweinen aus der Rebsorte Blaufränkisch. Diesem Umstand hat das Gebiet auch den treffenden Namen »Blaufränkischland« zu verdanken.

Was macht das Mittelburgenland zum idealen Standort für Österreichs derzeit erfolgreichste Rebsorte? Der Blaufränkisch profitiert hier von den sowohl topografisch wie klimatisch günstigen Rahmenbedingungen an der Schnittzone zwischen dem voralpinen Bereich im Westen und der pannonischen Region im Osten. Die Weingärten werden von der Buckligen Welt, dem Ödenburger Gebirge im Norden und den Günser Bergen im Süden gegen alle widrigen Witterungseinflüsse abgeschirmt. Dafür kann aus der Pannonischen Tiefebene der warme, trockene Wind barrierefrei einströmen. Auch der Neusiedler See, der wie ein natürlicher Thermostat wirkt, leistet einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zum Werden der großen Blaufränkisch-Weine der Region.

Vier wichtige Gemeinden geben hier in Sachen Weinbau den Ton an: Horitschon, Neckenmarkt und Deutschkreutz im Nordteil des Mittelburgenlandes, und Lutzmannsburg mit seinem Hochplateau an der südöstlichen Grenze zum ungarischen Nachbarn. Der Großteil der Böden ist von meist schweren, tiefgründigen Lehmböden mit großer Wasserspeicher­fähigkeit geformt, was in den immer häufiger werdenden Trockenperioden ein großer Vorteil ist. Aber es gibt auch Formationen von verwitterten Schiefern, die dem Blaufränkisch Würze und Mineralität verleihen können, vereinzelt findet man Gneis, Kalkstein und sandige Lehmschichten, aus denen die Rotweine ihre Kraft und Struktur schöpfen. Der Umstand, dass die Reben hier in der Region mit den meisten durchschnittlichen Sonnenstunden wurzeln, ist von unbestreitbarem Vorteil. Neben zwei modernen Winzergenossenschaften gibt es im Mittelburgenland zahlreiche sehr leistungsstarke Familienweingüter, die fest in der Elite der österreichischen Weinkultur verankert sind.

Die Ried Bodigraben am Neckenmarkter Hochberg bringt besonders mineralische Blaufränkische hervor.
© ÖWM / WSNA
Die Ried Bodigraben am Neckenmarkter Hochberg bringt besonders mineralische Blaufränkische hervor.

Sonnenseite des Rotweins

Die Leitsorte Blaufränkisch wird nun bereits seit dem Jahrgang 2005 als herkunftsgeschützter DAC-Wein erzeugt. Damit waren die Winzer der Region unter den ersten, die von dem erfolgreichen System profitieren konnten. Zwar ist der Blaufränkisch die einzige Sorte mit Mittelburgenland DAC, man hat sich aber entschieden, in drei Kategorien zu gliedern. Unter Classic versteht man einen Blaufränkisch mit präsenter Frucht und würzigem Geschmack, der im traditionellen großen Holzfass oder im Stahltank ausgebaut wurde und daher keinerlei Neuholznuancen vom Barrique aufweist. Diese Weine haben laut Etikett einen Alkoholgehalt von 12,5 oder 13 Prozent und dürfen nicht vor dem 1. August, der auf die Ernte folgt, auf den Markt gebracht werden.

Führt ein Mittelburgenland DAC eine Riedenbezeichnung, dann handelt es sich um einen etwas kräftigeren Stil von Blau­fränkisch, hier darf der Ausbau durchaus in gebrauchten Barriques erfolgen, diese Weine können einen zarten Holzton aufweisen. Der Alkoholgehalt laut Etikett liegt etwas höher, bei 13 bis 13,5 Prozent, verkauft werden dürfen die Lagenweine erst ab dem 1. Oktober des Jahres nach der Ernte.

Und schließlich kommt die Kategorie Blaufränkisch Mittelburgenland DAC Reserve; sie stellt in der Regel die gehaltvollste Stufe des Blaufränkisch dar. Diese Weine mit einem Alkoholminimum von 13 Prozent am Etikett dürfen auch im neuen Barrique geschult werden und reifen entsprechend auch am längsten. Sie werden frühestens am 1. März des zweiten auf die Ernte folgenden Jahres vermarktet.

Ein gebietstypischer Blaufränkisch besitzt eine intensive, dunkel-rubinrote Farbe. Sein Bukett setzt sich aus fruchtigen wie würzigen Komponenten zusammen. Man spürt Nuancen von Brombeeren, dunklen Herzkirschen, schwarze Waldbeeren, unterlegt mit Noten von Kräutern, im Falle des Barriqueausbaues ergänzt durch Vanille und Röstaromen. Auch am Gaumen ist die Frucht der Sorte präsent, Blaufränkisch verfügt dank einer guten Säurestruktur stets über animierende Frische. Sein Potenzial zu reifen, kommt von den sortentypischen Tanninen, die dem Wein Komplexität und Länge geben. Bereits in den ersten fünf Jahren bieten die Classic- und Riedweine einen optimalen Trinkgenuss, die Reserve-Weine sind für eine längere Lagerung entwickelt und zeigen sich nach fünf bis sieben Jahren von ihrer Sonnenseite, die besten Weine aus Topjahrgängen können Jahrzehnte der Perfektion entgegen­reifen.

Auch wenn der Blaufränkisch mit 55 Prozent der Rebfläche die mit Abstand wichtigste Rebsorte im Mittelburgenland ist, soll das nicht bedeuten, dass es hier an Sortenvielfalt mangelt. In geeigneten Lagen werden auch Blauer Zweigelt und die internationalen Rotweinsorten Cabernet Sauvignon, Merlot sowie etwas St. Laurent, Pinot Noir und Syrah gepflegt. Im Bereich der Weißweine entstehen charaktervolle Produkte aus Chardonnay, Weißburgunder, Grünem Veltliner und Welschriesling. Und dann wäre da noch Pia Strehn aus Deutschkreutz, die sich der Herstellung von exquisiten Rosé-Weinen verschrieben hat, die mittlerweile international Anklang finden.

Das vielseitige kulinarische Angebot vom Heurigen bis zur gehobenen Gastronomie, die örtlichen Weinfeste und zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten machen die Region zu einem geschätzten Ziel für Weintouristen. Reizvoll sind die kulturellen Angebote vom Sommertheater in Kobersdorf bis zum musikalischen Angebot in Raiding.

Das Schloss Deutschkreutz beherbergt ein Museum mit Werken von Anton Lehmden.
Foto beigestellt
Das Schloss Deutschkreutz beherbergt ein Museum mit Werken von Anton Lehmden.

Touristisch gut entwickelt

Neben den oft architektonisch interessanten Weingütern mit ihren Degustations- und Einkaufsangeboten haben sich auch Gebietsvinotheken als Anlaufstellen für weininteressierte Gäste etabliert. In Deutschkreutz etwa erwarten gleich zwei wohlsortierte Vinotheken die Weinfreunde. Optimal klimatisiert lagern im weiträumigen Weinkeller der Gebietsvinothek »Vinatrium« mehr als 400 Weine von 50 Winzern des Blaufränkischlandes. Übersichtlich nach Winzern geordnet bietet sich hier dem Weinfreund ein vinophiles Panorama des Mittelburgenlandes. In der »burgenland VINOTHEK« wiederum findet sich eine breite Auswahl von zirka 450 Spitzenweinen aus dem gesamten Burgenland – aber auch Besonderheiten aus dem restlichen Österreich. Uhudler, Edelbrände, ein großes Gewürzsortiment, eingelegtes Gemüse und Weingläser runden das Sortiment ab.

In Neckenmarkt fungiert die Ortsvinothek »wein&mehr« als vinophile Anlaufstelle. Sie befindet sich im wunderschönen, etwa 350 Jahre alten Gewölbekeller des »Alten Rathauses« unterhalb des Weinbau- und Fahnenschwingermuseums. Die vielfach prämierten Neckenmarkter Weine werden hier präsentiert und zu Ab-Hof-Preisen verkauft.

Die sanften Hügel des Mittelburgenlandes sind wie geschaffen für den Blaufränkisch.
Foto beigestellt
Die sanften Hügel des Mittelburgenlandes sind wie geschaffen für den Blaufränkisch.

Winzer


EMPFOHLENE PRODUZENTEN

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Die Sternebewertung der ausgewählten Weingüter ist dem Falstaff Wein Guide Österreich 2023/24 entnommen, zahlreiche weitere empfehlenswerte Weine finden Sie auch auf  falstaff.at.


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Peter Moser
Peter Moser
Wein-Chefredakteur Österreich
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