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© Wien Tourismus / Peter Rigaud

Wenn Walzer auf Sake trifft

Österreich
Japan
Sake

Die aktuelle Österreich-Japan-Kooperation zur EXPO 2025 in Osaka verbindet die höchste Kunst der Musik mit der traditionellen Handwerkskunst der Sake-Herstellung.

Im Rahmen des österreichischen Auftritts bei der EXPO 2025 unter dem Motto »Composing the Future« entstand eine außergewöhnliche Initiative: eine Sonderedition des renommierten japanischen Premium-Sake Dassai, gebraut unter den Klängen des »Lagunenwalzers« von Johann Strauss.

Die musikalische Umrahmung für diesen besonderen Gärungsprozess lieferten dabei nicht irgendwelche Interpreten, sondern Mitglieder der Wiener Philharmoniker zusammen mit dem Japan Century Symphony Orchestra.

»Wir haben den Sake während der Gärung einen ganzen Monat lang mit dem Lagunenwalzer beschallt, mit Boxen direkt am Gärbehälter. Die Schallwellen waren in der gärenden Flüssigkeit sogar erkennbar«, erklärt Andreas Großbauer, Mitglied der Wiener Philharmoniker seit 2007 und Gründer des Projektes Philharmonic Taste, bei dem Musik mit Wein verbunden wird. Großbauer ist gemeinsam mit Dassai einer der kreativen Parteien bei diesem ­Projekt. »Wir wissen, dass Schallwellen einen ­ordentlichen Einfluss bei sensiblen Pro­zessen wie Gärung haben können.«

An den aufwendigen Aufnahmen für das Projekt waren ein Ensemble aus den Reihen der Wiener Philharmoniker und das Japan Century Symphony Orchestra beteiligt.
Foto beigestellt
An den aufwendigen Aufnahmen für das Projekt waren ein Ensemble aus den Reihen der Wiener Philharmoniker und das Japan Century Symphony Orchestra beteiligt.

Musik mit Weinbegleitung

Die Geschichte hinter der Initiative ist ebenso faszinierend wie das Endprodukt selbst. Bereits seit 2012 beschäftigt sich Großbauer mit dem Pairing von Musik und Wein, also der perfekten Vermählung von akustischen und olfaktorischen Sinneswahrnehmungen. »Wenn man auf der Suche nach dem Schönen ist im Leben, findet man Querverbindungen, die das Ganze noch schöner machen«, reflektiert er. Seine Initiative Philharmonic Taste hat sich auf Events spezialisiert, bei denen genau diese Verbindung im Zentrum steht.

Um perfekte Paare zu finden, sieht sich Großbauer an, welche Parallelen es zwischen Wein und Musikstück geben könnte: »Hat die Musik etwas Helles, Dunkles oder vielleicht gar Animalisches?« Wie man Wein beschreibe, könne man auch Musik beschreiben, sagt er. »Das Ganze bringt einen näher zur Musik, aber auch zum Wein. Die Dinge unterstützen sich gegenseitig.«

Für das Dassai-Projekt kam die Anfrage an Andreas Großbauer. Erklärtes Ziel war es, eine Brücke zwischen Japan und Österreich zu schlagen, und Musik als verbindendes Element war dafür prädestiniert. Der 200. Geburtstag von Johann Strauss im Jahr 2025 bot schließlich den perfekten Anlass, den »Lagunenwalzer« für diese besondere Kooperation auszuwählen.

Die Herausforderungen

Die Umsetzung war eine logistische und künstlerische Herausforderung. »Wenn man von zwei Klangkörpern etwas zusammenführt, ist das nicht einfach. Tempo, Klanghöhe und natürlich die Art des Spielens müssen zusammenpassen«, erklärt Großbauer.

Die Wiener Musiker nahmen zuerst ihre Version in der Bearbeitung von Arnold Schönberg in der Wiener Staatsoper auf und stellten diese dem Japan Century Symphony Orchestra zur Verfügung, das dann die Originalversion einspielte. »Meine japanischen Kollegen sind sehr akribisch vorgegangen, typisch japanisch«, lobt Großbauer die Zusammenarbeit. »Sie haben das perfekt umgesetzt.«

Tonmeister Georg Burdicek schuf aus beiden Aufnahmen eine Version, die harmonisch zwischen der österreichischen und japanischen Interpretation hin und her fließt – ein klingendes Symbol für die kulturelle Verbindung beider Länder.

Andreas Großbauer ist Mitglied der Wiener Philharmoniker und Gründer des Projektes Philharmonic Taste, das Klassik und Genuss in Einklang bringt.
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Andreas Großbauer ist Mitglied der Wiener Philharmoniker und Gründer des Projektes Philharmonic Taste, das Klassik und Genuss in Einklang bringt.

Kultur und Wirtschaft vereint

Das Projekt »DASSAI – Composing the Future« verfolgt dabei nicht nur kulturelle, sondern auch wirtschaftliche Ziele. Die Sonderedition wird am 23. Mai 2025 beim Nationen-Tag der EXPO 2025 präsentiert und soll Unternehmen inspirieren, neue wirtschaftliche Initiativen zu setzen und bestehende Kooperationen zu intensivieren.

Auf die Fragen nach der Bedeutung von Musik für internationale Wirtschaftsbeziehungen antwortet Großbauer: »Es kann eine große Rolle spielen. Wenn man hingeht und etwas mit einem gemeinsamen Konzert, aber auch einem Essen oder einem Glas Wein startet, sind die Menschen gleich in einer völlig anderen Stimmung. Damit ist vieles, vieles möglich. Die Musik bringt eine Farbe hinein und eine neue Komponente.«

Für Großbauer bedeutete das Projekt auch eine neue Erfahrung, da er bisher hauptsächlich mit Wein arbeitete. »Es ist das erste Projekt von Philharmonic Taste, das so weit in die Produktion eingreift«, erklärt er. Im November veranstaltete Philharmonic Taste bereits einen Event mit Sake in Japan.

»In der Vorbereitung darauf habe ich erstmals intensiv die Unterschiede und Feinheiten verschiedener Sakes angeschaut. Das ist nicht so einfach – es geht eher um Energie als um Aromen wie beim Wein.« Die Anwesenden waren von der Umsetzung begeistert, erinnert sich Großbauer: »Man setzt sich anders mit den Themen auseinander. Es verbindet.«

In einer zunehmend fragmentierten Welt betont Großbauer die symbolische Bedeutung solcher Kooperationen: »Gerade in der aktuellen Zeit, wo man häufig das Trennende in den Vordergrund stellt, tut es gut, etwas Verbindendes zu machen.« Mit einer langen Geschichte verbindet die Wiener Philharmoniker und Japan eine besondere Beziehung. Seit dem Jahr 1956 treten die Philharmoniker regelmäßig in Japan auf und waren eines der ersten Orchester, die nach dem Zweiten Weltkrieg das Land besuchten.

BLick in die Zukunft

Ob die Zusammenarbeit mit Dassai nach der EXPO weitergeht? »Ich fände es schön«, sagt Großbauer, der selbst ein »großer Japan-Liebhaber« ist, wie er zugibt.

Ein Film, der den Produktionsprozess dokumentiert, wird auf der EXPO 2025 präsentiert. Die Besucher haben dort auch die Möglichkeit, die Sonderedition »DASSAI – Composing the Future« zu erwerben und damit ein Stück österreichisch-japanischer Klangkultur in flüssiger Form mit nach Hause zu nehmen.

Der Österreich-Pavillon unter dem Motto »Composing the Future«.
© Shawn.ccf / Shutterstock.com
Der Österreich-Pavillon unter dem Motto »Composing the Future«.

 

Erschienen in
Special ÖSTERREICH mit Osaka (D)

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Benjamin Herzog
Benjamin Herzog
Chefredaktion Schweiz
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