Sam J. Simmons, der Markenbotschafter von »The Balvenie« ist Experte seines Fachs.

Sam J. Simmons, der Markenbotschafter von »The Balvenie« ist Experte seines Fachs.
© John Paul

Wieviel Handwerk steck in »Craft«?

Der Versuch einer Definition mit dem Experten und »The Balvenie« Markenbotschafter Sam J. Simmons.

Je mehr Destillerien »handwerklich« oder – öfter in der hipperen englischen Fassung – »hand crafted« auf ihre Flaschen drucken, desto klarer wird es: Der Kaiser ist nackt! Denn was soll dieses Wort aussagen? Wer sich eine holzbefeuerte Kupferbrennblase im Alpen-Bauernhaus vorstellt, kennt entweder keine Brandschutz-Beauftragten oder hat noch nie einen Brenner besucht. Brenner-Romantik und ein gleichbleibendes Produkt schließen sich eher aus, wenn es um internationale Spirituosen wie Rum, Wodka, Whisky oder Gin geht. »Ein Fruchtbrenner, der die Jahrgänge verleugnet, ist auf dem Holzweg«, sagt dazu Hans Reisetbauer, einer der erfolgreichsten Austro-Destillateur. Doch wer will Jahresschwankungen in seinem Wodka-Orange?
Konsistenz lebt neben gutem Rohmaterial auch von sauberer Technik. Insofern greift auch der Versuch zu kurz, Größenangaben als Definition einer »handwerklichen Brennerei« festzumachen. Eine Weltmarke wie »The Balvenie«, die mit eigenen Küfern und Kupferschmieden arbeitet und ihr Whiskymalz selbst darrt, wird wohl »handcrafted« beanspruchen dürfen. Und die Regionalität? Also nur zu brennen, was rund um die Destillerie wächst? Dann sähe unser Spirituosenregal dürftig aus. Es sind meist Wachauer Früchte, die Tirols beste Marillenbrände ergeben, bei Rum und den für Gin unabdingbaren Zitrusfrüchten sieht es im Alpenraum ohnehin schlecht aus. Was bleibt also? Das, was im Zweifel immer die gültige Genuss-Währung darstellt: Kosten und für sich eine Auswahl treffen!

Erschienen in
Falstaff Nr. 02/2018

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Roland Graf
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