Pessac-Léognen zählt zu den ältesten Weinbauregionen des Bordelais, allerdings nicht unter diesem Namen. Denn diese heute knapp 1.800 Hektar große Region war einst Bestandteil der benachbarten Region Graves die direkt südlich am Stadtrand von Bordeaux begann. Bereits vor gut 2.000 Jahren legten hier die Römer die ersten Weinberge an, und der römische Dichter Columella schrieb begeistert über diese Weine in der Folgezeit. 1987 wurde dann der nördliche Teil der Region Graves, deren Namen einen Verweis auf den kieselhaltigen Boden liefert, in die eigenständige Region Pessac-Léognan umgewandelt, so dass nun diese Region direkt an die Wein-Metropole Bordeaux anschließt, und die Region Graves beginnt seitdem einige Kilometer weiter südlich. In Pessac-Léognan liegt mit Chateau Haut-Brion, gegründet im 17. Jahrhundert, das älteste Spitzen-Chateau von Bordeaux, dessen Weine bereits einen legendären Ruf genossen hatte lange bevor die Chateaus aus Margaux oder Pauillac zu Ruhm und Ehre gelangten. Kein Wunder also, dass Chateau Haut-Brion in der Klassifikation als einziges Chateau außerhalb des Haut-Médoc aufgenommen wurde und die höchste Stufe 1er Cru Classé erhielt. Heute hat die expandierende Stadt längst das Chateau erreicht und es mit Wohnhäusern umgeben. Allein der Ausnahmestellung der Weine hat dies nicht den geringsten Schaden zugefügt. Das Klima in Pessac-Léognan ist mild und feucht, von Wäldern umgeben und somit auch windgeschützt. Der Boden besteht aus Kieseln mit Sand- Lehm und auch Kalkanteilen. Dieses Terroir wird oft verglichen mit jenem aus dem Haut-Médoc, dennoch unterscheiden sich die Weine stilistisch nicht unerheblich. Wird den besten Weinen aus dem Norden von Bordeaux oft die größere Präzision bescheinigt, so werden die Weine aus Pessac-Léognan zumeist als teilweise charmant, finessenreicher und früher zugänglich beschrieben. Dessen ungeachtet weisen auch hier die besten ein enormes Reife- und Alterungspotential auf. Die Herkunft Pessac-Léognan gilt für Weiß- wie für Rotwein, denn etwa 1/6 der Rebfläche ist mit den Weißweinsorten Sauvignon Blanc und Sémillon bepflanzt, aus denen bemerkenswerte Weine entstehen bis hin zur absoluten Weltklasse. Die 1959 eingeführte Klassifikation gilt dabei manchmal ausschließlich für die Weiß- oder Rotweine eines Chateaus, manchmal aber auch für beide. Weiter im Süden hat Chateau Haut-Brion mit Chateau La Mission Haut-Brion einen echten Mitbewerber um die Krone der Region gefunden, weitere berühmte und sehr empfehlenswerte Chateaus sind Domaine de Chevalier, Chateau Fieuzal, Chateau Smith Haut-Lafitte oder auch Chateau Malartic-Lagravière. Westlich von Chateau Haut Brion liegt mit Chateau Pape-Clément ein weiteres gesichtsträchtiges Juwel der Region. Der Gründer, der Erzbischof von Bordeaux, der das Weingut ab dem Jahr 1300 aufbaute, ging nicht nur als späterer Papst Klemes V. in die Geschichtsbücher ein. Er beeinflusste auch die Weinbaugeschichte einer anderen bedeutenden Region Frankreichs – Chateauneuf-du-Pape.