Rosa Revolution: Die Sieger der Rosé Trophy Italien
Kein anderes Land besitzt eine so reiche Vielfalt an einheimischen Rebsorten wie Italien – und kaum ein Land nutzt diesen Schatz so leidenschaftlich für seine Rosé-Weine. Vom Gardasee bis zum Stiefelabsatz entfaltet sich eine faszinierende Welt in Rosa.
Rosé liegt im Trend – doch was sich in Italien in den letzten Jahren vollzogen hat, geht weit über einen modischen Hype hinaus. Der Rosato, wie der Italiener seinen Roséwein nennt, hat eine eigene Identität gewonnen. Er ist nicht länger der kleine Bruder des Roten oder der gehaltvolle Vetter des Weißweins, sondern ein eigenständiger Ausdruck des jeweiligen Terroirs, der jeweiligen Rebsorte, des jeweiligen Winzers. Wer heute in einer Enoteca nach einem Rosato fragt, bekommt kein Achselzucken mehr, sondern eine Auswahl, die einen vor Freude erstarren lassen kann.
Eine Geschichte, die 1943 begann
Die Geburtsstunde des modernen italienischen Rosato schlug im Kriegsjahr 1943, in Apulien, im Salento – dem flachen Stiefelabsatz der Apenninenhalbinsel. Die Familie Leone de Castris brachte damals ihren »Five Roses« auf den Markt, einen Roséwein aus 90 Prozent Negroamaro und zehn Prozent Malvasia Nera. Der Name – eine Hommage an die amerikanischen Soldaten, die das Weingut in Besitz genommen hatten und den rosafarbenen Wein mit Begeisterung tranken – wurde zur Legende.
Doch die Tradition des rosafarbenen Weins in Italien reicht noch weiter zurück. Am Gardasee wird seit dem späten 19. Jahrhundert Chiaretto produziert – zart und blass, wie der Name es verspricht (chiaro = »hell« oder »klar«). Dass die Winzer:innen um Bardolino schon vor mehr als hundert Jahren auf zartrosa Weine setzten, sagt viel über das Gespür dieser Region für das Besondere aus. Eine lange zurückreichende Rosè-Tradition besteht ebenso am südwestlichen Seeufer, im Valtenesi.
Von Nord nach Süd: Italiens Rosato-Landkarte
Am Gardasee entstehen zwei eigenständige Interpretationen. Auf der venezianischen Seite entsteht der Chiaretto di Bardolino aus Corvina, Rondinella und Molinara – blass wie Lachs, floral, mit salziger Mineralität. Auf der lombardischen Seite prägt die einheimische Groppello-Traube den Valtenesi Chiaretto: das Bukett zeigt Rosenblätter, Pfirsich, Walderdbeere, feine Würze. Weiter nördlich in Südtirol heißt der Rosato Kretzer, stammt aus Lagrein und beeindruckt trotz kurzer Maischestandzeit mit erstaunlicher Tiefe und Komplexität.
In den Abruzzen, ist der Cerasuolo d‘Abruzzo der einzige DOC Italiens, der ausschließlich Roséweine umfasst. Aus Montepulciano-Trauben erzeugt, ist er tief pink bis magenta, mit Aromen von Kirsche, Rhabarber und Preiselbeere – kühn, saftig, von den kühlen Apenninnächten mit Frische gesegnet. In der Toskana hat sich der Rosato erst im letzten Jahrzehnt zu einem bedeutenden Segment entwickelt, aber was die Winzer:innen dort zustande bringen, ist beeindruckend. Sangiovese ist naturgemäß die dominante Basis, oft ergänzt durch Syrah oder andere internationale Sorten. Die toskanischen Rosati bewegen sich stilistisch zwischen der Leichtigkeit der Provence und der mediterranen Wärme des Südens – elegante Weine mit Tiefgang, die den Vergleich mit den besten Rosés der Welt nicht scheuen müssen.
Rosa Süden
Keine Region produziert mehr Rosato als Apulien. Im Salento verwandelt sich die Negroamaro-Traube – sonst tief, intensiv, mit feiner Bitterkeit – zu einem strahlenden Pfingstrosenrosa: blumig, strukturiert, ausdrucksstark. Nördlicher, bei Castel del Monte, hat die Bombino Nero-Traube als Rosé sogar eine eigene DOCG-Ursprungsbezeichnung erhalten. Diese Auszeichnung – es gibt in ganz Italien nur zwei DOCGs ausschließlich für Roséweine – unterstreicht die außergewöhnliche Qualität dieser frischen, delikaten Weine aus der apulischen Hügellandschaft. Auch auf der anderen Seite des Stiefel, in Kalabrien, hat der Rosé tiefe Wurzeln. Der Cirò Rosato, erzeugt aus der autochthonen Gaglioppo-Traube, blickt auf eine jahrzehntelange Geschichte zurück. Seine intensive Farbe und sein markantes Aroma nach Kirschen und Granatapfel machen ihn zu einem unverwechselbaren Vertreter des süditalienischen Rosato-Stils.
Perlen in Rosa
Auch unter den Schaumweinen hat das Rosa Einzug gehalten. Franciacorta produziert jährlich 19 bis 20 Millionen Flaschen, darunter begehrte Rosé-Editionen nach der klassischen Methode. Trentodoc setzt auf Rosé als Wachstumssegment. Und Prosecco Rosé DOC, das jüngste Mitglied der Familie, ist längst ein Bestseller – gut 60 Millionen Flaschen werden jährlich gefüllt.
Italiens Rosato ist erwachsen geworden. Er ist vielgestaltig, unverwechselbar, tief in der Erde verwurzelt. In Rot wie in Weiß ist Italien schon lange Weltklasse – in Rosa ist es auf dem besten Weg dahin.
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