Friedemann Findeis und Klaus Rader © Florian Deventer
25 Jahre »L’Osteria«: Herausforderungen, Meilensteine und die Zukunft des Franchise-Modells
Ein Interview mit den Gründern Friedemann Findeis und Klaus Rader.
von Alexandra Gorsche
08. Oktober 2024
Im exklusiven Interview blicken die Gründer von »L’Osteria«, Friedemann Findeis und Klaus Rader, auf 25 Jahre Erfolgsgeschichte zurück. Sie sprechen über die größten Herausforderungen, internationale Expansion, innovative Strategien und ihre Vision für die Zukunft des beliebten Franchise-Konzepts. Erfahren Sie, was hinter dem Erfolg der Marke steckt und welche Pläne die Gründer für die nächsten 25 Jahre haben.
PROFI: Was waren die größten Herausforderungen und Meilensteine in den ersten Jahren nach der Eröffnung der ersten »L’Osteria« in Nürnberg im Jahr 1999?
Friedemann Findeis: In 25 Jahren Unternehmensgeschichte konnten wir viele Meilensteine feiern und haben gemeinsam mit der gesamten Famiglia auch viele Herausforderungen gemeistert, wie zuletzt die Corona-Pandemie oder der Ukraine-Konflikt und die damit verbundenen Auswirkungen. Ein erster großer Meilenstein war 2001 die Eröffnung der zweiten »L’Osteria« in Rosenheim. Nur acht Jahre später durften wir Matthias Seliger als unseren ersten Franchisepartner mit an Bord begrüßen. Ebenfalls 2009 haben wir unseren ersten Freestander eröffnet: ein freistehendes Restaurant, welches genauso geplant und gebaut wurde, damit es all unseren Bedürfnissen entspricht. Seit 2015 produzieren wir unsere Pasta in unserer Manufaktur »Pastificio No. 12« selbst und seit 2019 rösten wir zudem unseren eigenen Kaffee in unserer Rösterei »Bar Italiana«.
Klaus Rader: Ein besonderes Highlight war sicher auch die erste »L’Osteria« im Ausland. Seit 2011 ist »L’Osteria« durch unsere Franchisepartnerin Maria Klara Heinritzi auch in Österreich vertreten. Seitdem kamen über die Jahre mit der Schweiz, UK, Tschechien, Niederlande, Frankreich, Luxemburg und Polen sieben weitere Ländermärkte hinzu. 2023 ist dann unser Investor »McWin« mit eingestiegen und treibt seither die Expansion und Weiterentwicklung unserer Marke gemeinsam mit uns und der gesamten Famiglia voran. Für uns war es wichtig, dass »L’Osteria« anfangs langsam wächst, aber dafür nachhaltig. Dadurch konnten wir ein festes und krisensicheres Fundament schaffen, auf das wir nun unsere weitere Expansion – gerade auch international – aufbauen können.
Welche Kriterien legen Sie bei der Auswahl Ihrer Franchisenehmer an, und wie unterstützen Sie diese im täglichen Betrieb?
Klaus Rader: Bei der Auswahl unserer Franchisenehmer achten wir auf verschiedene Kriterien. Grundsätzlich kann bei uns sowohl als eine einzelne Person oder als auch ein Multi-Lizenz-Nehmer Franchisenehmer werden. Wichtig ist uns hier, dass die Person bzw. das Unternehmen zu unserer Marke passt, mit Herz und Seele dabei ist, für die Gastronomie und das Gastgeben brennt und vor allem sich mit unseren Werten identifizieren kann. Außerdem sind eine gewissen finanzielle Sicherheit sowie eine grundsätzlich unternehmerische Denkweise essenziell. Um in der Gastronomie aber auch langfristig erfolgreich zu sein, muss man zudem eine gute Sozialkompetenz mitbringen, denn Restaurant-Business ist People-Business. Für unsere ambitionierten Expansionspläne benötigen wir starke Partner, denn wir möchten auch in Zukunft sowohl über eigene Betriebe als auch Joint-Venture- und Franchise-Betriebe wachsen.
Friedemann Findeis: Essenzielle Bestandteile der »L‘Osteria«-Unternehmenskultur sind Teamwork und ein kooperatives sowie achtsames Miteinander. Diese Werte werden auch in der Zusammenarbeit mit den Franchisepartnern gelebt. Es herrscht ein offener, transparenter Austausch sowie ein zuweilen sogar freundschaftliches, familiäres Verhältnis zwischen dem Franchisegeber und den Franchisenehmern. Dabei profitieren unsere Partner von einer starken Marke, einem erprobten und erfolgreichen Konzept sowie fachkundiger Unterstützungen aus unserem Service-Center zu den Bereichen Immobiliensuche, Bau, Training und Marketing. Hinzu kommen unsere langjährigen guten Beziehungen zu Lieferanten und Dienstleistern sowie unser zentraler Einkauf, welche auch für unsere Franchisepartner besonders attraktive Konditionen ermöglichen.
Wie hat sich Ihre Vision für »L’Osteria« im Laufe der Jahre verändert, und was sind Ihre langfristigen Ziele für die nächsten 25 Jahre?
Friedemann Findeis: Die größte Entwicklung ist wohl das Wachstum. Früher kannte ich fast alle unserer Mitarbeitenden. Heute arbeiten bei »L’Osteria« über 8.000 Menschen aus rund 120 Nationen – Tendenz steigend. Was sich allerdings nicht geändert hat, ist das »La Famiglia«-Gefühl, das wir nach wie vor tagtäglich gemeinsam leben. Früher bin ich außerdem auch mal spontan nach Italien gefahren, um frische Zutaten für unsere Restaurants einzukaufen. Bei mittlerweile über 180 Restaurants in neun Ländern ist das so nicht mehr möglich. Für unseren Einkauf haben wir mittlerweile einen zentralen Logistik-Partner, welcher alle »L’Osterien« beliefert. Ein Drittel der Zutat kommt dabei nach wie vor direkt aus Italien. Wenn möglich, produzieren wir unsere eignen Produkte, wie zum Beispiel unsere Pasta, die in unserer Pastamanufaktur »Pastificio No. 12« hergestellt wird, oder unseren Kaffee, der in der »Bar Italiana«, der »L’Osteria« eigenen Kaffeerösterei, für uns geröstet wird.

Klaus Rader: Neben dem Einkauf wurden auch weitere Prozesse standardisiert und vor allem digitalisiert. Wichtig ist uns hierbei, dass wir unsere Mitarbeitenden den Alltag erleichtern, unseren Gästen aber weiterhin einen gewohnt herzlichen und gastfreundlichen Service bieten. So können wir auch nach 25 Jahren sicherstellen, dass unsere Gäste sich an all unseren Standorten auf unser gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, eine angenehme Restaurantatmosphäre und natürlich jede Menge Pizza, Pasta & Passione freuen können.
Welche Rolle spielt Innovation in Ihrem Unternehmen, und wie bleiben Sie in einer sich ständig verändernden Branche wettbewerbsfähig?
Friedemann Findeis: Aus Produktsicht stehen Klassiker wie Spaghetti Pomodoro e Basilico, Spaghetti Carbonara oder Pizza Margherita und Pizza Salami weiterhin hoch im Kurs. Natürlich merken auch wir, dass beispielsweise das Thema vegetarisches und veganes Essen immer wichtiger wird und Menschen sich mehr Gedanken zur Herkunft ihrer Lebensmittel machen. Hierauf reagieren wir auch, jedoch immer unter der Prämisse, dass neue Produkte oder Gerichte zu unserer DNA passen müssen – wir machen nicht jeden Trend um jeden Preis mit. 2022 haben wir beispielsweise unseren Pizzateig auf eine vegane Rezeptur umgestellt und einen veganen Pizzaschmelz eingeführt. Bei unserem Menu della Casa versuchen wir verstärkt auf regionale und saisonale Zutaten zu achten, um auch dem Trend der »Regionalität« nachzukommen.
Klaus Rader: Wir haben schon sehr früh gemerkt, dass unser Konzept des netten Italieners von nebenan, der qualitativ hochwertige Speisen in einem exklusiven Ambiente zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis anbietet, bei unseren Gästen sehr gut ankommt. Im Gegensatz zu anderen Systemgastronomien sind wir anfangs eher langsam, dafür sehr gesund gewachsen. Wir hatten am Anfang bereits ein top eingespieltes Team, welches später auf die neuen Restaurants aufgeteilt wurde und so unseren Grundgedanken und Werte weitertragen konnte. Dieses stabile Fundament ist einer der Schlüssel unseres Erfolges.
Was ist Ihrer Meinung nach das Geheimnis des Erfolgs von »L’Osteria«, insbesondere in Bezug auf das Kundenerlebnis?
Friedemann Findeis: Zum einen sicherlich die hohe Qualität unserer Produkte sowie das sehr attraktive Preis-Leistungs-Verhältnis. Zum anderen haben wir von Anfang an in unseren Restaurants bewusst nicht auf Gleichheit, sondern auf Wiedererkennungswert gesetzt. Jede »L’Osteria« wird mit viel Liebe zum Detail individuell und angepasst an den jeweiligen Standort eingerichtet. Dabei verwenden wir hochwertige Materialien und Möbelstücke, die in Kombination mit unserem gut durchdachten Beleuchtungssystem eine einzigartige Wohlfühlatmosphäre erzeugen. Ein weiterer essenzieller Standpfeiler unseres Erfolgs ist unsere Famiglia. Mit ihrem herzlichen Service und viel Leidenschaft sorgen unsere Mitarbeiter dafür, dass jeder Gast sein ganz persönliches »L’Osteria«-Erlebnis genießen kann.
Welche Maßnahmen und Prozesse haben Sie implementiert, um die Qualität und Konsistenz in all Ihren Filialen sicherzustellen?
Friedemann Findeis: Um die Qualität unserer Produkte in allen Restaurants in mittlerweile neun Ländern zu gewährleisten, haben wir viele Abläufe standardisiert. Unsere Mitarbeitenden können außerdem auf unsere Online-Lernplattform zugreifen, die all unsere Rezepturen, Handbücher und diverse Tutorials beinhaltet. Zudem bieten wir regelmäßige Trainings an und prüfen unsere Restaurants durch interne sowie externe Auditoren. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Qualitätssicherung ist der bereits erwähnte zentrale Einkauf sowie unsere langjährigen Partnerschaften mit Lieferanten und Produzenten. Auch die eigene Produktion unserer Pasta und unseres Kaffees zahlen auf ein stabiles Qualitätsniveau ein.
Welche Strategien verfolgen Sie in Bezug auf Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung in Ihrem Unternehmen?
Klaus Rader: Nachhaltigkeit definieren wir bei »L’Osteria« auf zwei Arten: In Bezug auf Umwelt und in Bezug auf soziale Verantwortung. Seit vielen Jahren unterstützen wir daher den zu 100 Prozent durch Spenden finanzierte Verein »kinderherzen«, der herzkranke Kinder und ihre Familien weltweit unterstützt und die Forschung im Bereich Herzerkrankungen kontinuierlich vorantreibt. Bei der Entwicklung unserer neuen Restaurants, besonders den Freestandern, arbeiten wir unter anderem daran, möglichst viele KfW-Standards zu erfüllen. Zusätzlich lassen wir bei unseren Neubauten Photovoltaikanlagen anbringen, um einen Teil des benötigten Energiebedarfs selbst zu erzeugen. Welche Maßnahmen wir in Gänze im Bereich der Nachhaltigkeit bereits umsetzen sowie was zukünftig geplant ist, haben wir dieses Jahr in unserem ersten Nachhaltigkeitsbericht festgehalten.

Welche aktuellen Trends in der Gastronomiebranche beobachten Sie, und wie reagieren Sie darauf?
Friedemann Findeis: Die Gastronomiebranche ist geprägt von schnelllebigen Trends und sich ständig anpassenden Gästewünschen bzw. -bedürfnissen. Natürlich beobachten wir diese Entwicklungen stets ganz genau. Nichtsdestotrotz machen wir, wie bereits gesagt, nicht jeden Trend um jeden Preis mit. Wir wägen sehr stark ab, was zu unserer Marke passt und was nicht. Besonders im Bezug auf Speisen haben wir unser Angebot in den vergangenen 25 Jahren selbstredend stetig weiterentwickelt und immer wieder auch neue Kreationen über unser Monatsmenu getestet und später vielleicht sogar in unsere Standardspeisekarte mit aufgenommen. Glücklicherweise erfreuen sich Pizza und Pasta seit Jahrzehnten großer Beliebtheit auf der ganzen Welt sowie in jeder Altersgruppe und sind somit quasi immer im Trend.
Wie hat die Digitalisierung Ihr Geschäftsmodell beeinflusst, und welche digitalen Lösungen setzen Sie ein, um Prozesse zu optimieren und das Kundenerlebnis zu verbessern?
Klaus Rader: Wir versuchen uns stets weiterzuentwickeln, um den Alltag unserer Mitarbeitenden zu erleichtern und das Gästeerlebnis zu optimieren. Ein wichtiger Leitsatz für uns für die Einführung neuer Technologien ist »No technology for technology‘s sake«. Deshalb haben wir das »L’Osteria«-Digital-ECO-System entwickelt, welches es uns ermöglicht, die Digitalisierung als Gesamtkonzept wahrzunehmen und damit die Einführung von Insellösungen zu vermeiden. Im Restaurant setzen wir beispielsweise auf ein intelligentes Reservierungssystem, dass mittels KI die Tischverteilung im Restaurant fortlaufend aktualisiert und optimiert. Außerdem haben wir auf ein neues Kassensystem umgestellt, welches Laufwege im Restaurant für unsere Servicekräfte verkürzt und den Tagesabschluss deutlich erleichtert. Im August 2023 haben wir zudem unsere »L’Osteria Amici Club«-App gelauncht. Damit können unsere Gäste nicht nur reservieren und bestellen, sondern werden auch stetig über unsere neuesten Aktionen und Angebote informiert. Zudem können die User mit der App bei jedem Restaurantbesuch »Amore Herzen« sammeln und diese später für attraktive Prämien einlösen.
Friedemann Findeis: Grundsätzlich legen wir besonders viel Wert darauf, auch bei aller Digitalisierung und Systematisierung im Backend, so wenig wie möglich am klassischen Gästeerlebnis in unseren Restaurants zu ändern. Denn bei uns wird Gastfreundlichkeit und herzlicher Service nach wie vor großgeschrieben!
Welchen Rat würden Sie angehenden Gastronomen geben?
Klaus Rader: Geduld und dranbleiben. Um ein erfolgreiches System aufzubauen, muss man lernen den richtigen Menschen zu vertrauen und auch zu delegieren an Menschen, die in ihren Bereichen besser sind. Außerdem muss man die »growing pains«, also die unternehmerischen Wachstumsschmerzen, aushalten können.
Friedemann Findeis: Und den Menschen nie aus den Augen verlieren – das gilt sowohl für den Gast als auch für die Mitarbeitenden. Den Gast interessiert nicht, wie viel Profit wir machen, sondern nur die Qualität der Speisen und das Erlebnis. Den Mitarbeitenden muss man als gutes Vorbild vorweggehen, ein offenes Ohr für ihre Bedürfnisse haben und sie stetig motivieren. Unabdingbar ist auch ein gewisser Zusammenhalt im Team, denn die Herausforderungen im gastronomischen Alltag lassen sich nur gemeinsam lösen.

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