Fortbildung verfängt: Die Mitarbeiter gewinnen Fachwissen, gleichzeitig steigt die Motivation.
© Hotel Jungbrunn
Lernen für den Betrieb – und fürs Leben: Wie Fortbildung Mitarbeiter bindet
Der Kampf um die Talente in der Gastronomie ist härter denn je. Er wird mit Unterkünften, Freizeitangeboten und »Soft Benefits« ausgetragen – und mit vielfältigen Möglichkeiten zur Weiterbildung und persönlichen Entwicklung. Eine nachhaltige Investition
von redaktion
09. Oktober 2025
Text von Isabella Kitzwögerer
Neben den vielen Mitarbeiter-Benefits von Bio-Essen bis Pool wird ein Aspekt gerne vergessen: die Fortbildung. Auch wenn Unternehmer in allen Branchen befürchten müssen, ihre Mitarbeiter nur für den nächsten Karriere-Schritt anderswo fit zu machen: Der Fachkräftemangel und gestiegene Gäste-Bedürfnisse haben den Weiterbildungsdruck deutlich erhöht. Wer seine Talente zumindest für die nächste Saison behalten will, muss auch Perspektiven bieten. Lernen kann da durchaus dabei sein. Viele Häuser setzen daher inzwischen auf hausinterne Akademien mit strukturierten Fortbildungsprogrammen für ganze Abteilungen oder Teams. Andere fördern gezielt individuelle Weiterbildungen. Denn das Verlassen auf einen Wissensträger, den Maître alter Schule etwa, ist ein gefährliches Spiel. Fällt dieser aus, vermissen Gäste ihr Anspruchsniveau.
Bildung kann auch binden
Ein europäisches Vorbild für das »institutionalisierte Inhouse-Lernen« wäre etwa das »Europa-Park Resort« in Rust. Der gigantische Freizeit- und Hotelpark in Baden-Württemberg bietet seinen 5.550 Mitarbeitern eine eigene Akademie. Die insgesamt 470 Fortbildungsprogramme (!) reichen vom eher allgemeinen »Onboarding« (= die Einarbeitung und Integration im Unternehmen) bis zu hochspezifischen Führungstrainings. Wenn Mitarbeitende das Gefühl haben, sich in der aktuellen Rolle nicht mehr verwirklichen zu können, bietet das Unternehmen zudem zahlreiche Möglichkeiten, sich unternehmensintern zu verändern und zwischen den Abteilungen zu wechseln. Diese sinnvolle Maßnahme hat zwei Vorteile zu bieten: Bereits betriebsnahes Fachpersonal wird gehalten, aber auch interne Karrierewege langfristig ermöglicht.
Den Weg einer internen Akademie beschreitet auch das bereits erwähnte »Hotel Jungbrunn«. Ganzjährig werden Trainings angeboten. Die Themen wie generationsübergreifendes Arbeiten oder Feedback-Kultur sind dabei in hohem Maße praxisrelevant. Die Zertifikate erhalten die Teilnehmer von externen Bewertungsfirmen. Damit wird die Aufnahme der neuen Qualifikationen in den Lebenslauf der Mitarbeitenden sichergestellt. Statt einer »Schulung light« gibt es so belastbares Wissen und anerkannte Zeugnisse. Auch die Lehre mit Matura wird im Tannheimer Tal gezielt gefördert, um jungen Mitarbeitenden früh Perspektiven für die Zukunft zu eröffnen.

»Geistige« Team-Bindung
Doch es muss nicht die »Hotel-Volkshochschule« in Form einer Akademie sein. Das Tiroler »Zugspitz Resort« (Ehrwald) legt den Fokus lieber auf die einzelnen Mitarbeiter. »Individuell vorgeschlagene, berufsnahe Schulungen fördern nicht nur Fachwissen, sondern berücksichtigen auch die persönlichen Interessen der Mitarbeiter. So entstehen maximale Motivation und eine starke Bindung ans Unternehmen«, lautet die Erfahrung von Hoteldirektor Philipp Brückner. Das können IT-Schulungen für die Rezeption sein, neue Behandlungsformen für das Spa-Team oder Leadership-Trainings für Führungskräfte. Selbst Erste-Hilfe-Kurse werden je nach Bedarf organisiert und vollständig finanziert – so steigt auch die Sicherheit des Auftretens im Job.
Denn nicht nur die körperliche Fitness zählt. Neben dem fachlichen Know-how fokussiert sich das »Hotel Post« in Ischgl verstärkt auch auf das mentale Training der Belegschaft – sei es zu Themen wie Selbstbewusstsein, innere Balance oder Schlagfertigkeit. Mit externen Coaches werden hier Grundlagen vermittelt, die einen nicht nur während der geschäftigen Hochsaison, sondern auch das gesamte Leben über einen kühlen Kopf bewahren lassen.
Man profitiert gemeinsam
»Wir wollen nicht nur Arbeitsplätze bieten, sondern Zukunftsperspektiven«, lautet auch im »Puradies« in Leogang die Devise. »Die Erfahrung zeigt uns: Wer seinen Weg sieht, geht ihn mit Begeisterung und bleibt länger Teil unserer Familie«, ist Michael Madreiter als Eigentümer des 4* Superior-Resorts überzeugt. Das Haus überzeugt neben seiner Transparenz hinsichtlich gemeinsamer Pläne für die Zukunft, nicht zuletzt durch seine Großzügigkeit: Hier werden sogar fachfremde Ausbildungen bis zu 100 % gefördert, wenn Mitarbeitende den Wunsch äußern, sich persönlich und beruflich weiterzubilden. Zusätzlich bieten die Abteilungsleiter regelmäßig interne Schulungen an, um Fachwissen im Haus zu verbreiten.
Eines sollte man beim natürlichen Hierarchie-Gefälle zwischen Arbeitgeber und Angestellten nicht vergessen: Aus- und Weiterbildungen sind für beide Parteien eine nachhaltige Investition. Denn fachkundiges Personal berät anders und erzielt Mehrverkäufe – Wissen macht sich also schnell bezahlt. Konkret nutzen daher Hoteliers die Fortbildungen der Team-Mitglieder auch als Anreiz für Gehaltssprünge. Im »Hotel Alpenrose« in Maurach etwa verbindet man Lehrreiches für die Mitarbeiter so mit dem Vorteil, als Arbeitgeber ein hochqualifiziertes Team für den Gästekontakt aufzustellen. Beliebt sind auch hausinterne Deutsch-Kurse, mit denen etwa das »Hotel Hochschober« am Turracher See in Kärnten internationale Mitarbeitende langfristig integriert.
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