100 Jahre DOCa Rioja: »Wenn etwas funktioniert, warum sollte man es ändern?«
María José López de Heredia führt das fast 150 Jahre alte Weingut Viña Tondonia in der berühmten Weinregion Rioja – und das bereits in vierter Generation. Im Interview erzählt sie, was das DOCa-Jubiläum für sie bedeutet, warum die Rioja sich stets verändert hat – und weshalb sie dennoch an alten Methoden festhält.
Die Rioja im Nordwesten der iberischen Halbinsel ist Spaniens berühmteste und renommierteste Weinbauregion. Hier entstehen die langlebigsten und elegantesten Weine des Landes. 2025 feiert die DOCa Rioja ein besonders Jubiläum. Seit einem Jahrhundert trägt die Region diese geschützte Herkunftsbezeichnung: Denominación de Origen Calificada – kurz DOCa. Im Tal des Ebro produzieren rund 14.000 Winzer auf 66.797 Hektar Rebfläche in 600 Weingütern unter diesem Label Weine von besonderer Qualität.
Falstaff: María José López de Heredia, als Winzerin des legendären Weinguts Viña Tondonia – was bedeutet das DOCa-Jubiläum für Sie persönlich und für Ihr Haus?
Maria José López de Heredia: Wenn man bedenkt, dass wir im 148. Jahr unseres Bestehens sind, tragen wir auch einen Teil der Verantwortung für diese 100 Jahre mit. Drei Generationen unserer Familie waren im Laufe der Geschichte im »Consejo regulador« (A.d.R.: Das Consejo Regulador ist das Kontroll- und Regulierungsorgan einer Weinregion. Es sorgt dafür, dass die Weine der Herkunftsbezeichnung den festgelegten Qualitäts- und Produktionsstandards entsprechen.) sehr aktiv: unser Urgroßvater, Großvater und Vater. Wir sind stolz auf das, was wir alle erreicht haben. Und gleichzeitig kämpfen wir weiter dafür, uns und damit auch die Appellation zu verbessern.
Was hat sich in der Rioja in den letzten 100 Jahren aus Ihrer Sicht verändert?
Natürlich haben sich viele Dinge geändert, aber viele andere nicht. Ich erinnere mich daran, dass schon unser Großvater, der im September 1985 im Alter von fast 96 Jahren starb, meinte, dass seine Weine anders seien als unsere. Als ich Weinbau studierte, waren wir alle über den Säureverlust in der Rioja besorgt und nicht so sehr über das sich ändernde Klima wie heute. Aber an der Tatsache, dass die Rioja eine Weinregion ist, in der einige der besten und feinsten Weine der Welt produziert werden können, hat sich überhaupt nichts geändert. Der Wille, für diese besondere Qualität zu kämpfen, ist immer noch da.
Wenn Sie einen Blick in die Kristallkugel werfen würden: Was wird sich in der DOCa Rioja in den nächsten 100 Jahren ändern – in Bezug auf Rebsorten, Regionen, Weinstile?
Die Rioja hat sich bereits auf Weine ohne Alkohol und viele andere Stile eingestellt, denen wir uns in unserer Bodega allerdings nicht anschließen. Ökologischer und nachhaltiger Weinbau liegt im Trend. Fakt aber ist: Die Rioja produziert ja schon seit mehr als 100 Jahren so. Und wenn wir auf die Aufzeichnungen aus der Vergangenheit schauen, sehen wir, dass es einige der kommerziellen Probleme, die Rioja derzeit hat (Zölle, Durchschnittspreise...), schon vor 80 Jahren gab. Natürlich werden sich Technologie und Wissenschaft weiterentwickeln und das Klima wird sich weiter verändern. Aber wir werden uns daran anpassen.
Sie arbeiten bei Heredia – Viña Tondonia immer noch mehr oder weniger so wie Ende des 19. Jahrhunderts. Was sind Ihre konkreten Pläne für die Zukunft?
Im Grunde folgen wir der Maxime: Wenn es funktioniert, warum sollte man es ändern? Das heißt aber nicht, dass wir uns nicht an das 21. Jahrhundert anpassen. Wir verwenden zum Beispiel Klone unserer alten Reben – und zwar nicht nur Tempranillo-Klone. Die Trauben widerstehen gut dem Klimawandel, weil sie trotz höherer Temperaturen einen moderaten Zucker- und einen ausreichenden Säuregehalt aufweisen.