Wie der Klimawandel den Weinbau ins Bergland zurückbringt
Seit der Kleinen Eiszeit zu Ende des 16. Jahrhunderts war der Weinbau in Teilen Österreichs verschwunden. Aufgrund des Klimawandels kehren nun die Reben wieder nach Kärnten, Oberrösterreich, Salzburg, Tirol und Vorarlberg zurück.
Die fünf heimischen Bundesländer, die heute unter dem Herkunftsbegriff Bergland zusammengefasst werden – also Kärnten, Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Vorarlberg – konnten sich in früheren Zeiten einer respektablen Weinbaukultur rühmen. Bis ins 16. Jahrhundert dauerte diese Hochblüte, in der die Reben von den Höhen des Semmerings bis zum Salzburger Mönchsberg bestens gediehen.
Die Abkühlung in der sogenannten Kleinen Eiszeit setzte dieser Periode ein jähes Ende, das preiswerte Bier verdrängte vielerorts den Rebensaft. In manchen Bundesländern wie Kärnten verschwand die Weinkultur schließlich im 19. Jahrhundert vollständig, der Import von billigen Weinen aus dem Süden war einer der Gründe. Aufgrund des Klimawandels haben sich die Voraussetzungen in den Berglandregionen heute aber wieder deutlich verändert.
Kärntner Weinwunder
Von allen »neuen« Weinbauländern Österreichs ist Kärnten das wohl dynamischste. Das Bundesland blickt auf eine tausendjährige Weinbaugeschichte zurück, doch die bereits unter Kaiser Joseph II. angeordnete Säkularisierung der Kirchengüter leitete den Abschwung im Weinbau ein. Ende des 19. Jahrhunderts fügte das Auftreten des Mehltaus und der Reblaus den Kärntner Rieden großen Schaden zu, in der Zwischenkriegszeit kam die Weinkultur zu einem vorläufigen Ende.
Den Neuanfang machte im Jahr 1972 Herbert Gartner, der als Klosterneuburg - Absolvent im Lavanttal am St. Andräer Burgstall wieder Reben pflanzte, mit dem Ziel den Kärntner Weinbau zu reanimieren. Rund 30 Jahre später wurde der Weinbauverband Kärnten gegründet, zahlreiche ambitionierte Winzer haben sich den Pionier zum Vorbild genommen. Die Marke »Wein aus Kärnten« wurde unter Obmann Hort Wild geprägt, mit dem Slogan »do woxt wos« wird für den Wein aus Kärnten erfolgreich geworben.
Zu einem Kristallisationspunkt ist das Weingut Taggenbrunn in der Nähe von St. Veit geworden, das Projekt der Familie Riedl sucht auch österreichweit seinesgleichen und ist das flächenmäßig größte Weingut des Bundeslands. Es verfügt über Vinothek, Restaurant und Hotel, veranstaltet Kulturevents und ist ein Anziehungspunkt, nicht nur für Weininteressierte.
Heute werden in Kärnten längst wieder mehr als 100.000 Flaschen jährlich erzeugt, und eine wachsende Zahl von Winzern werkt in Rebbergen in den Regionen Feldkirchen-Ossiacher See, Klagenfurt-Wörthersee, Lavanttal, St. Veit an der Glan, Sittersdorf und im Trixnertal.
Das andere Tirol
Während der Weinbau im italienischen Südtirol große Bedeutung hat, hat der Weinbauverband Nordtirol heute nur noch knapp zwei Dutzend Mitglieder, die rund 16 Hektar Rebfläche bewirtschaften. Auch der seit dem 14. Jahrhundert bekannte Weingarten von Zirl liegt derzeit brach. Und doch gibt es auch vom Nordtiroler Weinbau wieder neue Lebenszeichen. Die bekanntesten aktiven Betriebe findet man in Haiming und Tarrenz. Vorherrschend sind dabei Burgundersorten, speziell Chardonnay und Blauer Burgunder.
Mit der Tiroler Weinprämierung holt der Tiroler Weinbauverband alljährlich Spitzenleistungen der Region vor den Vorhang. Diese Landessieger 2024 sind in der Kategorie Weißwein das Weingut Flür aus Tarrenz mit seinem Casanova Grande (Solaris) 2022, bei den Rotweinen war zum dritten Mal der Weinhof Tangl aus Tarrenz mit dem Kaiser Max (Pinot Noir) 2022 siegreich, und in der Kategorie Perl- und Schaumweine holte sich das Weingut Romasi mit dem Solizzante (Solaris) 2023 den Sieg.
Salzburger Tropfen
Die ersten Salzburger Weingärten neuerer Zeit wurden 2001 in Großgmain am Untersberg gepflanzt. Auf dem Mönchsberg wächst seit 2008 der Paris Lodron Zwinger, ein Frühroter Veltliner, der aus diesem Weingarten etwa 500 Flaschen erbringt, die um stolze 40 Euro verkauft werden. Sehr zur Freude der Salzburger Pfadfinder, die den Erlös bekommen. Auch das Benediktinerstift Michaelbeuern hat ein Projekt gestartet, das einmal 4000 Stöcke umfassen soll. Österreich Wein beziffert die aktuelle Salzburger Rebfläche mit 0,19 Hektar.
Weinbau ob der Enns
Heute ist es kaum vorstellbar, aber einst hatten Oberösterreichs Weingärten eine größere Rebfläche als jene von Niederösterreich. Eine Vielzahl von Orts-, Haus- und Flurnamen im ganzen Bundesland zeugen davon, dass der Weinbau in Oberösterreich einst ein relevanter wirtschaftlicher Faktor war. Nach dem Niedergang im 19. Jahrhundert kommt es im Land ob der Enns nun wieder zu einer kleinen Renaissance.
Vor rund 30 Jahren machten sich einige Pioniere daran, in Oberösterreich neue Weingärten anzulegen. Im Jahr 2004 wurde der Oberösterreichische Landesweinbauverband unter der Präsidentschaft von Karl Eugen Velechovsky gegründet. Heute werden bereits wieder rund 100 Hektar auf sonnigen Standorten des Donautales, des Machlandes, des Linzer Gaumberges, am Rande des Eferdinger Beckens, im oberösterreichischen Zentralraum, im hügeligen Innviertel, in luftigen Lagen des Mühlviertels, und sogar im Süden des Salzkammerguts bewirtschaftet. Knapp 40 Winzer stellen sich in der Region der Herausforderung des professionellen Weinanbaus. Der Sortenfokus liegt dabei auf Grünem Veltliner und Chardonnay sowie Zweigelt und Roesler.
Die Verbreitung der Rebkulturen umfasst das ganze Bundesland mit einer Konzentration entlang der Donau und im Zentralraum zwischen Linz, Wels und Steyr. Bei der »Best of OÖ« werden jährlich in elf Kategorien die Landessieger ermittelt. Im Jahr 2024 konnte das Weingut Armin Kienesberger aus Schlüßlberg gleich in drei Gruppen gewinnen.
Hinter dem Arlberg
In Vorarlberg gab es einmal 500 Hektar Reben, diese befanden sich vor allem im Walgau und im Rheintal. Durch die Reblauskrise und die Konkurrenz des Südtiroler Weins in der Zeit nach dem Bau der Arlbergbahn verschwanden die Reben bis auf einen Weingarten in Röthis fast vollständig. Heute ist Vorarlbergs Weinbau wieder eine Wachstumsbranche. Die Anbaufläche beträgt zur Zeit etwa 15 Hektar und hat ihre Schwerpunkte in den Regionen Bregenz, Röthis, Feldkirch und dem Walgau.
Vertreten werden die etwa 60 Vorarlberger Weinbauern durch den Verein der Weinbautreibenden Vorarlbergs. In den Weingärten dominieren Müller-Thurgau, Grüner Veltliner und klassische Burgundersorten beim Weißwein, während der Blaue Burgunder die rote Hauptsorte ist.
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