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Amerikanisches Restaurant schafft Preise ab – und verdient mehr denn je

USA
Gastronomie

Die Gastronomie kämpft mit steigenden Kosten und sinkenden Margen. Trotzdem hat ein Restaurant in Minneapolis etwas getan, das jeder betriebswirtschaftlichen Logik widerspricht: Es hat die Preise abgeschafft. Das Überraschende daran? Das Experiment funktioniert.

Während viele Restaurants jeden Cent umdrehen müssen, hat Dylan Alverson die Speisekarte kurzerhand von ihren Preisen befreit. Wer heute in seinem Lokal »Post Modern Times« in Minneapolis frühstückt, bekommt zwar weiterhin Pancakes, Burger oder Rührei serviert – eine Rechnung gibt es am Ende jedoch nicht mehr. Stattdessen dürfen die Gäste selbst entscheiden, ob und wie viel sie bezahlen möchten.

Der Auslöser war politischer Natur. Nach einem umstrittenen Einsatz der US-Bundesbehörde ICE Anfang des Jahres beschloss Alverson, sein Restaurant vorübergehend auf ein spendenbasiertes Modell umzustellen. Die Idee dahinter war, keine Umsatzsteuer mehr an den Staat abzuführen und gleichzeitig ein Zeichen gegen die Entwicklungen des Landes zu setzen, die er kritisch sehe. Doch was als temporäre Maßnahme begann, führte zu einer überraschenden Erkenntnis.

Kassensturz

Obwohl inzwischen zwischen 40 und 50 Prozent der Gäste überhaupt nichts bezahlen, läuft das Restaurant nach eigenen Angaben erfolgreicher als zuvor. Alverson hat das Modell mittlerweile dauerhaft eingeführt. Das wirft eine Frage auf, die viele Gastronomen beschäftigt: Funktioniert das klassische Restaurantmodell überhaupt noch?

Die Zahlen sprechen auch in den USA für eine Branche unter Druck. Laut einer Erhebung der National Restaurant Association waren 42 Prozent der Restaurantbesitzer in den USA im Jahr 2025 nicht profitabel. Steigende Lebensmittelpreise, höhere Personalkosten, teure Mieten und zusätzliche Gebühren für Lieferplattformen oder Zahlungsdienstleister lassen die Margen vieler Betriebe zusammenschmelzen.

Auch Alverson kann davon ein Lied singen. Sein Restaurant setzte, wie er der New York Times schilderte, im vergangenen Jahr rund 1,3 Millionen Dollar um – und schrieb dennoch einen Verlust von 18.500 Dollar. Dabei zahlte er sich selbst lediglich 23.000 Dollar Jahresgehalt aus und übernahm gleichzeitig die Rollen von Geschäftsführer, Koch und Hausmeister.

Die Rechnung ging nicht auf

Heute funktioniert »Post Modern Times« nach anderen Regeln. Die Karte wurde verkleinert, die Qualität jedoch beibehalten. Frisches Brot, regionale Zutaten und hausgemachte Speisen bleiben zentrale Bestandteile des Konzepts. Wer bezahlen kann, spendet. Wer es nicht kann, isst trotzdem.

Gerade dieser Gedanke scheint viele Menschen anzuziehen. Das Restaurant hat sich zu einem Treffpunkt entwickelt, an dem Studierende, Familien, Rentner, Menschen mit geringem Einkommen und Stammgäste nebeneinandersitzen. Für manche ist es ein Frühstückslokal, für andere ein Ort, an dem sie erstmals seit Langem wieder in einem Restaurant essen können.

Interessanterweise profitiert das Lokal nicht nur von Spenden der Gäste. Die Aufmerksamkeit rund um das ungewöhnliche Konzept hat auch den Verkauf von Fanartikeln deutlich angekurbelt. T-Shirts und andere Produkte, die das Restaurant bereits seit der Pandemie anbietet, entwickelten sich zu einer wichtigen zusätzlichen Einnahmequelle.

Sogenannte Pay-what-you-wish-Restaurants sind weltweit eher eine Ausnahme und lösen vielleicht gerade deshalb eine gewisse Faszination aus. Während Restaurants für gewöhnlich berechnen, was ein Gericht wert ist, drehen diese Konzepte die Frage um: Was ist einem Gast das Essen und die Erfahrung wert? Die Antwort fällt selten einheitlich aus – aber offenbar oft großzügiger, als man erwarten würde.


Redaktion
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