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Am Leithaberg gedeiht die autochthone Rebsorte Blaufränkisch, geprägt von Kalkstein und Schieferböden.

Am Leithaberg gedeiht die autochthone Rebsorte Blaufränkisch, geprägt von Kalkstein und Schieferböden.
© OeWM | WSNA

Burgenland: Der würzige Individualist Blaufränkisch

Burgenland
Blaufränkisch
Rotwein

Innerhalb von nur einer Winzergeneration hat sich dieser Charakterkopf vom störrischen Einzelkind zu einem international respektierten Zeitgenossen entwickelt. Keine andere Rebsorte verkörpert die burgenländische Herkunft besser: Den Übergang von der alpinen Kühle in die pannonische Wärme – in den besten Blaufränkisch wird das erleb- und kostbar.

Erst vor zwanzig Jahren überholte die Rotweinproduktion im Burgenland jene des Weißweins, heute bedecken zu 57 Prozent blaue Sorten die Weinberge. Die aktuell verbreitetste Sorte ist – Sie haben es erraten – der Blaufränkisch, der mit rund 2.400 Hektar und 21 Prozent der burgenländischen Rebfläche der qualitative Motor des »Rotweinwunders« ist.

Die regionale Verbreitung zeigt, dass es in allen Weinbaugebieten des Bundeslands geeignete Terroirs für die Sorte gibt. Ein höherer Anteil an Festgestein kommt dem Blaufränkisch entgegen, das bunte Spektrum umfasst Dolomit und Kalkstein, Kalk-, Ton- und Glimmerschiefer, sauren Schiefer, Paragneis und Grobgneis, Amphibolit und Serpentinit.

In allen Weinbaugebieten des Bundeslands gibt es geeignete Terroirs für den Blaufränkisch.

Mit einer einzigen Ausnahme – Neusiedlersee DAC – ist der Blaufränkisch in sämtlichen anderen geschützten Herkünften des Burgenlands die Leitsorte: im Leithaberg DAC mit Kalk und Schiefer, im Eisenberg DAC mit mineralischem Urgestein und im Mittelburgenland DAC, der 2005 den Anfang machte, sowie im Rosalia DAC mit jeweils schwereren Lehmböden.

Blaufränkisch im Stilwandel

Die Qualität der Rebsorte ist den burgenländischen Winzern immer bekannt gewesen, aber erst Ende der Siebzigerjahre begannen Pioniere, die vorhandenen Qualitäten langsam auszuloten. Der Weg vom eher hellfarbigen, teils mit Restzucker ausgestatteten und von Gerbstoff und Säure geprägten rustikalen Wein hin zu straffen, mineralischen und lebendigen Rotweinen mit Rückgrat und Finesse war steinig.

In den 90er-Jahren galten sehr konzentrierte, dunkelfarbige Blaufränkische als das Nonplusultra. Dann kamen der biologische Säureabbau und eine kräftige Ladung neues Holz dazu und Schritt für Schritt nahm der Blaufränkisch im Spitzenfeld jene Form an, für die er heute weltweit von Weinfreunden geschätzt wird: ein straffer, feinwürziger Rotwein mit dunkelfruchtigen Aromen, reifen tragenden Tanninen und einer lebendigen Säurestruktur, ausgestattet mit salziger Mineralität und großem Reifepotenzial.

Im neuen Jahrtausend gelang es immer mehr, die feinen Nuancen herauszuarbeiten, die das jeweilige Terroir und Mikroklima der Sorte angedeihen lassen. Stoffig-elegant bei Gols, geschliffen und frisch am Leithaberg, komplex-facettenreich im Mittelburgenland und lebendig-mineralisch am Eisenberg. Der Weinfreund hat eine angenehme Qual der Wahl in Sachen Blaufränkisch.

Dazu ein Tipp: Die jüngeren Weine verfügen über ein einladendes Bukett und feine Fruchtnuancen, greift man aber zu einem mehrere Jahre gereiften Wein, dann zeigt sich der Blaufränkisch mit vielen zusätzlichen Schichten, vertikal wie horizontal, und belohnt die Geduld des Kenners.

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Erschienen in
Falstaff Burgenland Special 2024

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Peter Moser
Peter Moser
Chefredakteur Wein
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