Burrata und sogar Schnitzel: Die neue, freche Fusion-Linie im »In-Dish«
Mit einem knappen Monat Umbauzeit und viel Input der Familie Ahmed hat sich das Wiener »In-Dish« stark verändert. »Eine bewusste Weiterentwicklung« nennt Küchenchef Sufian Ahmed die Küchenlinie des bewusst Kitsch-freien Lokals.
Wenn man sich Zeit nimmt, erfährt man nicht nur, wer in Zell am See bei den Ahmeds einkehrte, sondern auch was das Lieblingsgericht des damals noch kleinen Sufian »Sufi« Ahmed war. Denn in die Neugestaltung wurden Bilder von Falco – einem Stammgast von Vater Irfan während seiner Kuren in Bad Gastein – ebenso aufgenommen wie die Kombination von Wiener Schnitzel und Makhani-Sauce. »Das hat unsere Mutter immer gemacht und wie haben es geliebt«, lacht Sufi Ahmed. Und es wurde nicht das einzige neue Gericht in der Schwarzenberggasse. »Wir wollen die indische Küche nicht vergessen, aber auch das Moderne pflegen«, war das Motto der großen Erneuerung des 2018 gestarteten Lokals.
Viel Wienerisches ist zu finden
So zog ein Hauch Kolonial-Stil statt der früheren Bollywood-Optik ein. Ein gutes Beispiel liefert dafür auch die Küche: Neben der klassischen Version darf nämlich das »Butter Chicken« auch – knusprig frittiert – in den Burger. Seine kulinarische Ausbildungszeit in London hat den Küchenchef auch mit den entspannten indischen Restaurants neuen Stils wie »Dishoom«, »Cinnamon« oder »Gymkhana« in Berührung gebracht. Diese Linie floss nun auch im »In-Dish« ein. Allerdings kommt auch die Wiener Seele immer wieder zum Vorschein. Etwa bei einem Bild des historischen »Café Leopold« in Karachi, das an den Wiener Leopold Weiss erinnert, oder dem berühmten Wiener Geflecht von Thonet, das in den neuen Sitzmöbeln zitiert wird. »Wir sind schließlich in Wien«, ist Sufian Ahmed dieses Lokalkolorit wichtig. Und nicht zuletzt könnte er persönlich »jeden Tag Schnitzel essen«.
In seinem Dialekt blitzt aber immer wieder das Salzburgische durch, wo die Gastro-Reise der Familie begonnen hat. Dort hat Irfan Ahmed – anfangs aus Personalnot – im Laderdinger Hof im Gasteiner Tal auch die Rolle des Gastgebers übernommen. Legendär wurde er aber als Betreiber eines italienischen (!) Lokals, das ihm auch seinen Spitznamen gab: Das »Ristorante Antonio« in Zell am See wurde aber auch zur Keimzelle des »In-Dish«.
Familien-Sache in zwei Regionen
Denn die einmal jährlichen Indischen Wochen bei »Antonio« waren so erfolgreich, dass daraus das »Basmati« als erstes indisches Restaurant der Region wurde. Diesen Spirit wollte man dann nach Wien übertragen. 2018 war es so weit – und der Rest ist bereits Geschichte. Im nunmehr neu gestalteten »In-Dish« ist auch Bruder Shah-Zeib Ahmed mit von der Partie. Seiner Tochter verdankt sich der Luster als weiteres Detail im Familien-geführten Restaurant.
In der Küche schlagen ebenfalls zwei Herzen, denn die berühmten Tandoor-Öfen gibt es in zweifacher Ausführung, einer sorgt allein für das hausgemachte Naan-Brot. Der Rest gart Fleisch unvergleichlich zart, etwa die Lamm-Kotletts in ihrer knallroten Tamarinden-Mascarpone-Hülle. Denn Berührungsängste hat »Sufi« Ahmed keine, wenn es dem Geschmack dient. So gibt es die Burrata mit indischen Aromaten als Vorspeise. »Warum machst Du nicht auch eine?«, sorgte hier die Gattin des Lokalchefs für die Inspiration, nachdem das junge Paar die italienische Käsevariante privat so gerne mochte.
Cocktails und Tandoori-Henderl
Danach wählt man aus der Zeitung-artigen Speisekarte etwa die Lammfleisch-Laibchen (»Galouti Kabap«), deren Zartheit die 30 Stunden Vorarbeit wert ist. Oder das Malai Makhani-Hühnchen mit der Safran-würzigen Kruste. Cocktails (»Espresso Mart-In-Dish«) und hausgemachte Limonaden, aber auch das unverzichtbare Mango Lassi stehen für die zeitgenössische Seite der Getränkekarte. Auch da wäre den Ahmeds am liebsten, alles in die Mitte zu stellen und viel zu kosten – ganz im Sinne eines »Indian Social Dining Club«, wie man sich selbst definiert.
1010 Wien
Österreich