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Emmerich Knoll Jun.: »Gerade in einem kleinen Gebiet wie der Wachau ist der Zusammenhalt der Winzer besonders wichtig«

Gegenüber Falstaff gibt der Obmann der Vinea Wachau eine erste Stellungnahme zum Austritt des Weinguts FJ Gritsch aus der Vinea Wachau ab.

Nach Lucas Pichler (Weingut F.X. Pichler) im Jahr 2020 ist nun ein weiterer bekannter Winzer aus der Vinea Wachau ausgestiegen. Franz-Josef Gritsch sieht das DAC-System als zukunftsträchtiger – sowohl im Hinblick auf die veränderten klimatischen Bedingungen als auch im internationalen Kontext (den Artikel finden Sie HIER).

Emmerich Knoll Jun., Obmann der Vinea Wachau, sagt in einer ersten Reaktion: »Die Vinea Wachau bedauert den Austritt eines jeden Mitgliedes, das die Solidargemeinschaft verläßt.« Gerade in einem kleinen, teilweise sehr schwer zu bewirtschaftenden Gebiet wie der Wachau sei der Zusammenhalt der Winzer besonders wichtig und das »über alle Betriebsgrößen und -strukturen hinweg«.

Seit 40 Jahren stellen der Verein und seine Mitglieder die Weiterentwicklung des Gebietes über die einzelbetriebliche Profilierung. Die gemeinschaftliche Vermarktung mit Steinfeder, Federspiel und Smaragd ist nach innen und außen identifikationsstiftend, aber nur ein Aspekt dieser Gemeinschaft. Gemeinsame Veranstaltungen wie Messeauftritte und der Weinfrühling, die Vortragsreihe ›Qualitätsoffensive‹ seit dem Jahr 2000, das Erarbeiten von Informationsmaterial wie Riedenkarten und Terroirbroschüren, Unterstützung bei Naturkatastrophen wie Hagel- oder Frost sind einige andere.

... so Knoll weiter. Auch die Erarbeitung des DAC-Konzeptes sei unter maßgeblicher Beteiligung von Vinea Wachau erfolgt.

Weinstile sieht Vinea Wachau verkörpert durch Steinfeder, Federspiel und Smaragd und Herkunft nach DAC-System nicht in Konkurrenz zueinander, sondern sich gegenseitig ergänzend. »Neben dem beschreibenden ›WAS‹ kann ich mir von einem Wein erwarten (Einsatz zum Essen, Lagerpotential, …), findet auch das erklärende ›WARUM‹ schmeckt dieser Wein so (Herkunft also Boden, Klima, Exposition etc.) Platz«, so Knoll. Die Reduzierung der Stile Steinfeder, Federspiel und Smaragd auf den Alkoholgehalt greift ihm zufolge zu kurz, widerspiegelt dieser doch die Reife bzw. Hangzeit der Trauben und somit auch den Stil des daraus gewonnenen Weines.

»Die Marken verstehen wir also nicht als Klassifikation, sondern vielmehr als Orientierungshilfe für den Kunden – möchte ich einen leichten Wein trinken, greife ich zu einer Steinfeder. Weiters sind damit seit 35 Jahren die Handlese, der Verzicht auf Aufzuckerung bzw. Holzeinsatz bei allen Marken verbunden sowie ein genereller Verzicht auf Trauben- und Weinzukauf aus anderen Gebieten«, erkärt er.

Zukunftsweisend seien gerade die jüngsten Initiativen der Vinea Wachau wie die Umstellung aller Betriebe auf eine zertifizierte nachhaltige Wirtschaftsweise, das Unterstock-Begrünungsprojekt, die Erarbeitung eines Nachhaltigkeitsberichtes sowie zuvor die Erarbeitung der DAC-Strukturen und die Begleitung deren Umsetzung. »Alles große gemeinschaftliche Entwicklungen im Gebiet, auf die wir stolz sind. Als Verein mit 200 Mitgliedern können wir nicht so wendig sein wie einzelne Betriebe, zumal eine konsensuale Entscheidungsfindung und das Wohl des Gebietes immer im Vordergrund steht. Nachhaltigkeit und der Bestand von Entscheidungen stehen hier im Vordergrund – ja, das ist unsere Verantwortung gegenüber den Mitgliedern. Wir respektieren die Entscheidung der Familie Gritsch unsere Wertegemeinschaft zu verlassen und wünschen viel Erfolg auf dem neuen Weg«, so Knoll abschließend.


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Peter Moser
Peter Moser
Wein-Chefredakteur Österreich
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