Erich Scheiblhofer im Porträt: »Wenn man seiner Vision treu bleibt, gibt es nichts, was es nicht gibt«
Erich Scheiblhofer über seine mutigen Schritte vom Weinbauer zum Unternehmer und wie er eine kleine Landwirtschaft in ein einzigartiges touristisches Zentrum verwandelte.
Erich Scheiblhofer zeigt eindrucksvoll, dass Mut und eine klare Vision auch in scheinbar abgelegenen Regionen Erfolg bringen können. Seine Geschichte vom Winzer zum Tourismusunternehmer ist ein Beispiel dafür, wie viel man erreichen kann, wenn man an sich und seine Ideen glaubt. Das Resort mit fast neun Hektar Land und darauf 118 Zimmer gebaut – mitten in den Weingärten – gehört mittlerweile zu einem beliebten Hotspot, sowohl für Businessgäste als auch Familien. Außerdem spricht er über die Bedeutung der Familie, Nachhaltigkeit, Zukunftsvisionen und die Herausforderungen, die die Expansion mit sich brachte.
Falstaff: Erich, du bist bekannt als Winzer und Unternehmer, aber wie hat alles angefangen?
Erich Scheiblhofer: Ich bin ein echtes burgenländisches Bauernkind und habe mir den Traum erfüllt, Winzer zu werden. Doch ich wollte mehr als nur Wein machen. Mit unserem Hotel und Resort zeigen wir jetzt, was das Burgenland alles zu bieten hat. Es war ein langer Weg von der kleinen Landwirtschaft meiner Eltern bis zur heutigen Scheiblhofer Welt.
Was macht die »Scheiblhofer Welt« heute aus?
Ursprünglich waren wir eine klassische Bauernfamilie. Mein Vater, der berühmte »Big John«, hat den Grundstein gelegt, indem er mit großem Ehrgeiz markante Weine kelterte. Mein Einstieg kam nach meiner Ausbildung in Kalifornien, wo ich von den Besten lernen durfte. Mit dem »Big John« haben wir ein Aushängeschild geschaffen, und das hat uns die Türen geöffnet.
Wie kam die Idee, neben dem Weinbau auch in den Tourismus zu investieren?
Der Weinbau war der erste Schritt, aber uns wurde schnell klar, dass wir mehr wollten. Wir haben unser Weingut für Touristen geöffnet und daraus ist die Idee gewachsen, das Erlebnis mit Gastronomie und einem Resort zu erweitern. So entstand die Scheiblhofer Welt, die jetzt weit über die Grenzen des Burgenlandes hinaus bekannt ist.
Wie verbindet ihr Wein, Tourismus und Kulinarik zu einem Gesamterlebnis?
Wir schaffen Synergien. Egal, ob die Gäste wegen des Weins, des Essens oder der Erholung kommen – alles greift ineinander. Die regionale Küche spielt eine zentrale Rolle. Wir versuchen, pannonische Traditionen modern zu interpretieren und Signature-Dishes zu kreieren, die es nur bei uns gibt. Viele hätten gesagt, es sei unmöglich in einem abgelegenen Ort etwas zu errichten. Andau liegt am Rande Österreichs, ohne Bahnanschluss oder große Straßen. Aber ich habe immer daran geglaubt, dass man aus einer Vision etwas Großes schaffen kann. Heute kommen internationale Gäste und Firmen zu uns, weil wir ihnen abseits der Großstädte eine besondere Kombination aus Landschaft, Erholung und Kulinarik bieten.
Und wie habt ihr es geschafft, trotz der aktuellen Personalnot ein so großes Team aufzubauen?
Von einem klassischen Familienbetrieb mit wenigen Mitarbeitern sind wir heute auf 240 gewachsen. Das Wichtigste ist, wie man als Chef vorlebt. Ich versuche, ein wertschätzender und motivierender Chef zu sein, der ein Gefühl der Zugehörigkeit schafft. Das ist oft mehr wert als jeder finanzielle Anreiz. Wie herausfordernd es tatsächlich ist, merkt man aber erst, wenn es losgeht. Neben der Pandemie und steigenden Kosten war es eine große Herausforderung, ein neues Team zu formen. Viele der Mitarbeiter, mit denen wir begonnen haben, sind heute noch da, vor allem in Führungspositionen. Mein Ziel war es nie, mich selbst zu bereichern. Es geht mir darum, Menschen in der Region zu halten und ihnen gute Jobs zu bieten.
Andau ist bekannt für sein warmes Klima. Der Klimawandel schreitet voran – wie beeinflusst das eure Produktion?
Durch meine Zeit in Kalifornien und Australien habe ich gelernt, wie man mit Hitze umgeht. Der Rebstock ist erstaunlich klimaoptimiert, und auch wenn sich die Lesezeitpunkte verschieben, denke ich nicht, dass sich der Weinstil dramatisch verändern wird.
Ihr wart von Anfang an sehr auf Nachhaltigkeit bedacht. Was bedeutet das konkret für euch?
Nachhaltigkeit ist neben guter Mitarbeiterführung unser zentrales Thema. Das spiegelt sich in vielen Bereichen wider – von der Tropfbewässerung unserer Weinberge über Photovoltaikanlagen bis hin zur energieoptimierten Bauweise unseres Hotels. Wir sind seit Beginn im Weinbau nachhaltig zertifiziert und setzen diesen Weg konsequent fort. Es geht nicht nur um die Produktion, sondern auch um den ressourcenschonenden Umgang mit der Natur und den sozialen Aspekt. Nachhaltigkeit hört nicht im Weinberg auf, sondern betrifft das gesamte Unternehmen.
Der Trend geht vor allem bei jüngeren Generationen hin zu leichteren Weinen und weniger Konsum. Wie stellt ihr euch darauf ein?
Die junge Generation trinkt bewusster und achtet mehr auf Gesundheit. Sie gönnt sich ein gutes Glas Wein, aber achtet genau darauf, was und wie sie trinkt. Hier sind wir mit unserer kompromisslosen Qualitätsoptimierung genau richtig aufgestellt – besonders in Sachen Verträglichkeit und Bekömmlichkeit.
Was erwartet uns in Zukunft von euch?
Ideen gibt es immer, aber im Moment konzentrieren wir uns darauf, alles perfekt zusammenzuführen. Wir lernen jeden Tag und wollen es immer noch ein Stück besser machen.
7163 Andau
Österreich