Expo 2025: Der Österreichische Pavillon
Die Expo ist globale Leistungsschau und Türöffner für den Austausch zwischen den Ländern. In Osaka will Österreich die Bande mit Japan enger knüpfen und zeigt sich als Kulturnation, die auch Hightech kann.
Als die erste Weltausstellung der Geschichte von Prinz Albert im Jahr 1851 im Londoner Hyde Park ins Leben gerufen wurde, war das Ziel ganz klar: bedeutende Innovationen präsentieren, die die Welt, wie man sie kannte, verändern. Den Besucher:innen sollte ein Blick in eine ferne Zukunft ermöglicht werden, die sie so vielleicht nie erleben würden. Die Welt von 2025 ist für die meisten von uns nicht nur so unerreichbar, wie sie es vor 170 Jahren war, und doch haben wir bei Weitem noch nicht alles entdeckt, erforscht oder gelöst.
Teil des Fortschritts sein
Die Bedeutung der Weltausstellung hat sich ohne Frage gewandelt. Ging es früher darum, Erfindungen zu präsentieren, bietet die Expo in Osaka 2025 eine Bühne, auf der Länder ihre Stärken und Visionen zu globalen Herausforderungen vorstellen.
Österreich präsentiert sich in Osaka als Kulturnation, die auch Hightech und Green Tech kann. Japan gilt im Technologiebereich als besonders fortschrittlich und gehört für Österreich zu den wichtigsten Wirtschaftspartnern im asiatischen Raum – es steht sogar an vierter Stelle unter den Übersee-Exporten. Österreichische Unternehmen wollen Teil dieses Fortschritts sein. Für den Tourismus ist die Expo die Chance, die Zahl der japanischen Gäste, die durch die Pandemie stark zurückging, wieder zu erhöhen. Oder wie Billy Joel es singen würde: »Vienna waits for you ...«
Der Österreichische Pavillon
Ein skulpturales Notenband aus Holz ist Blickfang des Österreich-Pavillons auf der Expo. Es ist nicht nur eine Reminiszenz an die Musik- und Kulturnation, sondern stellt die Leistungen im Bereich des Ingenieurholzbaus eindrucksvoll zur Schau. Kulinarisch nimmt Österreich die Gäste im Pavillon mit auf eine Reise durch die Bundesländer – authentisch und kreativ. Nachhaltigkeit hat bei alledem oberste Priorität.
Mehr als 16 Meter schraubt sich das skulpturale Notenband an der Fassade des Baus in die Höhe – und ist damit ein weithin sichtbares und würdiges Wahrzeichen für den österreichischen Pavillon auf der Expo. Nicht zuletzt, weil es damit die Musik, die Österreich weltweit bekannt gemacht hat, in den Fokus nimmt: »Composing the Future« – lautet das Motto. Denn: In Österreich wird die Zukunft nicht nur gedacht, sondern »komponiert«.
Das Notenband steht durch seine raffinierte Konstruktion sinnbildlich für die kreative Handwerkskunst. Auch hier ist die Verbindung zwischen den beiden Ländern spürbar: Holz ist sowohl in Japan als auch im alpinen Raum einer der wichtigsten Baustoffe und zählt zu den wichtigsten Exportartikeln Österreichs nach Japan.
Der Bau der technisch herausfordernden Skulptur war nur mit den innovativsten Planungs-, Berechnungs- und Holzbaumethoden möglich. Österreich zählt im Feld des innovativen Ingenieurholzbaus weltweit zu den führenden Nationen. Die Vorarbeiten an dem Notenband waren intensiv: Für die Konstruktionstechnik zeichnet Johann Moser von BWM Designers & Architects verantwortlich. Die Umsetzung des Pavillons lag bei der Firma Graf-Holztechnik in Niederösterreich, die Montage durch die Firma Shinohara in Japan – auch hier stand das internationale Zusammenarbeiten auf der Tagesordnung.
Bevor das Notenband in Japan ankam, war allerdings viel zu tun: Seit 2023 wurde kontinuierlich geplant, bis August 2024 wurden die Elemente des Notenbandes in der Fertigungshalle in Niederösterreich in mehr als zweimonatiger Arbeit gefertigt. Dann machten sie sich unter der Planung des Logistikers car-go-partner auf dem Seeweg nach Osaka. Am österreichischen Pavillon aus dem Expo-Gelände, der künstlich angelegten Insel Yumeshima Island, wurde bereits seit April 2024 gebaut.
Nachhaltigkeit ist beim gesamten Pavillon eines der obersten Ziele: Beim Bau des Notenbandes kann ausschließlich PEFC-zertifiziertes Fichtenholz aus heimischen Wäldern zum Einsatz. Die Konstruktion folgt dem Prinzip »Schrauben statt Leimen«, wodurch die einzelnen Komponenten der Spirale demontierbar und wieder zusammenbaubar sind, was ihre Weiterverwendung nach der Expo sichert.
Im Inneren des Pavillons
Der Bau der gesamten Ausstellungshalle erfolgt nach dem »Reuse«-Prinzip: Sie wird als Systembau konzipiert. Gerade bei temporären Bauwerken gilt das Wiederverwenden von Strukturen als angewandte Nachhaltigkeit. Eine musikalische Inszenierung »trägt« die Gäste dann auch durch den Pavillon - von der Vergangenheit über die Gegenwart in die Zukunft. In einer atemberaubenden Show komponieren die Besucher:innen gemeinsam die Welt von morgen.
Herzstück ist die Ausstellungshalle, die in drei Räume gegliedert ist. Die Ausstellung zeigt die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verbindungen zwischen den beiden Ländern und widmet sich der Frage, welchen Beitrag Österreich für eine lebenswerte Zukunft leisten kann.
Das Notenband zieht sich durch alle Räume und lädt auf spielerische Art und Weise dazu ein, bekannte und unbekannte Seiten Österreichs kennenzulernen und sich aktiv in die Ausstellung einzubringen. Für die Ausstellungskonzeption zeichnet die Agentur facts and fiction verantwortlich, Partner für die musikalische Gestaltung ist die Musikhochschule Mozarteum in Salzburg. Auch kulinarisch gibt es in und rund um den Österreich-Pavillon so einiges zu entdecken. Highlight werden regionale Themenwochen sein, bei denen sich die neun Bundesländer kulinarisch vorstellen.
Authentisch soll es sein
Kaiserschmarren und Schnitzel dürfen also nicht fehlen! - und doch wolle man zugleich »die Köstlichkeiten auf eine Art vorstellen, wie sie die internationalen Gäste noch nicht gesehen haben«, sagt Norbert Tesch. Der Mittelburgenländer lebt seit 30 Jahren in Japan und importiert mit seinem Unternehmen AWA österreichische Produkte, allem voran den Wein einiger der besten Winzer Österreichs. Auf der Expo ist Tesch für den Gastronomiebesuch des österreichischen Pavillons verantwortlich. Gemeinsam mit Gastköchen will er dafür sorgen, dass die gesamte Bandbreite des österreichischen Kulinarik für die Besucher »kostbar« wird.
Für Tesch zählt mehr als die bloße Gaumenfreude: »Es geht um die kulturelle Vielfalt und das Bewusstsein für österreichische Kultur und Kochkunst.« Und natürlich um Nachhaltigkeit: Man setzt auf recycelbare Behälter und Besteck, in der Lounge und der Bar werden ausschließlich Keramikgeschirr und Gläser verwendet.
Alles angerichtet für den großen Erfolg
Der ehemalige japanische Botschafter in Wien, Ryuta Mizuuchi, zieht gar Parallelen zur Weltausstellung 1873: »Damals war es der Shachihoko aus Japan - der gigantische goldene Fabelfisch - der für seine Sensation in Österreich sorgte. Möge der Schleife, 152 Jahre danach in Japan, eine Revanche gelingen.«
Übrigens: Die Schleife hat auch musikalisch eine noch tiefere Bedeutung: Sie stellt die ersten Takte der Europahymne, Ludwig van Beethovens »Ode an die Freude«, dar.