Zum Inhalt springen
© Shutterstock

Fasten in Österreich: Viele verzichten nie – doch Fisch und Heringschmaus bleiben weiterhin beliebt

Fasten

Die Fastenzeit ist für viele Tradition, für andere kein Thema. Während jede zweite Person laut aktueller Erhebung nie bewusst verzichtet, steigen Fischkonsum und Heringschmaus weiterhin deutlich an.

Die Fastenzeit ist in Österreich längst kein Pflichttermin mehr im Kalender. Für 86 Prozent der Bevölkerung hat sie ihre traditionelle Bedeutung weitgehend verloren. Und doch verschwindet das Fasten nicht – es verändert sich. Statt religiöser Verpflichtung steht heute vor allem eines im Mittelpunkt: das eigene Wohlbefinden.

Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts TQS, durchgeführt im Jänner 2026 im Auftrag von Thermomix® Österreich. Befragt wurden 1.000 Österreicher:innen, repräsentativ nach Geschlecht, Alter und Bundesland.

Zwischen »Noch nie« und »Fixer Bestandteil«

Ganz vorne liegt eine klare Aussage: 46 Prozent haben noch nie gefastet. Weitere 22 Prozent planen auch heuer keinen Verzicht. Für rund zwei Drittel spielt die Fastenzeit damit keine zentrale Rolle mehr. Gleichzeitig gibt es eine beachtliche Minderheit, die bewusst pausiert. Insgesamt 30 Prozent fasten in unterschiedlicher Form. Acht Prozent tun das regelmäßig – unabhängig von der klassischen Fastenzeit rund um Fasching und Ostern. Sechs Prozent halten die traditionelle 40-tägige Fastenperiode ohne Sonntage ein, vier Prozent fasten die gesamten 40 Tage inklusive Sonntage. Weitere sechs Prozent verzichten an bestimmten Wochentagen, fünf Prozent für einen begrenzten Zeitraum von ein bis zwei Wochen.

Gesundheit schlägt Tradition

Die Motive haben sich deutlich verschoben. 65 Prozent der Fastenden wollen ihre körperliche Gesundheit und ihr Wohlbefinden steigern. 43 Prozent nennen Gewichtsreduktion als Ziel. Für 35 Prozent geht es um einen bewussteren Umgang mit Konsum. Religiöse oder traditionelle Gründe treten hingegen klar in den Hintergrund. Fasten wird heute eher als persönliche Herausforderung oder Neustart verstanden und weniger als spirituelle Pflichtübung.

Kein Zucker, kein Alkohol

Auch beim Verzicht zeigt sich ein alltagstauglicher Zugang. Am häufigsten wird Alkohol gestrichen (42 Prozent), dicht gefolgt von Zucker (41 Prozent). 37 Prozent verzichten auf süße, salzige oder saure Snacks. Weniger verbreitet ist der Verzicht auf Nikotin (11 Prozent) oder Koffein (7 Prozent). Das deutet darauf hin, dass Fasten für viele kein radikaler Komplettverzicht ist, sondern eine gezielte Reduktion einzelner Gewohnheiten – möglichst so, dass der Alltag weiterläuft.

Mehr Energie statt schlechter Laune

Die Bilanz fällt überwiegend positiv aus. 48 Prozent berichten von gesteigertem körperlichem Wohlbefinden, 36 Prozent von Gewichtsreduktion. Rund 30 Prozent fühlen sich energiereicher. Negative Begleiterscheinungen bleiben die Ausnahme: Neun Prozent klagen über körperliche Beschwerden, sechs Prozent über Gereiztheit. »Die Ergebnisse zeigen sehr klar, dass Fasten heute vor allem als bewusste Pause verstanden wird – nicht als Verzicht um jeden Preis, sondern als Chance, dem eigenen Körper etwas Gutes zu tun«, so Julia Menzl, Thermomix® Österreich.

Auch aus einer aktuellen Marktumfrage von iglo geht hervor: Traditionelle Essgewohnheiten rund um Aschermittwoch und Karfreitag sind zwar nicht flächendeckend verankert, aber deutlich spürbar.

14 Prozent halten am Heringschmaus zum Auftakt der Fastenzeit fest. Ein weiteres Viertel entscheidet von Jahr zu Jahr neu. Besonders verbreitet ist das traditionelle Fischessen in Kärnten und Wien. In Tirol hingegen geben drei Viertel an, dass der Heringschmaus keine Tradition habe.

Auch darüber hinaus verzichten viele zumindest zeitweise auf Fleisch. 15 Prozent reduzieren ihren Fleischkonsum in den 40 Tagen bis Ostern konsequent, weitere 30 Prozent halten sich gelegentlich daran. In Wien und Niederösterreich ist diese Form des Fastens am wenigsten verbreitet: Rund zwei Drittel geben an, nie bewusst auf Fleisch zu verzichten.

Fisch am Freitag

Am Karfreitag kehrt bei einem Viertel der Bevölkerung der Fisch fix auf den Speiseplan zurück. Männer halten sich häufiger daran als Frauen. Besonders stark ist die Tradition in der Steiermark ausgeprägt.

Der gestiegene Fischkonsum zeigt sich auch im Handel. Laut iglo-Geschäftsführerin Ines Franke sei der Absatz von Tiefkühlfisch im Vorjahr zur Fastenzeit gestiegen: »Letztes Jahr zu dieser Zeit ist der Absatz in diesem Segment um 22 Prozent gestiegen, bei iglo-Produkten haben wir sogar einen Anstieg von 32 Prozent gesehen.« Für die Studie befragte Integral Markt- und Meinungsforschung im September 2025 online 1.011 Personen zwischen 18 und 69 Jahren repräsentativ für Österreich.

 


Miriam Al Kafur
Digital Redakteurin
Hannah Speyer
Hannah Speyer
Chefin vom Dienst Digital
Mehr zum Thema
1 / 12