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Seit 50 Jahren verfolgt Francis Ford Coppola das Ziel, einen unverwechselbaren, großen Rotwein aus Napa Valley zu kreieren.

Seit 50 Jahren verfolgt Francis Ford Coppola das Ziel, einen unverwechselbaren, großen Rotwein aus Napa Valley zu kreieren.
© Alexander Rubin

Francis Ford Coppola: A Godfather of Wine

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Um 1905 kam Großvater Agostino Coppola aus Italien in New York an, um sein Glück zu suchen. Sein Sohn Carmine und dessen Nachfahren fanden das Ihre im Filmbusiness. Sechs geborene Coppolas wurden für den Oscar nominiert – Francis Ford holte fünf der acht Coppola-Oscars. Carmine und seine Enkel Sofia Coppola und Nicolas Cage bekamen je einen. Großen Wein aber lieben sie alle, und nach alter italienischer Tradition machen sie ihn sich auch selbst.

Im Juni 2021 schlugen die Wellen hoch. Die bekannte Francis Ford Coppola Winery in Geyserville, eines der weintouristischen Zentren im Sonoma County in Kalifornien wurde an die Familie Indelicato, bekannt für ihre Delicato Family Wines, verkauft. Was für manchen Coppola-Fan ein wenig nach »Apocalyse Now« klang, war in Wahrheit eher eine sinnvolle Regelung, was einen Teil des Coppola-Imperiums betraf. Aber alles der Reihe nach.

Vor exakt 50 Jahren, 1975, startete der Hollywood-Regisseur seine Zweitkarriere im Weinbusiness, als er rund 610 ­Hektar in Rutherford im Napa Valley erwarb. Coppola investierte weitsichtig einen Teil des Vermögens, das sein 1972 erschienener Film »Der Pate« einspielte, in einen Weingarten. Dieser gehörte einst zu Gustave Niebaums legendärem Weingut namens Inglenook, welches der finnische Kapitän 1879 gründete. Die erste Zeit firmierte das Weingut noch unter Niebaum-Coppola – schon damals fungierte die rote Cuvée namens Rubicon als Flaggschiff. Der Antrieb hinter Coppolas Engagement und auch sein langfristiges Ziel war möglicherweise die Verkostung eines legendären Weines, der einst unter der Ägide seines Besitzer-Vorgängers John Daniel Jr. auf Inglenook gelungen war.

Mit Rubicon zur Spitze

Der Jahrgang 1941 des Cask Cabernet von Inglenook galt und gilt jenen, die diesen mythischen Wein je getrunken haben, als eine schier herausragende, unvergesslich bleibende Erfahrung. So soll es Robert Mondavi ergangen sein, aber auch Pétrus-Macher Christian Moueix, der als Reaktion Anfang der 80er-Jahre den Napanook-Weingarten erworben hat, wo heute sein großartiger »Dominus« entsteht.

In seinen ersten Jahren setzte Coppola auf eine sehr ausgedehnte Reifung der Rotweine in Holzfass und Flasche, erst nach sieben Jahren kamen diese auf den Markt. Die technischen Möglichkeiten waren noch – gelinde gesagt – rustikal, der Erfolg der Weine ausbaufähig und ein neuer 41er nicht in Sicht. Rund 20 Jahre lang war Scott McLeod damals als Winemaker für Inglenook zuständig, hatte aber in dieser Periode zunächst mit veraltetem Inventar zu kämpfen, das er Schritt für Schritt verbesserte. Die Qualität der Weine legte ebenfalls zu, jetzt wurde der Name des Spitzenweins auf das Weingut selbst übertragen: Es firmierte ab diesem Zeitpunkt als Rubicon Estate. Erst um 1995 gelang es Coppola, auch das historische Weingut selbst samt dem Rest des Landes zu erwerben, die Rechte an dem Markennamen Inglenook kaufte er schließlich 2011.

Und seit ebendiesem Jahr steht an der Spitze des Inglenook-Winemaking-Teams kein anderer als Philippe Bascaules, der seit 2016 auch wieder für den legendären Wein von Château Margaux in Bordeaux die Verantwortung trägt. »Ich möchte dafür Sorge tragen, dass die Weine die Seele des unvergleichlichen Terroirs von Inglenook transportieren.« Zuletzt wurde 2022 der neue, unterirdische Gärkeller »The Italia Coppola Wines Caves«, in Betrieb genommen, wo man nun jeden Einzelnen der nicht weniger als 120 Blocks in den Weingärten separat fermentieren kann.

Die Passion für edle Weine liegt der aus Italien stammenden Familie Coppola in den Genen.

Keine Eitelkeit

Francis Ford Coppola gehört nicht zu jenen reichen Menschen, die den Kauf eines Weingutes aus Eitelkeit tätigen oder als imageträchtige Investition betrachten. Inglenook war von Anfang an mehr als ein Projekt, hier legte die Familie selbst Hand an und ist mit dem Weingut mit jedem neu gepflanzten Rebstock immer enger verwachsen.

Dieser Wein ist den Coppolas im wahrsten Sinne des Wortes in Fleisch und Blut übergegangen, auch die nächste Generation fühlt sich diesem Ort eng verbunden. Und mit dem detailverliebten, sensiblen Weinmacher Philippe Bascaules rückt das Ziel von Francis Ford Coppola heute in greifbare Nähe, einen Spitzenwein zu erzeugen, der die Parameter Frische, Körper und Eleganz verbindet. Und das wäre doch eine nette Geschichte: Während in Bordeaux immer noch manche Unbelehrbare versuchen, farbtiefe, alkoholreiche, überextrahierte Rotweine nach dem falsch verstandenen Vorbild Napa Valley zu erzeugen, werden dort in Spitzenterroirs zunehmend hochelegante Weine wie in Pomerol oder Margaux vinifiziert.

Inglenook erzeugt heute mit dem Blancaneaux eine Cuvée aus Viognier, Marsanne und Roussanne, seit 2013 einen puren Sauvignon Blanc, des Weiteren den RC Reserve Syrah, der auf Roman Coppola, Francis’ Sohn und dessen Leidenschaft für australische Shiraz, referiert. Der Cabernet Sauvignon ist ein Tribut an Johan Daniel Jr., dem man den angesprochenen großen 1941 verdankt, der reinsortige Cabernet Franc wird nur in besonderen Jahren erzeugt. Seit der Premiere 1978 steht der Bordeaux-Blend namens Rubicon an der Spitze des Sortiments. Der Blend besteht aus etwa 80 Prozent Cabernet Sauvignon, 10 Prozent Merlot, der Rest aus Cabernet Franc und Petit Verdot. Rubicon wird seit einigen Jahren, abgesehen von den USA, exklusiv über den Place Bordeaux angeboten, was dem Wein eine deutlich stärkere Sichtbarkeit verliehen hat. Dies wiederum trägt – zusammen mit seinem qualitativen Aufwärtstrend – stark zu seiner Popularität bei.

Über Sonoma nach Oregon

Im Jahr 2006 war es Francis Ford Coppola gelungen, in Sonoma County mit Château Souverain Winery ein weiteres Zugpferd zu erwerben. Er entwickelte den Standort – samt riesiger Poollandschaft, dem Restaurant ­»Rustic«, beliebt für seine klassisch italienischen Gerichte, und natürlich der Ausstellung zahlreicher Ausstattungsobjekte seiner Filme – als Plattform für sein wachsendes Portfolio. In Sachen Weine wurden hier die erfolgreichen Coppola-Weinlinien Rosso & Bianco und die Diamond-Serie promotet, für die man seit dem Jahrtausendwechsel auf Grundweine und Trauben aus der Delicato-­Gruppe zurückgriff, deren Gründer Gaspare Indelicato vor rund 100 Jahren aus Sizilien eingewandert war. Francis Ford Coppola sitzt nach wie vor im Aufsichtsrat der Winery, die heute zur Delicato-Gruppe gehört.

Den Einstieg bieten die preiswerten Sortenweine der Francis Coppola Diamond Collection, die nächste Gruppe bilden die »Director’s Cut Wines«. Unter den »Wines of Francis Coppola« wird auf die europäischen Wurzeln verwiesen, hier gibt es Vermentino und Gewürztraminer, Negroamaro und Grenache als reinsortige Weine, sechs klassische französische Rebsorten sind unter den Künstleretiketten der Francis-­Coppola-Reserve-Serie versammelt.

Auch in Oregon besitzt die Familie Coppola ein Weingut, das sie dort 2019 unter dem Namen Domaine de Broglie gestartet hat. Zunächst nach dem Pionier der Quantenmechanik benannt und zwischenzeitlich auf Domaine Lumineux umgetauft, verarbeitet das Team ausschließlich Trauben aus dem Estate Vineyard in den Dundee Hills. Als Leiter und Winemaker fungiert Dave Petterson, der seit 2007 beim Vorgängerbetrieb Vista Hills für die Weine verantwortlich war. Hier entstehen vor allem Pinot Noirs, aber auch Chardonnay, Pinot Gris sowie ein Sparkling-Rosé.

Die Lebensleistung von Francis Ford Coppola für den amerikanischen Weinsektor ist beachtlich, auch wenn sie stets durch sein Wirken in der Filmindustrie überlagert sein wird. Aber auch in seinem filmischen Schaffen werden die italienischen Wurzeln spürbar – und zu Nino Rotas »Love Theme«, das in der »Pate«-Trilogie unvergesslich erklingt, lässt man sich mit einem Glas Rubicon nur zu gerne in Gedanken nach Sizilien entführen.

Via Archimedes 300
95441 Geyserville
USA

Erschienen in
Falstaff Magazin Österreich Nr. 2/2025

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Peter Moser
Peter Moser
Chefredakteur Wein
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