Gourmet am See - der Südosten Österreichs
Wörthersee und Millstätter See im Süden und der Neusiedler See im Osten sind Oasen des Glücks. Meer braucht es da nicht.
Kopenhagen hat seine Kleine Meerjungfrau, Millstatt hat den Heiligen Domitian. Dessen Skulptur steht im seichten Wasser vor dem Ufer gleich neben der Anlegestelle der Fährboote »Peter Pan« und »Moby Dick«. Spitze Gesichtszüge, markanter Bart, exzentrische Kopfbedeckung, auffällige Kleidung: Beim schnellen Hinschauen erinnert die Statue aus Rohrstahl an den kleinen Bruder von Captain Jack Sparrow aus »Fluch der Karibik«. In Wahrheit ist er der Taufpate der Stadt.
Als Herzog ließ er rund um das Jahr 800 statt eines heidnischen Tempels die erste christliche Kirche errichten und in der Folge eintausend heidnische Götzenstatuen – »mille statuae« – in den See werfen. Davon soll sich der Name »Millstatt« herleiten, nach dem auch das spätere Kloster und heutige Stift benannt wurde. Schon die Benediktinermönche betrieben hier Fischfang – mit Auflagen, deren Spuren bis in die Gegenwart reichen.
So koppelte Kaiser Friedrich III. das 1457 übertragene Fischrecht im unteren Teil des Millstätter Sees an die Bedingung, dass das Kloster vierteljährlich 59 Seeforellen an den Kaiserlichen Hof lieferte.
Später wurde dem dort ansässigen Fischer das Anwesen in Döbriach überlassen – das Gut wurde zum Grundstein und Namensgeber des heutigen »Hotel Seefischer«, in dem Küchenchef Jürgen Moldaschl seine Expertise in ein breites Alpe-Adria-Angebot einfließen lässt. Er kombiniert regionale und internationale Produkte zu aromenreichen Menüs. Für den gesamtheitlichen Genuss sorgt die idyllische Lage der Anlage mit eigener Hafenbucht, entspannendem Spa-Haus und einem Ausblick über den ganzen See.
Der Heilige Domitian bekommt davon recht wenig mit. Sein Blick klebt »landeinwärts« an den schattenspendenden Bäumen des Schillerparks. Von ihm ungesehen bleiben die schmucken Fassaden der »Villa Tacoli«, der »See-Villa« und der »Villa Verdin«, die sich nur ein paar Gehminuten auf der Seepromenade entfernt aufreihen. Das Ensemble erinnert an die Zeiten, als der Tourismus noch Fremdenverkehr und der Urlaub noch Sommerfrische hieß und statt ein paar flüchtigen Tagen Wochen dauerte.
Als Referenz an diese Gründerzeit heißt das Restaurant bis heute »1884« – auch wenn es anlässlich des 140-Jahr-Jubiläums neu errichtet wurde. Geblieben ist der Charme der direkten Lage am See und mit ihm ein feines Speise- und Weinangebot. Chefkoch Christian Unterzaucher veredelt fangfrischen Fisch und Wild aus der eigenen Jagd mit zeitgemäßer Handschrift. Beispiel? Parmesancremesuppe mit hausgeräucherter Hirschchorizo, Fasanbrust, die im Lardo des Mangalitzaschweins gebraten wurde, oder rosa gebratenes Reh, dazu Weine aus dem Weingut der Familie Tacoli und ein Platz auf der Sonnenterrasse. Dazu hätte auch der Heilige Domitian nicht Nein gesagt.
Start am Wörthersee
Die ersten touristischen Spuren am Wörthersee reichen ebenfalls in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Im Jahr 1872 erwarb der Wiener Porzellanfabrikant Carl Ernst David Wahliß die gesamte Liegenschaft der Wörtherseebad AG, darunter unter anderem das heruntergekommene »Schloss Velden«, das er im Stil der Neorenaissance zu einem Hotel umbauen ließ und das heute von Falkensteiner samt modernem, 3600 Quadratmeter großem Spa als eines der »Leading Hotels of the World« betrieben wird.
Kulinarisch wird man hier im Restaurant »Seespitz« mit einem Mix aus Slow-Food-Variationen der Alpe-Adria-Küche und japanischer Zubereitungskunst verwöhnt. Wahliß stieß aber auch in Pörtschach die wirtschaftliche Entwicklung an und ließ allein dort 13 Hotelbauten und Freizeitanlagen errichten und die Halbinsel zu einem Naturpark umgestalten. Hundert Jahre, einige Besitzerwechsel und Umbauten später wurde der Grundstein für das heutige »Parkhotel Pörtschach« gelegt.
Bis heute hat sich hier zwischen Speisesaal, Rezeption, Lobby und Hotelbar in der Formensprache die Eleganz der Swinging Sixties erhalten. Dazu wartet der namensgebende Park mit mehr als 40.000 Quadratmetern und einem eigenem Hotelstrand auf.
Auf direkten Kontakt zum Wasser setzt auf der gegenüberliegenden Seeseite auch Hubert Wallner – und das gleich mehrfach: Sein Bistro »Südsee« bei Dellach liegt direkt am Ufer des Wörthersees und ist per Bootstaxi ansteuerbar, das von ihm zusammen mit Klaus Michael Dolleschall im »Aenea Designhotel« im nahen Sekirn betriebene Bistro »Seensucht« ebenfalls. Und von der weitläufigen Terrasse des Wallner’schen Hauptquartiers, dem nach dem hochdekorierten Meisterkoch selbst benannten Gourmetrestaurant, liegt einem gefühlt ohnehin der ganze See zu Füßen.
Ob traditionell Bodenständiges oder kreativ komponiertes Fine Dining: Überall präsentiert sich das Gebotene als ein ehrliches, fein ausbalanciertes Bekenntnis zur Region. »Ich möchte mit meiner Küche den Gästen ein Stück meiner Heimat näherbringen«, betont Wallner immer wieder.
Gekühlte Weinwand
Eine ähnliche Philosophie verfolgt man in Breitenbrunn am Neusiedler See. Das »Neue Strand«-Resort mit seinem angeschlossenen Restaurant »Libelle« setzt auf Nachhaltigkeit, Regionalität und einen respektvollen Umgang mit der Umwelt. Das sieht und schmeckt man. Burgenländische Klassiker treffen auf asiatisch inspirierte Kulinarik. Kaiserrollen mit hausgemachter Chilisauce rittern mit Beef Tatar, »Marsala Curry Pannonia« und einem »Duett vom Wildschwein« um die Gunst der Gaumen – in kompakter Form beim Signature-Sandwich, wo sich Landhendl, Wasabi, Hanfkäse und Römersalat auf einem Teller treffen.
Unweit davon, in Weiden am See, hören die schnellen Gerichte auf wortverspielte Bezeichnungen wie »Segelbrot« und »Ruderbrot«. »Das Fritz« offeriert aber auch Fischsuppe, Spanferkel mit Chilikraut, regionalen Antipasti, Gemüse-Tapas oder Tatar von Fisch und Fleisch beziehungsweise Neuinterpretationen der pannonischen Küche.
Patron Fritz Tösch segelt mit seinen beiden Töchtern Judith Tösch-Urschitz und Vera Mayer-Tösch auf einem von jahrelanger Erfahrung und jugendlichen Innovationen geprägten Kurs. Eine ebenso außergewöhnliche Architektur bietet den Rahmen für eine eigene Marina, Seeterrasse, Oberdeck und eine ins Restaurant integrierte, gekühlte »Weinwand«.
Es sind aber nicht die einzigen kulinarischen Zielhäfen, die man rund um den Neusiedler See anlaufen kann. Da wären auch noch Max Stiegls schon legendäre, alles verarbeitende und pannonisch geprägte Küche im »Gut Purbach«, der »Rusterhof« in Österreichs kleinster Statutarstadt, das von Stephanie und Eduard Tscheppe betriebene »Gut Oggau« in der ältesten Rotweingemeinde Österreichs oder das »Gasthaus zur Dankbarkeit« in Podersdorf beziehungsweise das »Presshaus« in Illmitz: Der Neusiedler See bietet eine kulinarische Auswahl, die das umfassende Weinangebot der Region vielseitig ergänzt. Kompakt genießen lässt es sich in Andau, wo Erich Scheiblhofer sein Traditionsweingut zu einem umfassenden Genussressort ausgebaut hat. In »The Scheiblhofer World« in Sichtweite zur ungarischen Grenze werden nicht nur auf über hundert Hektar pro Jahr rund zwei Millionen Flaschen des umfassenden Weinsortiments produziert, sondern im »Infinity«-Restaurant des integrierten Hotels auch exquisites Fine Dining geboten.
Adressen
Millstätter See
See-Villa 1884
Chefkoch Christian Unterzaucher mixt Traditionelles mit modernem internationalem Touch, es gibt fangfrischen Fisch oder Wild aus eigener Jagd. Erlesene Weine.
Seestraße 68, 9872 Millstatt, T: +43 4766 2102
see-villa.eu
Das Moerisch
Alpen-Adria-Küche, in der Fisch aus dem Millstätter See vor der Tür eine prominente Rolle spielt – am liebsten genossen auf der Veranda oder im Teichpavillon.
Tangern 2, 9871 Seeboden, T: +43 4762 81372
moerisch.at
Seefischer
Das Restaurant im gleichnamigen Hotel lockt mit Veranda am Hafen und Zirbenstube. Die gehobene Küche bietet Regionales und Mediterranes, verfeinert mit eigenen Kräutern. Der Weinkeller birgt einige Schätze.
Fischerweg 1, 9873 Döbriach, T: +43 4246 77210
seefischer.at
Wörthersee
Hubert Wallner
Fine-Dining-Menü auf höchstem Niveau. Hubert Wallner versteht es, immer wieder für neue Überraschungen zu sorgen. Auch der Weinkeller hat internationales Format.
Seeplatz 6, 9282 Maria Wörth, T: +43 4273 38589
hubertwallner.com
La Terrasse
Richard Hessl hat eine modern interpretierte Alpen-Adria-Linie entwickelt, die sich ihre Attraktivität konserviert hat. Großartiger Wörthersee-Blick.
Töschling 1, 9212 Pörtschach, T: +43 4272 2377
seefels.at
Porto Bello
Leger und elegant ist die Atmosphäre auf den neuen Terrassen. Köstliche Gerichte mit Wörthersee-Fischen steigern das Wohlgefühl, die Pasta wird selbst zubereitet.
Töschling 1, 9212 Pörtschach, T: +43 4272 2377
seefels.at
Seensucht
Das Powerduo Klaus Dolleschall und Hubert Wallner serviert hier Sommerküche auf höchstem Niveau. Dazu passen Weine aus Kärnten und dem Alpen-Adria-Raum.
Wörthersee-Süduferstraße 86, 9081 Sekirn, T: +43 664 8229000
seen-sucht.com
Seespitz
Thomas Gruber integriert in Bestlage am Wörthersee Kärntner und mediterrane Aromen. Fangfrische Fische kommen aus dem hoteleigenen Schlosssee.
Schlosspark 1, 9220 Velden, T: +43 4274 520000
schlossvelden.falkensteiner.com
Neusiedler See
Taubenkobel
Amuse und Apfeltarte kommen aus dem Holzofen, dazwischen verwöhnt Alain Weissgerber die Geschmacksnerven mit Rauchaal vom Neusiedler See, Ötscherblick-Schwein und gereifter Kuh.
Hauptstraße 31, 7081 Schützen, T: +43 2684 2297
taubenkobel.at
Gasthaus zur Dankbarkeit
Markus Lentsch serviert zeitlos gute Küche aus regionalen Zutaten wie Neusiedler Wels, Steppenrind und Mangalitzaschwein, dazu hauseigene Weine.
Hauptstraße 39, 7142 Podersdorf, T: +43 2177 2223
dankbarkeit.at
Gut Purbach
Pannonische Zutaten und burgenländische Tradition treffen auf französisches Handwerk und Max Stiegls Talent, Bewährtem seinen eigenen Stempel aufzudrücken.
Hauptstraße 64, 7083 Purbach, T: +43 2683 56086
gutpurbach.at
Infinity – The Resort
Der imposante Hotelbau von Winzer Scheiblhofer weiß auch beim Fine Dining herauszuragen. Vor allem punkto Wein reibt man sich die Augen.
Resortplatz 1, 7163 Andau, T: +43 2176 2610800
theresort.at
Zur Blauen Gans
Regionales wird hier großgeschrieben: In der »Blauen Gans« in Weiden am See serviert Oliver Wiegand kreative, schnörkellose Küche mit Fokus auf Nachhaltigkeit. Die Fischgerichte sind ein »Must-try«!
Seepark, 7121 Weiden am See, T: +43 2167 700 00
zurblauengans.at
Das Fritz
Wein und Speisen stehen zu ihrer regionalen Herkunft und werden von Familie Tösch mit generationsübergreifender Leidenschaft zubereitet. Markante Location mit direktem Seekontakt.
Seebad 1, 7121 Weiden am See, T: +43 2167 40222
dasfritz.at
Restaurant Libelle
Den Gast im neuen Restaurant am Neuen Strand erwartet Fusionsküche neu gedacht: Mit pannonischem Masala und Frühlingsrollen mit eigener Chilisauce, Steckerlfisch mit Aiolo und Wildkräutern oder Teriyaki-Beinfleisch.
Seebad, 7091 Breitenbrunn, T: +43 2683 5252
neuerstrand.at