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© Shutterstock/Elliot90/Symbolbild

Jägerball: Der Zukunft auf der Fährte

Jägerball
Salzburg

Wohin geht die Reise? Die Jagdpraxis befindet sich in ständigem Wandel. Falstaff hat nachgefragt.

Die Zukunft der Jagd entscheidet sich nicht nur im Revier, sondern im Verhältnis zwischen Mensch, Wald und Wild. Während Klimakrise, Technik und neue Lebensstile die Anforderungen verschieben, formt sich ein neues Selbstverständnis der österreichischen Jägerschaft.

Christoph Studeny

Blogger vollwild.at und Jagd-Influencer, instagram.com/hunting_stu
29 Jahre, wohnt in Niederösterreich

Wenn ich zehn Jahre in die Zukunft blicke, bin ich überzeugt, dass sich die Jagd vor allem durch Digitalisierung und verschärfte gesetzliche Rahmenbedingungen deutlich verändern wird. Auch unser Wild wird es nicht leichter haben. Immer kleiner werdende Lebensräume und zunehmende Beunruhigungen durch den Menschen werden die Wilddichte, die Gesundheit und die Entwicklung der Bestände beeinflussen. Das Wichtigste für mich als Jäger ist und bleibt unser Wild, dessen Artenerhalt, seine Gesundheit und seine Zukunft.

Valerie Kecht-Kofler

Leistungsrichterin für Jagdhunde, Verein für Jagdgebrauchshundewesen, 60 Jahre, wohnt in Köstendorf bei Salzburg

In meiner Tätigkeit als Leistungsrichterin für Vorstehhunde fällt mir auf, dass die junge Jägergeneration wieder vermehrt Zeit in Ausbildung und Führung eines Jagdhundes investiert. Ein gut geführter Hund ist in der Jagd schlicht unverzichtbar, sei es bei der Nachsuche auf krankes Wild oder beim Apportieren von Enten aus schwer zugänglichem Gewässer. Die grundlegende Jagdhundeausbildung folgt immer einer ähnlichen Struktur. Gleichzeitig wird aber auf aktuelle -Herausforderungen reagiert. So werden beispielsweise im Auftrag des Landes Salzburg Hunde als ASP-Seuchenhunde ausgebildet, um im Ernstfall erkranktes Schwarzwild frühzeitig zu finden und damit die Ausbreitung einer für Hausschweine hochgefährlichen Seuche zu verhindern.

Johann Sulzberger

Bezirksjägermeister Pongau und Landwirt,
72 Jahre, wohnt in Salzburg

Die Jagd ist eigentlich die ureigenste Form der Landwirtschaft. Über die Jahrhunderte hat sich zwar viel geändert, aber in ihrem Ursprung wird sich die Jagd auch in den nächsten zehn Jahren nicht gravierend verändern. Die Technik beeinflusst die Jagd sehr – und aus meiner Sicht nicht unbedingt gut. Die Jagd soll in ihrem Ursprung erhalten bleiben und nicht nur mit Technik gespickt sein. Das Wild soll auch eine Chance haben. Riesige Schussweiten oder die ganze Nachtsichttechnik sehe ich kritisch. Das Wild braucht Ruhezonen, sonst verbraucht es mehr Energie und braucht mehr Futter. Denn Ruhe ist Teil des natürlichen Kreislaufs.

Christoph Burgstaller

Berufsjäger und Gründer von Learn4Hunt: learn4hunt.at
43 Jahre, gebürtiger Kärntner, wohnt im Pinzgau

Ich glaube, dass die Jäger, die sich von der Technik verleiten lassen haben, wieder zu ihren Sinnen zurückkommen. Man braucht ein Gespür für die Natur und wie man sich bewegt. Jungjäger sollten laufend Praxiseinheiten machen, um auf dem neuesten Stand zu sein: Schießübungen, Waffenhandhabung, Erste Hilfe. Technik ist immer so gut wie der Bediener.

Jungjäger haben heute neue Ziele. Viele wollen ein Wildbret erlegen und selbst vermarkten, Würste machen, etwas zum Grillen. Das steht für die Jüngeren mit der Trophäe auf Augenhöhe.

Sophia Sungler

34 Jahre, wohnt in Salzburg und Bad Ischl

Für mich ist die Jagd weder Sport noch Trophäenjagd, ich gehe hinaus, um ein ehrliches, nachhaltiges Lebensmittel zu gewinnen. Ich denke, dass wir uns noch mehr in Richtung Lebensraummanagement bewegen: Waldumbau, Wildverbissregulierung, Klimaeinflüsse. Die Jagd wird dadurch ein Stück weit forstlicher und ökologischer, der Fokus wird wohl stärker auf dem Gesamtsystem Natur liegen. Mein Vater hat immer gesagt: »Wer sauber jagt, hat nichts zu verstecken«. Dennoch fällt mir auf, dass das Vertrauen in die Jägerinnen und Jäger geringer wird, eine Überregulierung führt dazu, dass wir uns nicht mehr auf unser Gespür und unsere Erfahrung fokussieren, sondern lediglich nach Vorgaben handeln. Gleichzeitig verstehe ich, dass Transparenz wichtig ist, gerade in einer Gesellschaft, in der vieles hinterfragt und angezweifelt wird.

Florian Kunz

Wildtierökologe und Wildtiergenetiker, BOKU
33 Jahre, aus Tirol, wohnt in Wien

Nachhaltigkeit geht immer mit Transparenz und Öffnung einher. Die Legimitation der Jagd als Teil eines Wildtiermanagements ist international anerkannt. Die Frage ist, wie sie bestehen wird. Und da sehe ich den klaren Auftrag zur nachhaltigen, modernen Jagd. Die nachhaltige Jagd wird seit rund 20 Jahren auf europäischer Ebene definiert und diskutiert. Nachhaltig jagen bedeutet, dass man die Ressource Wildtier so bewirtschaftet, dass sie sich weder verschlechtert noch daran gehindert wird, sich zu erholen. Im Flachland spielt Wildtiervernetzung eine wichtige Rolle. Grünbrücken, infrastrukturelle Bauwerke – hier ist die Jagd Partner des Naturschutzes. Jagd muss Lebensräume erhalten und Vernetzung berücksichtigen.

Eva Erlacher

Anwältin und Influencerin, instagram.com/austrian_huntress
37 Jahre, aus Kärnten, wohnt in Wien

Die Jagd wird jünger – und weiblicher. Das sehe ich auch in der Jungjägerausbildung, in der ich tätig bin. Wir liegen bei etwa zwölf Prozent Frauenanteil. Ich kann die Kritik an den vielen neuen technischen Geräten verstehen. Aber wenn man in der Nacht Wildschweine bejagt und die Nachtsichtoptik zulässig ist, finde ich es gut, sie zu verwenden, wenn man damit besser und sicherer schießen kann. Ich verstehe die Sorge, dass es Missbrauch geben könnte oder zu viel Bewegung in der Nacht, weil man jagen könnte, egal, ob es Mondlicht oder Schnee gibt. Ich denke, eine weidgerechte Mittellösung ist der richtige Weg.

Peter Baumgartner

Vereinsobmann Salzburger Jägerchor, jägerchor.at
74 Jahre, wohnt in Flachgau

Unser Grundsatz ist die Erhaltung des alten jagdlichen Liedguts und der Jagdmusik, damit das nicht verloren wird, sondern an die nächsten Generationen weitergeht. Bei uns im Verein sind der Jüngste 19 und der Älteste 90 Jahre alt. Wir versuchen, das Brauchtum zu bewahren und weiterzugeben. Wenn etwas erlegt wird, wird das bei uns im Chor noch gefeiert. Der Schütze selbst darf sich noch ein eigenes Lied wünschen.

Kathrin Motz

Betriebsleiterin ÖBf-Forstbetrieb Pongau,
42 Jahre, wohnt in Salzburg

Die Bundesforste sind der größte Naturraumbewirtschafter Österreichs. Wir sehen, dass sich das Umfeld der Jagd stark verändert: Sie wird anspruchsvoller und verlangt neue Herangehensweisen. Gerade deshalb ist es selbstverständlich, dass wir unsere Jagdmethoden laufend weiterentwickeln und gesetzliche Vorgaben konsequent einhalten. Unser zentrales Ziel ist es, einen klimafitten, artenreichen Wald der Zukunft zu schaffen, der den Wandelprozessen des nächsten Jahrhunderts gewachsen ist. Die Jagd spielt dabei eine Schlüsselrolle: Rund 90 Prozent der Jagdflächen werden gemeinsam mit Jagdkunden bewirtschaftet. Die größte Herausforderung wird sein, bei der breiten, vor allem urbanen nichtjagenden Bevölkerung das Verständnis für die Notwendigkeit der Jagd zu schaffen oder zu erhalten. Das wird die kommenden Jahre prägen.

Anton Larcher

Präsident des Dachverband Jagd Österreich 2026

Internationale Zusammenarbeit, Datensicherheit, Monitoring, Jugendförderung und Öffentlichkeitsarbeit bleiben zentrale Aufgaben der Jagd. Die breite Akzeptanz in der Bevölkerung muss mit Fakten und Transparenz gestützt werden. Da politische Entscheidungen zunehmend datenbasiert erfolgen, gewinnt Monitoring – besonders bei Wolf und Bär – an Bedeutung. 2026 sollen alle Reviere ihre Beobachtungen konsequent dokumentieren. Die Weiterentwicklung der Wildtierdatenbank erhöht die Transparenz und stärkt die Datenhoheit der Jägerschaft.


Erschienen in
Falstaff Jägerball Special 2026

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Miriam Al Kafur
Digital Redakteurin
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