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Die Bedeutung der Jagd in der Gesellschaft

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Die Jagd tritt medial oft in negativen Zusammenhängen in Erscheinung, woraus ein sukzessiver Imageschaden resultiert. Um das Ansehen der Jägerinnen und Jäger in der Gesellschaft zu heben, muss mit Halbwahrheiten, Klischees und Mythen aufgeräumt werden. Und dabei steht jeder einzelne Grünrock in der Pflicht. Ein Plädoyer.

Jäger schießt auf Pony«, »Amok-Jäger auf Rachefeldzug«, »Auf der Jagd mit Benko«. Diese und ähnliche Negativschlagzeilen der letzten Wochen und Monate haben dem Image der Jagd Schaden zugefügt und vermitteln den Eindruck, dass mit den Jägern etwas nicht stimme. Dem ist aber nicht so, im Gegenteil.

In Österreich gibt es aktuell rund 130.000 Jäger. Eine Zahl, die im Hinblick auf die Gesamteinwohnerzahl von mehr als  neun Millionen zwar nur einen Anteil von etwa 1,4 Prozent bedeutet, allerdings durch ein vermehrtes Interesse an der Natur und einer eigenständigen Nahrungsbeschaffung seit Jahrzehnten im Steigen ist.

Waidmänner und -frauen können mit Fug und Recht als bestens ausgebildete Naturexperten bezeichnet werden, da sie sich im Jagdkurs enormes Fachwissen aneignen müssen, welches bei der Prüfung von einer Kommission beurteilt wird. Und auch nach der bestandenen »grünen Matura« sind sie angehalten, sich laufend weiterzubilden, etwa im Bereich Wildfleischuntersuchung, um zum Beispiel als behördlich bestellte »kundige Person« die Beschau von Wildkörpern und Eingeweiden vornehmen zu dürfen – dies ist für das In-Verkehr-Bringen des gewonnenen Wildbrets gesetzlich vorgeschrieben. Die Jagdverbände bieten dafür ein umfangreiches Aus- und Weiterbildungsangebot an.

Dennoch gibt es unter den Jägern – wie in allen Berufs- und Interessengruppen – Menschen, die nach außen hin auf- oder gar straffällig werden. Für die einzelnen Jagdverbände gilt es daher, in eine Art »Selbstreinigungsprozess« einzutreten, um sich von negativen Kräften zu lösen, die Jagdgegnern Munition aus den eigenen Reihen liefern.

Botschafter der Jagd

Jeder Jäger kann als Botschafter der Jagd bezeichnet werden. So, wie sich der Jäger in der Gesellschaft verhält – im verwendeten Wortschatz ist zum Beispiel der Respekt gegenüber den erlegten Wildtieren erkennbar –, spiegelt er die gesamte Jagdcommunity als solche wider. Dessen muss man sich stets bewusst sein, denn im Wirtshaus von »Krüppeln« zu sprechen und damit schlecht veranlagte Rehböcke zu meinen, ist etwas, was sich die Jagd schlicht und ergreifend nicht leisten kann.

Die Jagd hat naturgemäß Feinde, die sie am liebsten abschaffen würden. »Die Jagd ist eine Nebenform menschlicher Geisteskrankheit«, wird etwa Theodor Heuss, ehemaliger Deutscher Bundespräsident, gerne von Tierrechtlern zitiert. Und deren gibt es viele, daher muss es das Ziel sein, die Angriffsflächen der Jagd so weit wie möglich zu verringern. Apropos: Diese werden von den Jägerinnen und Jägern oft unbewusst geschaffen, etwa beim Posten eines erlegten Stückes Wild auf Social Media.

Es darf nicht vergessen werden, dass sich ein großer Teil unserer Gesellschaft von den natürlichen Kreisläufen weit entfernt hat und möglicherweise lediglich beim Sport oder Gassigehen damit in Berührung kommt. Etwa dann, wenn ein Bussard auf der Offenfläche eine Maus erbeutet oder der eigene Hund einen Hasen jagt. Auch wenn der Hund über unzählige Generationen domestiziert wurde, handelt es sich dennoch um ein Raubtier, das selbst dann, wenn es vegetarisch ernährt wird, bei passender Gelegenheit seinem Jagdtrieb nachgeht.

Das Wissen um die Vorgänge in der Natur, um Räuber-Beute-Beziehungen und vieles mehr, ist oft nicht (mehr) vorhanden. Ein Beispiel: Kindergarten- oder Volksschulkinder sind heute eher in der Lage, zehn Dinosaurierarten aufzuzählen als ein Reh von einem Hirsch zu unterscheiden. Aber das ist nicht die Schuld der Kinder, sondern letztlich der Jägerschaft anzukreiden, die es offenbar nicht geschafft hat, das Wissen um die heimische Fauna und Flora zu vermitteln. Dieses Versäumnis wird die letzten Jahre massiv aufgeholt, und auch hier ist wiederum jeder Jäger ein Botschafter der Jagd.

Das Verständnis für die Natur und ihre Zusammenhänge, wie Räuber-Beute-Beziehungen, schwindet zunehmend.
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Das Verständnis für die Natur und ihre Zusammenhänge, wie Räuber-Beute-Beziehungen, schwindet zunehmend.

Warum Wildfleisch?

Ein wichtiges Thema, das in vielen Diskussionen pro und contra Jagd immer wieder zu wenig Beachtung findet, ist das Wildbret. Häufig wird in der Argumentation von der (wichtigen) »Wildbestandsregulierung« oder der »Vermeidung von Wildschäden« gesprochen, ohne die Gewinnung des wertvollen Wildbrets ins Kalkül zu ziehen.

In Österreich wurden im Jagdjahr 2023/24 insgesamt 294.361 Stück Rehwild, 58.793 Stück Rotwild, 47.821 Stück Schwarzwild und 20.311 Stück Gamswild erlegt, was in Summe einem Fleischgewicht (reines Fleisch, ohne Knochen) von knapp 5000 Tonnen entspricht. Was im ersten Augenblick enorm erscheint, relativiert sich bei näherem Hinsehen – nämlich dann, wenn man die Zahl mit dem jährlich in Österreich produzierten Nutztierfleisch vergleicht: Das sind 790.000 Tonnen. Interessant ist in diesem Zusammenhang der Pro-Kopf-Verbrauch der Österreicher, der bei Fleischprodukten insgesamt 58 kg im Jahr beträgt (Tendenz sinkend), wovon geschätzt lediglich 0,7 kg auf Wildfleisch entfallen.

Warum aber soll man Wildfleisch konsumieren? Wildfleisch zählt neben Fisch zu den eiweißreichen Fleischarten und zeichnet sich nicht nur durch einen geringen Bindegewebsanteil, sondern auch durch besonders zarte und kurze Muskelfasern aus. Generell gilt Wildfleisch als hochwertiges Nahrungsmittel. Eine seiner herausragendsten Eigenschaften, die den Verzehr nicht nur zum Genuss, sondern auch zu einem Beitrag gegen den Klimawandel macht: Wildfleisch des örtlichen Direktvermarkters ist regional und verfügt daher aufgrund wegfallender, langer Transportwege, über einen günstigen ökologischen Fußabdruck.

Verwertung der Beute

Doch nicht nur Schalenwild (wie Rehe, Hirsche und Wildschweine) oder Niederwild (wie Feldhasen, Fasane und Rebhühner) wird verwertet – weil gegessen –, auch Raubwild hat das Potenzial zur Nutzung einzelner Bestandteile. Und zwar nicht nur dessen Trophäen, sondern zum Beispiel auch dessen Häute. Der Rotfuchs etwa (in Österreich kamen im Jahr 2023/24 insgesamt 65.356 Füchse zur Strecke) verfügt im Winter über einen optimal verwertbaren Balg, der etwa zu Bekleidung oder aber auch zu Accessoires für Haus oder Wohnung verarbeitet werden kann. Die Jäger sind also aufgerufen, den Rotfuchs vor allem in den Wintermonaten zu bejagen, zu erlegen und abzubalgen. Speziell der Jänner ist dazu bestens geeignet, da in diesem Monat die Fortpflanzungszeit (Ranz) stattfindet, die für ferme Raubwildjäger einen Höhepunkt im Jagdjahr markiert.

Doch hierbei krankt es im wahrsten Sinne des Wortes an der Umsetzung, da nicht wenige Jäger Angst davor haben, sich mit einer für den Menschen gefährlichen Zoonose, dem Fuchsbandwurm, zu infizieren. Denn das Abbalgen eines Fuchses per se ist eine Aufgabe von wenigen Minuten – wenn man die Pfoten (Branten) bzw. den Kopf nicht freipräpariert. Hier kommt es selbstverständlich auf das gewünschte »Zielprodukt« an: Für eine Fuchsdecke etwa wird in der Regel nur der Rücken verwendet werden, daher sind die Branten nicht von Bedeutung. Allerdings wird man dafür mehr als einen Fuchs erlegen müssen.

Hinweis am Rande: Um zu sehen, was aus heimischen Rotfuchsfellen entstehen kann, veranstaltet das Jagdmagazin »Weidwerk« in Zusammenarbeit mit der Bundesinnung für Mode und Bekleidungstechnik (Berufsgruppe Kürschner, Präparatoren und Gerber) jährlich den »Red Fox Austria Award«, bei dem modische Kreationen heimischer Kürschner von einer Jury bewertet werden. Dieser findet traditionell im Rahmen der Fachmesse »Die Hohe Jagd & Fischerei« in Salzburg statt, heuer am Samstag, dem 22. Februar, um 13 Uhr (WEIDWERK-Bühne, Halle 10).

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Erschienen in
Falstaff Jägerball Special 2025

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Martin Grasberger
Autor
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