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Lucas Pichlers Grüner Veltliner Wachau DAC Dürnstein ist der diesjährige Jägerball-Wein.

Lucas Pichlers Grüner Veltliner Wachau DAC Dürnstein ist der diesjährige Jägerball-Wein.
© Co Merz

Winzer Lucas Pichler über nachhaltige Jagd und passende Weinbegleiter

Jägerball
Grüner Veltliner

Seit Jahrzehnten zählt das renommierte Weingut F.X. Pichler aus Oberloiben in der Wachau zu den Spitzenbetrieben der internationalen Weinszene. Winzer und Waidmann Lucas Pichler stellt den diesjährigen Wein zum Jägerball.

An die Schlacht von Loiben im Jahr 1805, bei der österreichisch-russische Verbände napoleonische Truppen besiegten, erinnert das monumentale patronenförmige Denkmal am Höhereckberg, das man erblickt, wenn man vom Verkostungsraum des Weinguts F.X. Pichler in Richtung Ried Kellerberg schaut.

Der Sieg wurde dank des »Jägers von Dürnstein« errungen, eines fürstlich-starhembergischen Jägers namens Andreas Bayer, der den alliierten Truppen einen Weg in den Rücken der Franzosen wies.

Seit 2009 verfügen Lucas und Johanna Pichler hier über ein sehenswertes, modernes Weingut, in dessen Keller der Bio-Winzer große Weißweine aus legendären Wachauer Terrassensteillagen erzeugt. Seit drei Jahren hat sich Lucas Pichler nun auch dem Waidwerk verschrieben. Im Interview erzählt er von seiner neuen Leidenschaft und gibt Tipps, welche Weine am besten zu Wildgerichten passen.

Seit 2009 ist das neue Weingut F.X. Pichler in Oberloiben die Heimat unvergleichlicher Weißweinqualitäten.

FALSTAFF: Man erzählt sich, Sie haben sich das Jagdvergnügen im Jahr 2023 zum 50. Geburtstag geschenkt?

Lucas PichlerIch würde das nicht als »Jagdvergnügen« bezeichnen, für mich ist die Jagd einerseits Kulturschutz unserer Weingärten und andererseits eine große Verantwortung gegenüber Lebewesen. Familiär hatte ich keine Vorkenntnisse: ich bin als Kind, etwa im Alter von zwölf Jahren, öfters mal bei Jagden dabei gewesen und habe die erlegten Hasen und Fasane zusammengetragen. Das war in einem Revier bei Strass im Strassertal beim besten Freund meines Opas. Mein Opa war aber selbst kein Jäger. Das war der erste Kontakt mit der Jagd.

Wie sind Sie auf diese Idee gekommen? Durch Freunde oder durch andere Winzer?

Leider hatte ich nie die Zeit, mich diesem Thema ausführlicher zu widmen, obwohl es mich schon immer interessiert hat. Mir ist der Gedanke erst kurz vor meinem 50. Geburtstag gekommen, dann doch endlich die Jagdprüfung zu machen. Ich dachte mir, wenn ich es jetzt nicht mache, wird es wahrscheinlich nichts mehr, da es mit zunehmendem Alter natürlich auch immer schwerer wird, sich den doch sehr umfangreichen Lernstoff zu merken. Zumal ich ja familiär nicht »vorbelastet« bin und es für mich totales Neuland war, speziell die Jägersprache und die verschiedenen Wildarten bis ins Detail zu lernen. Ich habe mir die Jagdausbildung schließlich selbst zum 50. Geburtstag geschenkt. Im Juni 2023 konnte ich die Jagdprüfung erfolgreich ablegen.

Die Jagd ist Kulturschutz unserer Weingärten und eine Verantwortung gegenüber den Lebewesen.

In welchem Revier sind Sie im Einsatz?

Ich bin bei uns in der Gemeindejagd Dürnstein in der Wachau als »Ausgeher« im Einsatz, da wir speziell am Kellerberg, unserer bekanntesten Ried, auch den meisten Wildschaden haben. Im Frühjahr sind es vornehmlich Rehe, die sich an den jungen Rebknospen erfreuen, und im Spätsommer und Herbst sind es die Wildschweine, die einen beträchtlichen Schaden an den Trauben und auch an den Natursteinmauern anrichten. Da auch einige Winzerkollegen und Kunden von uns Jäger mit eigenem Revier sind, mangelt es erfreulicherweise auch nicht an Einladungen.

Was war bisher Ihr Bezug zur Jagd? Was bedeutet sie heute für Sie?

Mich hat die Jagd immer schon fasziniert, da ich auch gerne Wildfleisch esse und es für mich die nachhaltigste und natürlichste Möglichkeit ist, Fleisch zu konsumieren. Das beginnt beim artgerechten Aufwuchs des Wildes im natürlichen Habitat, keinerlei Fremdfutter, Impfungen oder Hormone und kein Stress bei Lebend­transporten oder bei der Schlachtung. Das Wild verendet im besten Fall sofort im Schussknall. Waidgerechtigkeit ist ein wesentlicher Teil der Jagd und mir aus ethischen Gründen sehr wichtig. Für mich ist die Jagd, ob Pirsch oder Ansitz, auch ein sehr guter Ausgleich und bietet Entspannung im stressigen Alltag. Seit ich zur Jagd gehe, nehme ich die Natur viel ­intensiver wahr, und das, obwohl ich mein ganzes Berufsleben in der Natur, sprich im Weingarten verbracht habe. Die Jagd hat mir einen neuen Zugang zur Natur eröffnet.

Wie steht es mit den F.X.-Pichler-Weinen in Bezug auf Wildgerichte? Wahrscheinlich wird bei Ihnen heute öfter Wild auf den Tisch kommen als früher. Haben Sie irgendwelche Lieblingskombinationen?

Wein und Wild sind von jeher ein besonderes Thema, denn sei es gereifter Weißwein zum Wildkaninchen und Wildschweinbraten oder klassisch ein intensiver Rotwein zum Hirsch- oder Reh­ragout, da gibt es perfekte Kombinationen. Auch Wildbeuschel mag ich sehr, da passt ein schön gereifter Riesling mit moderatem Rest­zucker sehr gut. Wildfleisch gibt es jetzt viel öfter auch bei uns zu Hause. In Gasthäusern und Restaurants achte ich auch viel mehr darauf, ob Wild auf der Karte steht. Auch bei Innereien werde ich immer offener. Wenn ich Wild bei uns erlege, breche ich es bei mir am Weingut in meiner Wildkammer auf, da es hygienischer ist und der Weg vom Revier ein sehr kurzer. Danach wird das Stück in der Decke für einige Tage abgehängt, bevor ich es zum Zerwirken zum Fleischhauer meines Vertrauens bringe. Die Rehleber gibt’s dann gleich am selben oder am nächsten Tag! Die vakuumierten Teile des Wilds, das ich vom Fleischhauer zurückbekomme, werden dann meist noch selbst weiterverarbeitet. Letztes Jahr haben wir zum ersten Mal selbst Milzschnitten vom Reh als Suppeneinlage gemacht. Ich habe die Milzschnitten meiner Mutter und meiner Oma immer geliebt, und mein Ergebnis schmeckte auch recht gut.

F.X. Pichler

Mit klarem Fokus auf Grünen Veltliner und Riesling steht F.X. Pichler für höchste österreichische Weißweinqualität.

Lucas Pichler führt gemeinsam mit seiner Frau Johanna, einer Winzertochter aus Rheinhessen, das Familienweingut. Das Kapital in Form der besten Rebstöcke vom Grünen Veltliner geht auf den Großvater Franz Pichler zurück. Der Qualitätsfanatiker dokumentierte akribisch die Leistung und Eigenschaften der einzelnen Weinstöcke mit dem Ziel, das Erbgut der besten zu vermehren, und selektionierte aus den Urgestein-Terrassen am Loibenberg die für ihn besten Rebstöcke. Dem Vater, Franz Xaver Pichler, gelang dann der internationale Durchbruch – getreu seinem Motto: »Für einen großen Wein benötigt man eine Spitzenlage und darüber hinaus einen unbändigen Willen, etwas Großes daraus zu schaffen.« Im Hause Pichler ist es immer das erklärte Ziel, Weine zu keltern, die ein getreues Abbild des Jahres, des Bodens und des speziellen Mikroklimas der Wachau sind.

Beste Lagen, beste Weine

Heute verfügt Lucas Pichler, der die -Vinifikation bereits ab dem Jahrgang 2000 mit rund 14 Hektar übernommen hat, über rund 20 Hektar in Toprieden.

Diese erstrecken sich im Osten von den Rieden Steinertal und Rothenhof über Burgstall, Loibenberg und Liebenberg bis zur weltweit bekannten Topriede Dürnsteiner Kellerberg. In der Ebene des Loibner Beckens sind die Rieden Frauenweingarten, Trum und Klostersatz erwähnenswert. Rund die Hälfte der Fläche ist mit Grünem Veltliner, die andere mit Riesling bestockt – und einer sehr geringen Menge Gelben Muskatellers in der Ried Loibenberg. Etwa 35 Prozent der Reben wachsen auf den steilen Urgestein-Terrassen, die nur von Hand bearbeitet werden können, ein Wachauer Kulturgut, dessen intensive Pflege viele Jahrhunderte zurückreicht. Lucas Pichlers Handschrift sind authentische Weine aus einem Guss. Die feinen Nuancen der Lagen sind in ihrer Einzigartigkeit spürbar, erkennbar und schmeckbar.

 

  • Weingut F.X. Pichler
  • Oberloiben 57, 3601 Dürnstein
  • fx-pichler.at

 

Hatten Sie auch schon Pirschgänge im ­alpinen Bereich?

Die Gebirgsjagd ist für mich ein besonderes Erlebnis. Ich hatte bereits das große Vergnügen, von einem sehr gut befreundeten Hotelier vom Arlberg auf eine Birkhahn-Jagd eingeladen zu werden, das war unvergesslich. Wir sind sehr früh am Morgen, noch im Dunklen aufgebrochen und über Schneefelder zu einer kleinen Jagdhütte aufgestiegen, auf der wir die Nacht verbracht haben. Allein die Beobachtung der Balz war faszinierend. Ebenso einzigartig ist die Jagd im Gebirge auf Gams- und Rotwild, da freue ich mich auf noch viele aufregende Erlebnisse in der Zukunft.

Wir danken für das Gespräch und freuen uns auf komplexe, gereifte Spitzen-Wachauer aus dem Hause F.X. Pichler, passend zu einem feinen Gericht aus der Wildküche.

Der JägerBall-Wein


Grüner Veltliner Wachau DAC Dürnstein 2025

Weingut F.X. Pichler, Oberloiben, Wachau
Die Rieden-Cuvée aus Dürnsteiner Terrassenlagen zeichnet sich durch trinkanimierende, fruchtige und dezent mineralische Weine aus. Dieser Grüne Veltliner bietet ein sehr typisches, würziges Bukett nach Kräutern, Apfel und weißem Pfeffer und besticht mit dichtem Körper und schöner Länge.

 

 

Foto beigestellt

Erschienen in
Falstaff Jägerball Special 2026

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Peter Moser
Peter Moser
Chefredakteur Wein
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