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Julia Child: Die Mutter aller Kochshows

Kochbuch
Französische Küche

Sie war über einen Meter achtzig groß, sprach mit hoher Stimme – und brachte Millionen bei, wie man ein Huhn tranchiert. Julia Childs Geburtstag ist Anlass, sich an die Köchin zu erinnern, die Amerika die französische Küche näherbrachte.

Am 15. August hätte Julia Child ihren Geburtstag gefeiert. Sie wäre 113 Jahre alt geworden. Die Amerikanerin war alles andere als die typische Hausfrau: Groß gewachsen, mit lauter Stimme und Lachen, verteidigte sie ihren Platz in einer Männerdomäne und wurde für Millionen Amerikanerinnen zum Vorbild.

Child war kein Naturtalent am Herd. Erst mit Mitte dreißig und einem Umzug nach Frankreich entdeckte sie ihre Leidenschaft für das Kochen. An der Schule »Le Cordon Bleu« lernte sie, der französischen Küche Herr zu werden. Doch dies gelang ihr erst nach einigen Diskussionen: Die Kochschule wollte sie zuerst in einen Kochkurs für Beginnerinnen stecken. Im Jahr 1961 erschien ihr erstes Buch, das sie mit zwei französischen Kolleginnen geschrieben hatte. Das über tausend Seiten schwere »Mastering the Art of French Cooking« war bald in allen amerikanischen Haushalten zu finden. Den Frauen gelang es, die komplizierten französischen Gerichte leicht verständlich rüberzubringen.

Kein Anspruch auf Perfektion

Was Childs Erfolg ausmachte, waren nicht nur ihre Rezepte selbst, sondern ihre Art das Kochen als Abenteuer zu verkaufen. In ihrer Fernsehsendung »The French Chef« machte sie das Publikum mit französischen Klassikern wie Beurre blanc, Coq au Vin oder Bœuf Bourguignon vertraut. Sie ließ Töpfe scheppern und brannte auch mal etwas an. Und lachte dann darüber. Sie hatte nicht den Anspruch, Perfektionistin zu sein. So lernten viele, dass französische Küche nicht elitär sein muss.

Vorbild für viele

Childs Einfluss ist bis heute spürbar. Denn sie inspirierte eine ganze Generation von Fernsehköch:innen. Angefangen bei Martha Stewart bis hin zu Anthony Bourdain. Warum Child bis heute fasziniert? Zum einen war Child die perfekte Mischung aus exzentrischer Tante und strenger Lehrerin. Doch sie brachte auch Humor in die Gastronomie, eine Welt, die bis dato von strengen Küchenchefs und deren Regime geprägt war. Ihr Credo bleibt nach wie vor in Erinnerung: Fehler sind erlaubt, solange man weitermacht.

Auch wenn seit ihrem Tod 2004 neue Trends die Gastronomie erobert haben, bleiben Child und ihre Philosophie ein Fixpunkt. Wer heute Kochshows schaut oder Foodblogs liest, steht unbewusst in ihrer Tradition. Oder wie sie selbst sagte: »People who love to eat are always the best people.«

Miriam Al Kafur
Digital Redakteurin
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