Kann künstliche Intelligenz beurteilen, was gutes Essen ist?
»TUI« hat mithilfe von ChatGPT 212 Restaurants im DACH-Raum analysiert und ein Schnitzel-Ranking veröffentlicht. Grundlage sind dabei unter anderem Bildauswertungen und verschiedene Datenpunkte. Doch was sagt so ein Ranking eigentlich über gutes Essen aus?
Diese Geschichte klingt zunächst nach einem klaren technologischen Fortschritt. Eine KI analysiert 212 Restaurants im DACH-Raum und kürt das beste Schnitzel. Fotos werden ausgewertet, Kriterien wie Bräunung, Panade, Portionsgröße und Präsentation fließen in einen Score ein und am Ende entsteht eine Rangliste. Das liest sich nun erstmal so, als hätte endlich jemand das große kulinarische Rätsel gelöst. So einfach ist es dann aber doch nicht.
Kein Bissen, nur Pixel
Denn ChatGPT hat natürlich kein einziges dieser Schnitzel gegessen. Der KI hat auch keines gerochen, geschnitten oder mit einem Spritzer Zitrone versehen. Sie hat Bilder analysiert. Und aus diesen Bildern versucht, Rückschlüsse zu ziehen: Ist die Panade goldbraun? Sieht die Portion großzügig aus? Wirkt der Teller ordentlich angerichtet? Das ist ein bisschen so, als würde man sagen: »Ich bewerte ein Konzert, aber ich schaue mir nur Fotos vom Publikum an.« Man erkennt vielleicht, ob viel los war, ob Leute lachen oder ob es eine Bühne gibt, aber ob der Abend gut war, kann man nicht wissen.
Das soll nun auch nicht heißen, dass die Lokale im Ranking nicht gut wären. Viele der gelisteten Restaurants haben sich ihren Ruf über Jahre aufgebaut und gelten auch unabhängig von solchen KI-Experimenten als verlässliche Adressen. Das Ranking bildet also nicht aus dem Nichts heraus Qualität ab, sondern bewegt sich in einem Umfeld, in dem ohnehin schon viel gute Küche vorhanden ist. Der entscheidende Punkt liegt eher darin, was hier eigentlich bewertet wird. Die KI beurteilt nicht das Schnitzel selbst, sondern das Schnitzel so wie es auf einem Bild wirkt. Ein Teller kann spektakulär aussehen und das Gericht darauf geschmacklich solide sein oder umgekehrt eher unscheinbar wirken und trotzdem kulinarisch überzeugen. Fotos erzählen eben nur einen Teil der Geschichte.
Die Entscheidung fällt am Tisch
Und genau deshalb ist die spannendere Frage am Ende vielleicht gar nicht, welches Schnitzel vorne liegt, sondern was solche Rankings überhaupt sichtbar machen. Die eigentliche Entscheidung darüber, was wirklich gut ist, sollte wohl weiterhin dort fallen, wo sie immer gefallen ist, nämlich am Tisch und nicht am Bildschirm.