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»Klinkerbar« Hamburg: die feurige Schwester des »Klinker«

Hamburg
Kulinarik
Pop-up

Mit dem »Feuerdrache by Klinkerbar« ist im Hamburger Szeneviertel St. Pauli ein kulinarischer Ableger des »Restaurant Klinker« eingezogen. Hier gibt es unkomplizierte Gerichte vom Grill aus besten Produkten und eine Weinkarte mit Anspruch.

Die Klinkerbar ist zurück. Mit einem Beinamen und neuem, erweitertem Konzept. Nachdem es am alten Standort Probleme mit den Nachbarn und den Drang nach kreativer Veränderung gab, ist sie in die Räume des ehemaligen »Haco« auf St. Pauli gezogen. Dort haben die Macher vom »Restaurant Klinker«, Aaron Hasenpusch und Marianus von Hörsten, einen Ort geschaffen, der Hamburg fehlte.

Jung, dynamisch & unaufgeregt

Mit legeren Gerichten aus Produkten aus verantwortungsvoller Erzeugung und einer spannenden Auswahl an biodynamischen Weinen, unter anderem von Clemens Busch. Für die Küchenleitung haben sie Lion Klotsch (zuvor u.a. »Salt&Silver«) dazugeholt, die Desserts kommen von Florian Hartinger, der bis dahin die Pâtisserie im »Nobelhart & Schmutzig« leitete.

Der Zusatz »Feuerdrache« ist ein Tribut an den Sohn von Koch Lion Kotsch, der, wenn er mal wieder etwas verzapft hat, gerne auf den fiktiven »Feuerdrachen« als Übeltäter verweist.

Der ungewöhnliche Name könnte aber auch ebenso als Verweis auf die bevorzugte Zubereitungsart hinweisen: über offenem Feuer.

Ein erster Vorgeschmack auf das Niveau des Abends ist das herausragende Sauerteigbrot aus der Bäckerei von Hof Wörme mit Schnittlauchbutter. Auf dem Hof ist Marianus von Hörsten aufgewachsen, sein Bruder Nico ist der Bäcker. Das Brot hat eine krosse Kruste und eine saftige, grobporige Krume – genau so muss das sein.

Die Rote Bete für das vegetarische Tatar wurde im Salzteig gegart und hat durch ein Rauch-Öl ein intensives BBQ-Aroma. Hinzu kommen eingelegte Senfsaat und Rosinen und ein Hauch Schärfe durch frisch geriebenen Meerrettich. Die gebeizte Lachsforelle stammt vom Bio-Forellenhof Benecke aus der Lüneburger Heide und wird mit Chili-Öl, rohem Rhabarber & frischen Wildkräutern kombiniert.

Sommerliche Genüsse

Der grüne Spargel vom Grill kommt mit erfrischender Gremolata (Petersilie, Zitronenzesten und Knoblauch), Kapern, geriebenem Parmesan und reichlich Nussbutter.

Alle Speisen haben ein ähnlich hohes Niveau, einzelne Highlights hervorzuheben ist kaum möglich. Die Arancini wären jedoch ein echter Kandidat dafür: Die Bällchen aus bissfestem Salbei-Risotto sind perfekt knusprig frittiert und werden mit dem Saft von gegrillter Zitrone und einer köstlichen Aioli (auf Milchbasis, ohne Ei) zu einem himmlischen Snack.

Mit der Artischockentarte folgt dann klassisches französisches Küchenhandwerk: Mürber Teig, darauf cremiger Ricotta, gegrillte Artischocken und ein ätherischer Kräuter-Salat.

Fein, cremig, aromatisch

Die hauchdünn geschnittenen Kohlrabi-Scheiben sind ein weiterer Beweis, wie fantastisch hier die vegetarische Küche ist. Sie sind knackig gegart, von einer cremigen Haselnuss-Sauce umgeben, hinzu kommen noch eine mit Lorbeer aromatisierte Butter und geröstete Haselnüsse.

Einzige fleischige Ausnahme an diesem Abend sind die Agnolotti mit einer Füllung vom geschmorten Ochsen. Die perfekt ausgearbeiteten Teigtaschen schwimmen in einer tiefaromatischen Rinderbrühe mit brauner Butter und Schnittlauch.

Genuss auf Zeit

Zum Abschluss gibt es einen Klassiker in Hochform: Tiramisu. Hausgemachte Biskotten wurden mit österreichischem Marillenbrand getränkt, darüber liegen eine leichte Mascarpone-Creme und hauchdünne Späne aus dunkler Schokolade.

Die Klinkerbar zeigt, wie legere und niedrigschwellige Gastronomie geht: Kreative und gleichsam zugängliche Gerichte, lässige Umgebung und obendrein noch Produkte allererster Qualität. In den aktuellen Räumen ist das Bar-Restaurant nur als Pop Up. Man wünscht sich, sie bliebe dort ewig oder setzt ihren furiosen Stil an anderer Stelle in Hamburg fort.


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Benjamin Cordes
Benjamin Cordes
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