»Nur Karotten zu essen ist ja auch keine Lösung«
Falstaff traf den Elīna Garanča zum Interview und sprach mit dem gefeierten Opernstar über »Falstaff« (Oper), Diäten und Lakritzen.
Falstaff: Wenn Sie essen gehen, welche Restaurant bevorzugen Sie?
Elīna Garanča: Lokale wie den »Plachutta« in Wien, weil es da den besten Tafelspitz gibt. Ich mag gerne Speisen, die auf eine natürliche Art zubereitet werden. Hätten wir uns in Riga getroffen, dann hätte ich die »Garage« vorgeschlagen. Die Restaurant-Besitzer sind alte Freunde von mir.
Falstaff: Wie stehen Sie als Opernsängerin zu Figuren wie dem Falstaff?
Elīna Garanča: Zwei Herzen schlagen in meiner Brust. Ich kann den Falstaff, den Lebemann, gut verstehen, weil ich selbst gerne gut essen gehe und einen teuren Wein trinke. Andererseits essen wir, um zu leben. Das ist die Kontradiktion. Für mich bedeutet dies, auch ganz einfache Speisen wie Salate, Kartoffeln oder Sauerkraut zu essen. Nur Feinschmecker zu sein und Trüffel und Crème brulée zu essen ist ja auch langweilig.
Falstaff: Also gönnen Sie sich auch mal echte Kalorienbomben. Wie verträgt sich das mit Ihrer schlanken Figur?
Elīna Garanča: In jeder Diät gibt es ja einen Tag pro Woche, an dem man sich so richtig gehen lassen kann und wo ich auch Zuckerbomben zu mir nehme. Derzeit stelle ich gerade meine Ernährung um, weil ich bei verschiedenen Ärzten war, die mir dazu geraten haben.
Falstaff: Ist das Schlemmen damit obsolet?
Elīna Garanča: Nein, weil einfach nur Karotten zu essen ist ja auch keine Lösung. Ich kann eine Konzertvorstellung nur mit einem Salat nicht überleben. Da brauche ich mehr. Um die Leistung auf der Bühne zu bringen, dazu kommen noch meine zwei Kinder und wenig Schlaf, ist gute Nahrung notwendig. Nichts Kompliziertes, ich denke da an einen gedünsteten Fisch mit Olivenöl. Das reicht.
Falstaff: Sie verbringen also gern Zeit in der Küche?
Elīna Garanča: Nein, nicht wirklich. Ich verstehe nicht, warum man so viele Stunden in der Küche verbringen muss, wenn man in der Zeit etwas anderes, Sinnvolleres machen kann. Es geht ja nur ums Essen. Ich will einfache und schnelle Gerichte, bei denen man den Geschmack der einzelnen Zutaten immer noch
herausschmeckt.
Falstaff: Was geht beim Essen gar nicht?
Elīna Garanča: Austern gehen gar nicht. Vor einigen Jahren war ich mit meinem Mann in einem berühmten Meeresfrüchte-Lokal in Frankreich, als wir aus Italien kamen, und da waren Muscheln und Krebse, und die waren alle roh. So viel Wein habe ich, glaube ich, in meinem Leben noch nie getrunken. Jedes von den Stückchen musste ich mit einem Glas Wein runterschlucken, damit es nicht wieder nach oben kam. Und das andere, was überhaupt nicht geht, sind Lakritzen.
Falstaff: Gibt es für Sie Parallelen zwischen Musikgenuss und kulinarischen Genüssen?
Elīna Garanča: Ja natürlich. Man geht ja auch nicht jeden Tag in die Oper. Mit sehr feinem Essen ist es ähnlich. Wer geht schon täglich ins Luxusrestaurant. Ein gutes Essen ist wie eine gute Aufführung. So etwas ist eben nicht alltäglich. Und das ist gut so.
Elīna Garanča
Elīna Garanča stammt aus einer Musikerfamilie in Riga und trat bereits mit 21 Jahren in Bukarest und Athen auf. Über die Opernhäuser Meiningen und Frankfurt/Main gelangte sie an die Staatsoper in Wien, wo sie als Lola in »Cavalleria rusticana« debütierte. Die Mezzosopranistin wurde zu einer der gefragtesten Sängerinnen. Erst vor Kurzem erschien auf dem Label Deutsche Grammophon ihre neue CD »Meditation« mit geistlichen Liedern aus verschiedenen Zeitepochen.
Interview: Wolfgang Weitlaner
Aus Falstaff Nr. 08/2014