»Rum ist ein wichtiger Teil unserer Kultur«
Asbel Morales ist seit über 30 Jahren in der Rum-Industrie zuhause und prägt als einer von neun »Maestros del Ron Cubano« die Kultur des kubanischen Rums maßgeblich. Im Interview spricht er über Tradition, Hingabe und Handwerk.
Asbel Morales ist einer von neun »Maestros del Ron Cubano« und damit so etwas wie ein Fackelträger der kubanischen Rum-Kultur. Er begann seine Reise durch den kubanischen Rum während einer Ausbildung, als er gerade 20 Jahre alt war. Mehr als dreißig Jahre später ist er einer von vier Maestros Del Ron Cubano, die exklusiv für Havana Club arbeiten. Asbel ist damit eine treibende Kraft in der Geschichte von Havana Club.
Er schützt und perfektioniert die traditionellen kubanischen Rum-Herstellungstechniken, die von den vorherigen Generationen in den letzten 150 Jahren entwickelt wurden. Ein Know-how übrigens, das seit 2022 von der UNESCO als immaterielles Weltkulturerbe anerkannt ist. Seit 2007 arbeitet er in der Destillerie San José von Havana Club und überwacht jeden Schritt des Produktionsprozesses. Er ist zudem der Architekt der »Icónica Collection«, der Prestige-Reihe von Havana Club. Falstaff hat Asbel Morales in München zum Interview getroffen.
Falstaff: Maestro del Ron ist ein sehr klangvoller Titel. Aber was genau bedeutet das? Was macht man als Maestro del Ron?
Asbel Morales: Um das zu verstehen, muss man wissen, dass wir in Kuba eine Maestro del Ron-Bewegung haben. Das ist kein Beruf, den man erlernen kann und auch kein Titel, den man an einer Universität bekommt. Um Maestro zu werden, muss man in der Rum-Industrie zu Hause sein, quasi in ihr leben. Der Titel ist zudem eng mit der kubanischen Kultur verbunden. Aber natürlich musst du vorbereitet sein und dein Wissen in den verschiedensten Produktionsbereichen von kubanischem Rum ausbauen, denn für jeden einzelnen davon braucht man ganz spezielles Wissen - egal ob für die Gewinnung der Melasse, die Fermentation, die Destillation, die Reifung oder am Ende das Blending. Um dieses Wissen zu erlangen, braucht es viele Jahre. Und natürlich muss man sensorisch gut geschult sein. Das alles ist es, was einen Maestro del Ron Cubano ausmacht. Am Ende muss man aber verstehen, dass der Rum ein wichtiger Bestandteil der kubanischen Kultur ist. Und diese Kultur musst du in das Produkt übertragen, damit die Konsumenten sie erleben können. Wenn du aber sagst, dass kubanischer Rum Teil der kubanischen Kultur ist, bist du automatisch nicht nur Maestro del Ron für eine einzelne Marke, sondern Vertreter einer ganzen Bewegung. Heute gibt es neun Maestros in Kuba, davon sind zwei Frauen. Und wir treffen uns regelmäßig, um gemeinsam die Kontinuität und Qualität des kubanischen Rums sicherzustellen, selbst wenn wir für verschiedene Marken arbeiten. Das ist einzigartig.
Welchen Teil Ihrer Arbeit schätzen Sie am meisten, welcher ist der herausforderndste?
Das werde ich tatsächlich sehr oft gefragt, sogar zuhause in Kuba. Wie gesagt ist jeder Schritt in der Produktion wichtig und jeder hat Einfluss auf den Geschmack des Rums. Bei der Fermentation beispielsweise kann man riechen, mit welchen Aromen du später rechnen kannst. D.h. heißt, bereits hier musst du Entscheidungen treffen, die sich auf alles Spätere auswirken. Und bei der Destillation ist es so, dass jede Marke ihre eigene, ganz spezielle Column-Still hat. Hier kann man das Aguardiente (Feinbrand) so austarieren, wie man es für den späteren Rum benötigt. Später musst du auf die Fässer schauen: Hat es das Potenzial für eine gute Reifung? Und das bekommst du nur heraus, wenn du an jedem Einzelnen riechst. Ganz zum Schluss wartet noch das Blending, wobei du die unterschiedlichen Profile des Destillats finden und selektieren musst. Immerhin bekommst du durch jedes Fass einen anderen Rum, selbst wenn du das gleiche Aguardiente reingefüllt hast. Man sieht: jeder Schritt ist wichtig, herausfordernd und komplex. Ich mache sie aber alle gern.
Viele Rums, die derzeit auf den Markt kommen, sind, anders als Havana Club, eher süßlich. Ist das ein großer Trend im Rum-Segment?
In der Welt des Rums verändert sich gerade sehr viel und viele Konsumenten greifen auch zu süßeren Rums. Wir aber stützen uns auf eine Tradition, die über 150 Jahre alt ist. Wir sprechen in Kuba nur von Rum, wenn dieser weniger als 20 Gramm Zucker enthält. Für alles Süßere haben wir dann die Kategorie der »Spirit Drinks«, an der wir auch arbeiten. Die Basis ist aber immer kubanischer Rum. Ich sehe aber auch einen anderen Trend: Rums mit höherem Alkoholgehalt. Das hat man auf den letzten großen Messen sehr schön beobachten können, wo es eine große Vielfalt solcher High-ABV-Rums gab.
Havana Club strebt gerade die Anerkennung einer geschützen Herkunftsangabe (GI) in der EU an. Wie wichtig wäre das ganz allgemein für den kubanischen Rum?
Wir haben bereits die DOP (Denominación de Origen Protegida), aber es stimmt, auf die Anerkennung in Europa warten wir derzeit noch. Das wäre für uns natürlich sehr wichtig, wenn man in Europa unsere Art der Rum-Herstellung anerkennen würde. Das würde den kubanischen Rum und seine Herkunft weiter stärken.