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Münchendorf.

Münchendorf.
© Adrian Almasan

»Wir müssen flexibel bleiben«: Herausforderndes Jahr für Thermenregion

Wein
Weinlese
Österreich
Interview

Die Winzer:innen der Thermenregion stellen sich den schwierigen Bedingungen und blicken nun auf einen qualitativ hochwertigen Jahrgang 2024, der trotz der extremen Wetterbedingungen vielversprechend ist.

Die Weinlese 2024 in der österreichischen Thermenregion startete so früh wie nie zuvor und stellte die Winzer:innen vor außergewöhnliche Herausforderungen. »Die extrem hohen Tages- und Nachttemperaturen im August haben den Reifeprozess beschleunigt«, berichtet Heinrich Hartl, Obmann des Regionalen Weinkomitees. Betriebe mit maschineller Lese waren im Vorteil, während jene mit Handlese, wie Hartls Weingut in Oberwaltersdorf, besonders früh am Tag beginnen mussten, um der Hitze zu entgehen.

Trotz der klimatischen Herausforderungen ist die Qualität des Traubenmaterials erfreulich. Christian Eitler von der Bezirksbauernkammer Baden und Mödling zeigt sich zufrieden: »Unsere regionstypischen Sorten haben sich bewährt, und wir können uns auf einen tollen Jahrgang freuen.« Besonders profitieren konnten spätreifende Sorten wie Rotgipfler und Zweigelt, die zufriedenstellende Mengen lieferten.

Die Weingüter und ihre erschwerte Planung

Doch nicht alle konnten den verfrühten Reifeverlauf problemlos meistern. Katharina und Matthias Zechmeister-Mittl vom Weingut Zechmeister in Perchtoldsdorf berichten von einer erschwerten Planung: »Da unsere Heurigen-Termine bereits im Voraus feststehen, waren wir wenig flexibel. Die Trauben reiften etwa zwei Wochen früher als üblich, was den Lesezeitpunkt kritisch machte.« Für die Zukunft planen sie, ihre Ausstecktermine an die klimatischen Bedingungen anzupassen.

In Teesdorf begann die Lese auf dem Bio-Weingut Frühwirth bereits am 20. August. »Noch nie haben wir so früh gelesen«, sagt Hans Frühwirth. Die hohen Temperaturen von bis zu 36 Grad Celsius stellten das Team vor große Herausforderungen. Dennoch erwartet der Winzer kräftige, extraktreiche Weine, vor allem in den steinigen Lagen der östlichen Thermenregion. Andere Lagen, etwa in Leobersdorf oder Bad Vöslau, überstanden die Trockenheit besser, sodass auch fruchtigere Weine zu erwarten sind.

Auch Daniel Plos vom Weingut Plos in Sooß betont den extrem frühen Erntebeginn. Dank der Hitze reiften die Trauben schneller, was eine komprimierte Lese ermöglichte. »Wir hoffen auf einen sehr guten Jahrgang, auch wenn es mengenmäßig ein kleines Jahr wird, bedingt durch Spätfröste und einen geringeren Saftanteil in den Trauben«, so Plos.

Die Natur hat uns wieder einmal gezeigt, wer das Sagen hat. Trotz geringer Mengen bei einigen Sorten zeigen sich die Jungweine vielversprechend. Ein herausfordernder Jahrgang, der uns gelehrt hat, flexibel zu bleiben.
Heinrich Hartl

Johanna und Gregor Schup vom Weingut Schup in Guntramsdorf schätzen die Vorteile ihrer humusreichen Böden, die in Trockenphasen Wasser besser speichern. Durch selektive Handlese konnten empfindliche Burgundersorten frühmorgens bei kühleren Temperaturen geerntet werden. Für die Zukunft plant das Winzerpaar den Anbau später reifender Klone und den Einsatz von Zypressen zur natürlichen Beschattung.

Lorenz Alphart vom Weingut Alphart am Mühlbach in Traiskirchen begann die Lese ebenfalls ungewöhnlich früh, am 21. August. Durch Spätfröste fielen die Erntemengen in tieferen Lagen geringer aus, doch die Qualität ist vielversprechend. Dank konsequenter Laubarbeit und dem Einsatz von Solarstrom zur Kühlung der Trauben konnte der Winzer optimale Reife und eine feine Säurestruktur erzielen.


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