Blaufränkisch ist wohl die wertvollste autochthone Rotweinsorte Österreichs und sorgt auch bei der internationalen Weinpresse regelmäßig für Furore.

Blaufränkisch ist wohl die wertvollste autochthone Rotweinsorte Österreichs und sorgt auch bei der internationalen Weinpresse regelmäßig für Furore.
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Zeit der Reife: Der Leithaberg DAC Cup 2023

Bei der Gründung des Vereins Leithaberg war das Gebiet noch nicht als DAC definiert. Trotzdem hatten die Winzer ein klares Ziel für ihren Wein: Er sollte elegant und fein sein. Mit dieser Idee lagen sie weit vor anderen in ihrer Zeit.

Der Leithaberg ist für diese Art von Weinen prädestiniert. Die Böden sind hier stark von Kalk und Schiefer geprägt, die schon per se für mineralisch-salzige Noten und damit auch für wunderbaren Trinkfluss sorgen. Die besten Weine definieren sich hier nicht über ihren Alkoholgehalt, ganz im Gegenteil. Sie zeigen ihre Herkunft im besten Sinne. Nie opulent, sondern seidig umschmeicheln die Weine, ob rot oder weiß, den Gaumen. Dass sie dabei auch über großes Lagerpotenzial verfügen, macht die Sache noch spannender.

Für die diesjährige Verkostung wurden Weine aus drei unterschiedlichen Jahrgängen eingereicht. Erstmalig wurde die kleine, aber feine Gruppe der weißen Leithabergweine aus der Rebsorte Grüner Veltliner zusätzlich zu den eleganten Blaufränkisch-­Weinen im Speziellen unter die Lupe genommen. Alle anderen weißen Vertreter sind ja Gegenstand der Falstaff Burgunder Trophy, die ihrerseits um die Sorte Neuburger erweitert wurde, die nicht zu den weißen Burgundern zählt, mit diesen aber – anders als Grüner Veltliner – stilistisch verwandt ist. Der Grüne Veltliner, in den Köpfen vieler Konsumenten mit dem Bundesland Niederösterreich gleichgesetzt, hat auch im Burgenland eine zwar abnehmende, aber nicht zu unterschätzende Bedeutung. Über 1.100 Hektar sind hier im Ertrag.

Und wenn man bedenkt, dass vor nicht allzu langer Zeit der fehlende Elternteil der Sorte neben dem Traminer in St. Georgen bei Eisenstadt entdeckt und auf den Namen St.-Georgen-Rebe getauft wurde, dann besteht gerade zum Leithaberg eine besonders starke Beziehung. Es spielen in der aromatischen Prägung der Leithaberg-Veltliner die jeweiligen Böden eine unübersehbare Rolle.

Die in hoher Lage für die Sorte maßgeschneiderte Ried Himmelreich zwischen Purbach und Donnerskirchen ist gekennzeichnet von einem Boden aus Glimmerschiefer, der sich in der Ried Goldberg am Hangfuß ebenfalls teilweise wiederfindet, aber bereits mit Leithakalk durchmischt ist. Auf fast reinem Leithakalk stehen die Ried Halser im Osten von Purbach wie auch der Joiser Altenberg. Die Ried Lamer in St. Margarethen hat – wie ihr Name verrät – eine Lehmauflage, darunter aber einen Boden aus verwittertem Glimmerschiefer, steht dem Grünen Veltliner vom Himmelreich also aromatisch näher als ihren unmittelbaren Nachbarn.

Im Jahrgangsvergleich zeigt sich 2021 als großes Weißweinjahr mit komplexen, saftigen und lagerfähigen Weinen, das Jahr 2016 war bei den Weißweinen etwas weniger dicht, die Veltliner sind aber mit guter Säure ausgestattet und haben ihre erste Trinkreife erreicht. Auch bei den weißen Leithaberg-Weinen zeigt sich also ganz klar, dass man diesen Geschöpfen durchaus Zeit zur Reife geben kann und auch soll.

Mit Grünem Veltliner vom Leithaberg machen die Burgenländer den niederösterreichischen Kollegen durchaus Konkurrenz.
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Mit Grünem Veltliner vom Leithaberg machen die Burgenländer den niederösterreichischen Kollegen durchaus Konkurrenz.

Bei den Blaufränkisch-Leithaberg-DAC-Weinen standen 2020 und 2016 zur Debatte. Vom noch immer sehr jugendlichen Jahrgang 2020 – ein sehr guter Rotweinjahrgang mit sehr präzisen, eleganten Weinen – waren Vertreter aus sechzehn unterschiedlichen Einzellagen eingereicht, die sich geologisch wie ihre Exposition betreffend durchaus unterscheiden. Die drei höchst­bewerteten Weine kommen aus exemplarischen Rieden und obwohl sie klar den Leithaberg-Kodex erfüllen, sich finessenreich und doch stoffig-druckvoll präsentieren, spricht hier einmal mehr das Terroir ein wichtiges Wort mit.

Von Norden nach Süden ist zunächst der Gritschenberg, auch als „Weiße Wand“ bezeichnet, stark vom Leithakalk geprägt. Auch der Reisbühl im Südosten des Leithabergs ist stark von Kalk geprägt, beide prämierten Weine zeigen tendenziell eine rotbeerige Aromatik, die für einen ausgezeichneten Trinkfluss sorgt. In der Ried Mariental, von manchen Winzern auch Marienthal geschrieben, in Oggau, ist ebenfalls ein karger, kalkhaltiger Boden zu finden, in dieser Ostlage mischt sich allerdings zu der roten stets auch eine dunklere Fruchtkomponente dazu. Die Top-Weine aus dem Jahrgang 2016 zeigen sich bereits sehr schön, ein Jahrgang, der zwischen zwei hochgerühmten Rotweinjahren 2015 und 2017 liegt und mit dem 2020er in vielerlei Hinsicht gut vergleichbar ist. Alles in allem ein subtiler, feinfruchtiger roter Leithaberg-Jahrgang, der bereits ein großes Genusspotenzial anbietet und doch zugleich mit seiner Leichtfüßigkeit und Eleganz über weiteres Potenzial verfügt. Der Jahrgang hat tendenziell ein moderateres Alkoholaufkommen, was durchaus im allgemein zu beobachtenden Trend liegt, und gefällt mit seinem präzisen Sortencharakter. Hier zeigen sich nun auch die vom Schiefer geprägten Weine bereits von ihrer Sonnenseite. Beide Jahrgänge sind der beste Beweis dafür, dass man auch abseits der ganz großen Jahrgänge, die man am Leithaberg in den letzten ungeraden Jahren ansiedelt, ganz hervorragende Ried-Weine mit klarem Herkunftsbild findet.

Auch am Leithaberg haben schon viele Winzer auf Biobewirtschaftung umgestellt.
© Leithaberg DAC / Paul Szimak
Auch am Leithaberg haben schon viele Winzer auf Biobewirtschaftung umgestellt.

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Erschienen in
Falstaff Nr. 10/2023

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Peter Moser
Peter Moser
Wein-Chefredakteur Österreich
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