Die Landpartie nach Markt Indersdorf führt durch die Erwartbarkeit oberbayerischer Idylle: Felder, Kühe, Traktoren, Kirchen. Umso härter ist der Kontrast zu Sabrina Fenzls »Mind«. Wer das Lokal in der Dachauer Straße betritt, eine komplett sanierte ehemalige Metzgerei, taucht ein in eine Welt ausgewählter Ingredienzien, Farben und Reizen. Der hintere Gastraum ist schwarz getüncht. Es gibt Beats auf die Ohren, Leuchtgirlanden und Sesselschaukeln. Bunte Dschungelmalerei zieren eine Wand. Wo war noch mal Bayern? Hier drin jedenfalls nicht – abgesehen vielleicht vom regionalen Rehfleisch, das Fenzl jedoch ganz untypisch als Tatar mit Kaffeevinaigrette und Lorbeersorbet serviert. Die Köchin zelebriert die pure Freiheit kreativem Kochhandwerks, kreiert eigensinnige Gemüsegänge wie rote Bete in bunten Texturen mit Sauerrahm-Sauerkraut-Schaum und bringt wunderbare Wohlfühlgerichte auf den Teller wie das Onsenei mit Pistazie, Topinambur und Beller Knolle. Grandios auch das krosse Sauerteiggebäck mit Olivenölbutter. Fenzls Menü entfaltet sich genussvoll, während man entspannt in den Stühlen zurücklehnt. Dann sitzt man plötzlich stramm, als das Mieralhuhn in zwei Gängen aufgetragen wird, darunter ein trockengereiftes Bruststück feinster Textur. Herbe Grillnoten werden von der rustikalen Frucht von Quitte und Bohnenpüree aufgefangen. Die Jus: so geschliffen, dass man sie dankbar mit einem Stück Brot auftunkt. Das Gericht ist nicht weniger als große Präzisionskunst, die beweist: Die Küchenchefin will noch mehr. »Ruhe« klingt für Fenzl ohnehin wie ein Schimpfwort. Zusätzlich zum Lokal übernahm sie die Waldwirtschaft ihrer Eltern und kümmert sich nebenbei um 180 Bäume.