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Angel Dimayuga im Haus der Kunst: Für wen wurde hier gekocht?

München
Kunst
Kulinarik

Das Münchner Haus der Kunst möchte in Zukunft häufiger mit Kulinarik kuratieren. Tolle Idee! Dass die Umsetzung nicht gelang, lag nicht am Essen per se.

Es sollte ein Abendessen unter Freunden werden, zu dem die US-amerikanische Koch- und Performancekünstler*in Angel Dimayuga am Sonntag ins Haus der Kunst eingeladen hatte. Im Rahmen der Live-Performance-Reihe Echoes konzipierte die 40-Jährige unter dem Titel Living Room Concepts ein philippinisches Menü – mit dem sie sich als Kind von Einwanderern in den USA bereits einen Namen gemacht hatte. Der verstorbene Starkoch Anthony Bourdain, der auch ihr Mentor war, bezeichnete sie mal als »Botschafterin der philippinischen Küche«.

Fragwürdige Performance

Aus der Bar des »Schumanns« sollte das Essen geliefert werden, dazu Livemusik und Filme. Klang nach Spaß. Den hatten die Künstlerinnen auch auf der Bühne – leider schloss gerade das das Publikum aus.

In einem großen, dunklen Saal standen kleine Tische wie im Kabarett. Die Stimmung war erwartungsvoll und nur bei manchen Gästen dadurch gedämpft, dass die einzige alkoholfreie Option Wasser mit und ohne Sprudel war. Für alle anderen gab es Naturwein von Vino Honesto. Oliven und Knoblauch-Cornick, philippinischer gepuffter Mais, standen zum Aperitif bereit, außerdem ein Früchteteller mit Apfel und Litschis – die gut auf das fröhliche Essen aus »Angels Kitchen« vorbereiteten.

© Graydon & Harriet

Die Lieferung kam mit einiger Verspätung, was man ihr nachgesehen hätte, hätten Dimayuga und ihre geladenen Freundinnen, die philippinisch-kanadische Filmemacherin Stephanie Comilang und die DJane Nadine Noor, nicht etwas zusammenhangslos auf der Bühne gequatscht, um die Zeit zu füllen. Dimayuga fragte eine der beiden, ob ihr Vater eigentlich Sternzeichen Löwe sei, alle umarmten sich sehr oft. Warum sollte man ihnen dabei zuschauen, wie sie ihre Freundschaft zelebrierten?

Wachsende Irritation

Blick ins Publikum: wachsende Irritation, vor allem bei Münchnern mit einem Durchschnittsalter von 50 Jahren. Der Abend unter Freunden – es sollte wohl vor allem ein Abend unter Angels Freunden werden, die viele nicht kannten.

Umso größer war die Erleichterung, als das Essen eintraf. In Pappassietten bekam jeder Gast adrette vegetarische Portiönchen, die durch einen hohen Reisanteil sättigten. An dem Essen war überhaupt nichts auszusetzen, aber in Erinnerung bleibt das feine und gesunde Comfort Food auch nicht. Der Safran-Reis-Tamale mit Chili-Essig-Soße stach heraus, ansonsten blieb es geschmacklich zurückhaltend. Der angekündigte Leche Flan mit weißem Pfeffer wurde durch einen klebrigen Brownie ersetzt, der nach dem vielen Reis noch einmal eine unnötig weiche, füllende Textur draufsetzte – so gut er auch war.

Unter einem gemeinsamen Abendessen hatte man sich doch etwas anderes vorgestellt. Angesichts von 45 Euro Eintrittspreis – dieser schloss allerdings einen ganzen Tag im Museum mit ein – wäre auch nicht mehr zu machen gewesen. Aber das hätte man anders ankündigen können.

Zum Beispiel als Filmabend mit kleinem Abendessen. Denn eine Stunde nach dem Dinner liefen drei tolle Filme aus der asiatischen Diaspora, die das Essen gut ergänzt hätten. Leider waren da schon viele Gäste gegangen.

Die hohe Kunst des Gastgebens

Der Grund dafür mag sein, dass sich ein Konzept, das Dimayuga bereits 2023 in New York gezeigt hatte, nicht einfach auf München übertragen ließ. Das hätten die Kuratoren und die Künstlerin bedenken müssen. Kurz nachdem Dimayuga das Living Room Concept in New York aufgeführt hat, ist sie nach Los Angeles gezogen. »Der Abend fühlte sich an wie eine Abschlussfeier«, erzählt sie nach der Veranstaltung. Viele Freunde und Bekannte aus der Kunstszene seien gekommen.

In der New Yorker Kunst- und Gastroszene ist Dimayuga eine bekannte Persönlichkeit. Nachdem sie lange als Köchin arbeitete, versteht sie sich heute als Creative Director für Food-Events – ob im MoMA PS1 oder für Audi. Sie tritt für queere und migrantische Rechte ein, ihre Fans sind vor allem jung, hip und urban. »Ich will mit dem Living Room Concept Menschen zeigen, wer ich bin und was ich mag«, sagt Dimayuga. »Auch wenn das nur zehn Prozent des Publikums anspricht, freue ich mich darüber.«

Dass die eigenen Vorlieben einen ganzen Abend füllen sollen, ist allerdings etwas vermessen. Gastgeben ist schließlich eine eigene hohe Kunst. Essen kann helfen, kulturelle Brücken zu bauen – gerade weil es so intim ist – doch dafür müssen die Gäste aktiv einbezogen werden. Genau diese Vermittlungsleistung blieb an diesem Abend aus – und daran scheiterte das Konzept im Haus der Kunst.


Lena Baumann
Autorin
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