»Cookbook-Club«: So kommen Kochbücher wirklich zum Einsatz
Unsere Autorin hat sich in die Welt der »Cookbook-Clubs« gestürzt – eine Mischung aus Buchclub und gemeinsamer Kochrunde – und dabei nicht nur neue Rezepte ausprobiert, sondern auch ihren kulinarischen Horizont erweitert.
Wenn Geld in meinem Leben keine Rolle spielen würde, dann wäre jeder Zentimeter meines Zuhauses mit Kochbüchern gefüllt. Meine Wunschliste wächst ständig und in einem Maße, das mich langsam den Überblick verlieren lässt – von Klassikern wie »Joël Robuchon – Die klassische französische Küche« bis zu aktuellen Veröffentlichungen wie »Hawa Hassan und Julia Turshen – Ma Africa« oder »Natasha Pickowicz – More than Cake« ist alles dabei. Nun besitze ich aber gerade einmal zehn Kochbücher, was einerseits daran liegt, dass diese in der Regel ganz schön teuer sind. Andererseits ist es sehr schwer, sich zwischen den vielen Kochbüchern für eins zu entscheiden. Aus diesem Grund war ich begeistert, als ich auf Social Media das erste Mal das Phänomen »Cookbook-Club« kennenlernte. Auf TikTok und Instagram wimmelt es nur so von Videos über verschiedenste Cookbook Clubs.
Ein Cookbook-Club ist eine Mischung aus einem Potluck, also einem Abendessen, bei dem alle Gäste etwas mitbringen und einem Buchclub. Nur wird hier kein Roman besprochen, sondern ein Kochbuch ausprobiert und die Gäste bringen Gerichte aus einem vorher ausgesuchten Kochbuch mit. Um der Sache auf den Grund zu gehen, beschloss ich, selbst einen Kochbuch-Club zu gründen.
Die Auswahl ist wichtig
Ein solcher Club ist in der Regel ganz leicht organisiert: Wenn man unter Freunden bleiben will, muss man nur einen gemeinsamen Termin und jemanden finden, der sich als erster Gastgeber zur Verfügung stellt. Für meinen Kochbuch-Club habe ich Kochteams vorgeschlagen, weil gemeinsam kochen besonders viel Spaß macht. Das Gastgeber-Team macht dabei die komplizierten Gerichte, in unserem Falle die Hauptgerichte.
Kochbuch-Clubs sind aber auch eine wunderbare Möglichkeit neue Leute kennenzulernen. Diese Clubs finden sich meist über Social Media, oder professionell organisierte Events wie dieses von »The Cooks Connection« zusammen.
Die Auswahl des Kochbuchs ist wichtig, weil die Küche möglichst Geschmack und Fähigkeiten der entstandenen Gruppe treffen sollte. Wir haben uns für den ersten Cookbook Club für »Extra Good Things« aus der Ottolenghi Testkitchen entschieden, da zwei Kochteams das Buch zu Hause hatten und die Rezepte eher unkompliziert sind.
Satt und zufrieden
Nachdem man sich für das Menü entschieden hat und allen Beteiligten die notwendigen Rezepte zugeschickt hat, kann es auch schon losgehen. Das Gute am Club-Modell ist, dass nicht alle das Buch kaufen müssen. So bleibt die Schwelle niedrig. Auf dem Menü aus »Extra Good Things« standen: Weiße Bohnen in brauner Butter mit Frühlingszwiebel-Pesto, Wasabi-Erbsen mit Koriander-Furikake, Blumenkohl-Schawarma mit grünem Tahin, Augenbohnen in Brühe mit Grillzwiebel-Salsa und Kaffeemousse mit Tahin-Karamell.
Für meine persönliche Sammlung fehlt mir aber das gewisse Etwas, das dazu führt, dass ich immer wieder nach einem Kochbuch greife.
Nach dem Essen, wenn alle schon satt und zufrieden sind, geht man zum analytischen Teil des Abends über. Schließlich geht es bei einem Cookbook-Club nicht nur ums Essen und Beisammensein, sondern auch darum, das ausprobierte Kochbuch zu besprechen und zu bewerten. Ich habe dafür einen Fragenkatalog erstellt und die versammelte Runde beantworten lassen: Welches Gericht hat euch am besten geschmeckt? Fast einstimmig die weißen Bohnen mit brauner Butter und Frühlingszwiebel-Pesto. Würdet ihr das Buch kaufen, falls ihr es noch nicht habt? Das haben alle bejaht. Wie viel Aufwand war das Kochen? Nicht besonders aufwendig, aber eher etwas, das man für Gäste kocht, als im Alltag. Würdet ihr das Buch verschenken? Durchaus. Hat euch die Kombination an Gerichten gefallen? Sehr gut, das könnte man genauso nochmal servieren.
Den kulinarischen Horizont erweitern
Man muss den Kochbuch-Club natürlich nicht ganz so analytisch angehen. Ich bin in der Hinsicht vielleicht ein Nerd, aber mir geht es einerseits darum, herauszufinden, ob ein Kochbuch ein gutes Investment ist und andererseits, zu verstehen, was ein gutes Kochbuch an sich ausmacht. Sind es allein gut geschriebene Rezepte oder auch Extras, wie Menüvorschläge? Im Falle von »Extra Good Things« fällt mir positiv auf, dass viele Verwendungsvorschläge für die Soßen, Toppings etc. gemacht werden und diese nicht auf das ursprüngliche Rezept begrenzt werden, indem sie vorkommen. So wird z.B. für das Koriander-Furikake vorgeschlagen, dass man es auch über eine Backkartoffel streuen oder zu Reis essen kann.
Trotzdem komme ich am Ende des Abends als einzige zu dem Schluss, dass ich »Extra Good Things« nicht nochmal kaufen würde. Nicht, weil es ein schlechtes Kochbuch wäre, im Gegenteil, ich würde es jedem empfehlen, der ein etwas unkomplizierteres Ottolenghi-Kochbuch sucht. Für meine persönliche Sammlung fehlt mir aber das gewisse Etwas, das dazu führt, dass ich immer wieder nach einem Kochbuch greife. Worin genau dieses gewisse Etwas besteht, hoffe ich durch den Cookbook-Club langsam herauszufinden. Das Tolle am Format Kochbuch-Club ist ja, dass man umgeben von Menschen, die ebenfalls gerne kochen und essen, den eigenen kulinarischen Horizont erweitern kann. Für meinen Kochbuch-Club steht als nächstes »Fuchsia Dunlop – Every Grain of Rice« auf dem Plan, weil wir uns gemeinsam mit den Techniken chinesischer Küche beschäftigen möchten.
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