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In den eindrucksvollen Kellergewölben des Weinguts Schloss Gobelsburg reift auch der St. Laurent Reserve zur Perfektion heran.

In den eindrucksvollen Kellergewölben des Weinguts Schloss Gobelsburg reift auch der St. Laurent Reserve zur Perfektion heran.
© Michael Moosbrugger

Das St. Laurent Geheimnis: Der andere Pinot Noir

St. Laurent
Österreich
Rotwein

Rund 600 Hektar nimmt die feinwürzige rote Spezialität in Österreich ein: St. Laurent ist hierzulande eine echte Alternative zu Pinot Noir, auch wegen seines geringeren Alkoholwerts bei vollem Geschmack. Neben Blaufränkisch könnte sich St. Laurent zur zweiten qualitativen Speerspitze des österreichischen Rotweins entwickeln.

Zugegeben, ganz pflegeleicht ist diese Rebsorte nicht, und doch besitzt sie einige herausragende Eigenschaften. Sie treibt mittelstark aus, blüht relativ früh, reift aber auch früher aus als die meisten anderen heimischen Rotweinsorten. Ihre Ansprüche an den Standort sind hoch, Regen im Herbst mag sie nicht. Denn dann tendieren die Beerenhäute dazu aufzuplatzen und auch die Botrytis birgt Gefahren. So bringt St. Laurent tendenziell unregel­mäßige Erträge, manche Winzer berichten auch, dass die Lebensdauer der Weingärten geringer ist als bei anderen Sorten.

Wo liegen also ihre Stärken? Im Hinblick auf die Entwicklung des Konsumverhaltens hat St. Laurent einen wesentlichen Vorteil gegenüber anderer Rotweinsorten: Die Trauben entwickeln markant weniger Zucker in den Beeren, aus ihnen entstehen daher Rotweine mit hoher Tanninreife bei geringeren Alkoholwerten, die sich zwischen 12,5 und 13 Prozent bewegen.

Im Vergleich zum Pinot Noir zeigt der St. Laurent eine dunklere Farbe, besitzt eine höhere Säure, was ihm Frische verleiht, und eignet sich mit seinem reifen Gerbstoff gut für einen Ausbau im Eichenfass. Die Sorte verfügt über mehr Würze, zeigt Noten von Weichseln und Kirschen, aber auch von Tabak und Schokolade und sie entwickelt am Gaumen mit einiger Reife eine samtige Textur, saftige Extraktsüße, Länge und Komplexität.

Ursprung Klosterneuburg

Man kann nicht mit Bestimmtheit sagen, wann und wo der Burgundersämling entstanden ist, dazu gibt es unterschiedliche Theorien. Sein Name bezieht sich auf den Lorenzitag, den 10. August: Rund um diesen Tag beginnen die Trauben, sich zu verfärben.

Auch wenn das Elsass als Ursprungsort diskutiert wird, lässt sich das aufgrund der völligen Absenz der Sorte in der französischen Appellation bezweifeln. In Mitteleuropa wurde St. Laurent von Klosterneuburg aus verbreitet, neben Österreich und Deutschland findet man die Sorte heute nur in Tschechien und der Slowakei in nennenswerter Verbreitung. In Österreich verteilt sich die Sorte je zur Hälfte mit 286 Hektar auf Niederösterreich und das Nordburgenland, in der Steiermark und in Wien existieren nur eine Handvoll Rebstöcke.

Der St. Laurent besitzt gegenüber dem Pinot Noir mehr Würze und eine lebendigere Säure.

Vieles spricht dafür, dass man die Sorte dem Weinbau des Stifts Klosterneuburg unweit von Wien zu verdanken hat, dem bereits früh eine wichtige Rolle in der Rebenselektion zugekommen ist. Aus Anlass der Gründung der Weinbauschule 1860 schenkte das Stift der neuen Einrichtung »Laurenzer Trauben«, der Name St. Laurent ist erstmals bei einer Pflanzung im Kahlenbergerdorf 1893 nachweisbar.

Im Jahr 1922 wurde aus Blaufränkisch und St. Laurent die sehr erfolgreiche Sorte Blauer Zweigelt gezüchtet, nach dem Zweiten Weltkrieg pflanzte das Stiftsweingut in Tattendorf in der Thermenregion St. Laurent im großen Stil aus, die Ried Stiftsbreite ist mit 48 Hektar die größte zusammenhängende Rebfläche der Sorte.

In der Folge erlebte sie einen gewissen Aufschwung und wurde schließlich 1972 in Österreich als Qualitätssorte anerkannt. Anfang des 21. Jahrhunderts erlebte der St. Laurent nochmals einen kleinen Boom, aktuell sind die Flächen leicht rückläufig.

Die Heimat des St. Laurent

Das Zentrum für den Anbau von St. Laurent hat sich im flachen, tiefgründigen Süden vom Gumpoldskirchen ausgebildet, wo Kies und Schotter und trockene kalkhaltige Schwarzerde der Sorte ein ideales Umfeld bieten. Insbesondere der Ort Tattendorf mit seinen Paradelagen wie Stiftsbreite, Frauenfeld und Holzspur liefert mit großer Regelmäßigkeit Topergebnisse.

Die Brüder Reinisch vom Johanneshof in Tattendorf gelten als die Champions des St. Laurent, aber die Liste der Herausforderer wächst. Johann Gisperg, aber auch die Familien Auer, Schneider oder Aumann und das Stiftsweingut Klosterneuburg sind regelmäßig an der Spitze der Verkostungen zu finden. Zu jenen, die ebenfalls auf einer gut sortierten Weinkarte nicht fehlen dürfen, zählen Fritz Wieninger, Michael Malat und das Schlossweingut Gobelsburg.

Auch im nördlichen Burgenland, in geeigneten Lagen bei Gols und Mönchhof, läuft die Sorte zur Höchstform auf. Hier an der Kante der Parndorfer Platte herrschen, genauso wie in der Lage Herrschaftswald, fast idente geologische Bedingungen wie im niederösterreichischen Tattendorf. Georg Stiegelmar zählte bereits früh zu den Vorreitern der Sorte, Josef Pöckl erzeugte seinen ersten Admiral 1989 noch als reinsortigen St. Laurent. Josef Umathum aus Frauenkirchen zählt mit dem »Vom Stein« ebenfalls zu den Qualitätspionieren der Sorte, von der jungen Generation hat sich Markus Iro einen Namen gemacht, wie auch Christopher Perepatics vom Weingut Neff aus Podersdorf.

Zu nennen sind auch Keringers Commander und der St. Laurent von Allacher Vinum Pannonia GmbH, im nahen Carnuntum sind Walter Glatzer und Philipp Grassl mit St. Laurent »Alte Reben« eine Bank. Hannes Schuster aus St. Margarethen pflegt einen besonders finessenreichen St.-Laurent-Stil, der internationale Anerkennung findet. In Gols erzeugen zudem Pannobile-Winzer bevorzugt Pét Nats aus gleichgepresstem Blanc-de-Noirs-St.-Laurent-Most. Ein Trend, der auch in anderen Weinbauregionen Schule macht.

Nordöstliche Gefilde

In Tschechien steht St. Laurent auf 797,36 Hektar hauptsächlich in Mähren und ist nach Blaufränkisch die am zweithäufigsten angebaute rote Rebsorte in der Tschechischen Republik. Michal Šetka, renommierter Experte von »Wine & Degustation« aus Prag, sieht Potenzial in der Sorte, die hier Svatovavřinecké heißt: »Verbraucher schätzen die angenehm fruchtigen Noten von Kirschen, die frische Säure, die interessante Tanninstruktur und die Möglichkeit einer attraktiven Kombination mit vielen lokalen und internationalen Gerichten. Es gibt viele einfache, leicht zu trinkende Weine aus dieser Sorte auf dem Markt, die besten Produzenten stellen sehr gute Weine her, die deutlich an ihre burgundische Verwandtschaft erinnern.«

Zu den ausgewiesenen Spezialisten der Rebsorte gehören in Mähren das Weingut Thaya in Havraníky unweit der Grenze zu Retz, Vít Sedláček in Vrbice und Vinařství Plešingr bei Nikolsburg. Nordöstlich von Prag bietet die junge Vinné sklepy Kutná Hora sehr guten St. Laurent, an den Ufern der Elbe zählen Vinařství Bettina Lobkowicz in Mělník und Žernosecké vinařství unweit von Litoměřice zu den wichtigen tschechischen Produzenten der feinen Rebsorte.

Auch in der Slowakei gibt es eine ähnlich große Anbaufläche wie in der Tschechischen Republik oder Österreich, hier tendiert man im bereits etwas wärmeren, pannonisch beinflussten Klima der Kleinkarpaten dazu, dem Rotwein etwas Restzucker zu lassen. Eine junge, slowakische Winzergeneration setzt stark auf Natural Wines, die Sorte Svätovavrinecké kommt dann leichtfüßig und fruchtig auf die Flasche.

Deutscher Nachholbedarf

Auch Deutschland hat eine St.-Laurent-Tradition – der Weinbaupionier J. P. Bronner soll die Sorte Mitte des 19. Jahrhunderts aus Frankreich mitgebracht haben. Die ganz großen Rotweine sind aber eher die Ausnahme, meist bewegt man sich im Bereich der guten Mittelklasse. Man findet St. Laurent verbreitet in der Pfalz, wo die Schwestern Gaul in Sausenheim und das Weingut Wageck Weine in Bissersheim als Anlaufstellen dienen können, auch in Rheinhessen ist die Sorte heimisch.

Aus Laubenheim an der Nahe kommt vom Weingut Sascha Montigny ein sehr gelungener Sortenvertreter. Heute werden rund 650 Hektar St. Laurent kultiviert, der Schwerpunkt liegt dennoch bei den Spätburgundern, die zunehmend im internationalen Spitzenfeld mithalten können.


 

Erschienen in
Falstaff Magazin Schweiz Nr. 2/2025

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Peter Moser
Peter Moser
Chefredakteur Wein
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